Sanierung der Kiellinie : Die eingezäunte Flaniermeile

Den freien Fördeblick  verstellt der Zaun. Seit 2015 ist die Uferseite der Promenade an der nördlichen Kiellinie abgesperrt.
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Den freien Fördeblick verstellt der Zaun. Seit 2015 ist die Uferseite der Promenade an der nördlichen Kiellinie abgesperrt.

Seit Jahren ist ein 500 Meter langer Promenadenabschnitt der Kiellinie wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt. Die Stadt hatte bislang kein Geld für die Sanierung und setzt jetzt aufs Land. Auf millionenschwere Zuschüsse aus dem Programm „Zukunft Stadtgrün“.

shz.de von
11. April 2018, 18:40 Uhr

Klar ist gegenwärtig nur eins: Es wird teuer. Das Fördewasser hat einen langen Abschnitt der Promenade im Verlauf der nördlichen Kiellinie unterspült – und die Sanierung des maroden Bereichs ist ein millionenschweres Unterfangen. Die Stadtkasse gab diese Investition bislang nicht her. Ein raffinierter Schachzug könnte die Wende bringen. Weil es nicht mehr allein um die kaputte Spundwand geht, sondern raumgreifender um die „Kiellinie und den Düsternbrooker Fördehang“. Unter diesem Titel setzt die Stadt auf Zuschüsse aus dem landesweiten Programm „Zukunft Stadtgrün“.

Völlig zu Recht spricht ein Papier der Stadträtin Doris Grondke von der Kiellinie als „bedeutendster Flaniermeile“ und „Visitenkarte“ für die Stadt. Nur: Seit Jahren verstellt ein langer Zaun über dem angegriffenen Abschnitt Passanten den freien Blick auf Förde und Schiffe. Zwischen dem Sporthafen Düsternbrook und dem Anleger Bellevue weist die Spundwand starke Rostschäden auf. Salzwasser ist eingedrungen und hat die Promenade unterspült. Es besteht Einsturzgefahr.

Schon vor zwei Jahren taxierte die Stadt die Reparaturkosten für die Kiellinie, die damals noch Hindenburgufer hieß, auf 3,7 Millionen Euro. Für die erneuerte Spundwand, für den Tauchereinsatz und die Betonfüllung. Sollte der beliebte Weg direkt am Wasser gleich mit saniert werden, würde die Investition auf 8,8 Millionen Euro wachsen. Eine provisorische Reparatur wäre ebenfalls möglich, fällt aber mit einem sechsstelligen Betrag für eine Übergangszeit zu teuer aus. Klare Ansage 2016: „Nur die gemeinsame Sanierung der Uferwand und der Promenade ist wirtschaftlich sinnvoll.“

Bislang hat die Stadt Fördergelder von 600 000 Euro erhalten. Gedacht für vorbereitende Arbeiten und vor allem für einen Wettbewerb, der Ideen für die „Flaniermeile“ liefern und auf Jahre hinaus den Städteplanern als Grundlage dienen soll. Denn in der „deutschlandweit nahezu einmaligen Uferstrecke“ steckt noch viel Potenzial, wie ein städtisches Papier von 2017 festhielt. Kiel müsse sich einfach nur an Städten wie Schleswig oder Kopenhagen orientieren.

Die Ratsversammlung in der nächsten Woche wird wohl der Stadtbaurätin folgen und den Antrag auf Aufnahme ins landesweite Förderprogramm – verbunden mit der Hoffnung auf 8,9 Millionen Euro – unterstützen. Ob die Sanierung des Ufers aber überhaupt förderfähig ist, wird sich wohl erst später entscheiden. Im schlimmsten Fall muss die Stadt erhaltene Gelder ans Land zurückzahlen. Inclusive der fälligen Zinsen.

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