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Sanierung für Millionen : Die Freibäder werden wieder hübsch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kiel will das beliebte Freibad Katzheide auf dem Ostufer für 1,8 Millionen Euro zukunftsfähig machen. Und nur wenige Kilometer weiter, in Raisdorf, soll das Freibad für 3 Millionen Euro saniert werden. Das passiert in drei Etappen – im ersten Abschnitt wird die gesperrte Wasserrutsche wiederhergestellt.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 18:16 Uhr

Wichtige Impulse für die Freibäder im Großraum Kiel: Die Landeshauptstadt will das beliebte, aber in die Jahre gekommene Freibad Katzheide auf dem Kieler Ostufer für 1,8 Millionen Euro sanieren. Und gleich nebenan, in Schwentinental, hat die Stadtvertretung am Mittwochabend ein Drei-Millionen-Programm zur Modernisierung ihres Raisdorfer Freibades beschlossen. Dabei soll auch die seit der Saison 2015 gesperrte Wasserrutsche wiederhergestellt werden.

Die 103 Meter lange Rutsche war einst die Attraktion. Von der Wiedereröffnung versprechen sich die Stadt und die Stadtwerke Schwentinental (SWS) als Träger des Bades große Anziehungskraft. „Jede zusätzlich verkaufte Eintrittskarte wird das Minus veringern“, erklärte gestern Bürgermeister Michael Stremlau. Gegenwärtig sorgt das Bad für ein jährliches Defizit von einer Viertelmillion Euro. Deshalb ist die Sanierung finanziell ein harter Angang: Die Stadt wird erstmals einen Schuldenstand von 25 Millionen Euro erreichen, schätzt Stremlau.

Die Grundsatzentscheidung pro Freibad hat bereits mit der Kommunalwahl im Frühjahr 2018 zu tun. Eine von den Grünen initiierte Unterschriftenkampagne machte mobil für den Erhalt des Freibades und strebte – ähnlich wie vor zwei Jahren die Bewegung „Katzheide Ja!“ in Kiel – ein offizielles Bürgerbegehren an. Favorisiert wurde ein kompletter Neubau in Form eines Naturbades. Kostenpunkt: rund 4,3 Millionen Euro.

Treiben lassen aber wollten sich SPD, CDU und die Wählergemeinschaft SWG keinesfalls. Sie machten sich stark für das von SWS-Geschäftsführer Jens Wiesemann vorgelegte Konzept einer konventionelle Sanierung für drei Millionen Euro, verteilt über drei Jahre. Das hat den Charme, dass die fälligen Arbeiten außerhalb der Badesaison ausgeführt werden. Im ersten Schritt könnte bereits im Frühjahr 2019 die beliebte Wasserrutsche wieder benutzt werden.

Laut Wiesemann besteht beim Natur- oder „Ökobad“ das Risiko des „Kippens“. Dann muss es für zwei, drei Tage geschlossen werden, weil die Selbstreinigung nicht hinterherkommt. Außerdem lasse sich das Wasser nicht so gut erwärmen wie in üblichen Becken. Drittes Argument: Bislang konnten die SWS Verluste beim Bad mit Gewinnen aus der Energieversorgung verrechnen, auch weil das Blockheizkraftwerk die nötige Energie liefert. Doch mit dem Naturbad-Neubau wäre es fraglich, ob das Finanzamt künftig diese Querfinanzierung anerkennt. Hunderttausende von Euros stehen auf dem Spiel.

All dies überzeugte die allermeisten Stadtvertreter. Lediglich der Grüne Andreas Müller bezweifelte die Seriosität des beteiligten Ingenieurbüros („Die haben ja nicht mal eine Homepage“) und verglich die Planung gar mit dem umstrittenen Projekt „Stuttgart 21“. Die Reaktion kam prompt. Volker Sindt (SPD) warf den Grünen vor, die Bürgerinitiative zu instrumentalisieren. Uwe Bartscher (SWG) griff Müller mit den Worten an: „Sie sind der Bremser. Sie kriegen kalte Füße.“ Norbert Scholtis (CDU) fand sogar, dass man angesichts der „abstrusen Äußerungen“ mit dem Kollegen Müller „viel zu höflich“ umgeht. Am Ende sprachen sich 18 Stadtvertreter für die von Wiesemann skizzierte Sanierung aus, verbunden mit der Erwartung, dass Stadt und SWS eine finanziell solide Lösung finden. Einzig die Grünen und der Vertreter von WIR (Wir in Raisdorf) enthielten sich.

Für Katzheide zeichnet sich eine Lösung bereits ab. Auf 1,8 Millionen Euro beziffert der Kieler Stadtrat Gerwin Stöcken den Sanierungsaufwand für das 1960 erstellte Freibad. Details wollte er gestern Abend im Schul- und Sportausschuss vorstellen. Kleine Anmerkung: Bei der politische Debatte um das Bürgerbegehren hatte die Stadt die Sanierungskosten 2014 noch auf 10,4 Millionen Euro taxiert. Doch wie es scheint, geht’s auch für einen Bruchteil dieser Summe.  

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