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Bier-Messe : Die Craft-Brauer wollen das Bier neu erfinden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie wird immer experimentierfreudiger: Die Szene der Craft-Bier-Brauer verschafft dem beliebtesten Getränk der Deutschen eine breite Geschmacksvielfalt. Obwohl – oder gerade weil – das berühmte Reinheitsgebot oft unterlaufen wird.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2017 | 18:17 Uhr

Ob sie ihr Bier nun „Dunkle Macht“ nennen oder „Orange Pale Ale“, „Nordik Porter“ oder „Walkürenschluck“, „Rosamunde“ oder „Rasputin“ – eines haben die Brauer der Craft-Bier-Szene gemeinsam. Sie wollen dem beliebtesten Getränk der Deutschen mehr Vielfalt und Individualität geben, Das durfte der Besucher am Wochenende beim Gang über die Kieler Craft-Bier-Messe erfahren. Die Szene-Brauer experimentieren mit Aroma-Hopfen und Getreidesorten ebenso wie mit unorthodoxen Eingriffen in die Produktionstechnik. Auch das deutsche Reinheitsgebot ist ihnen nicht immer heilig,

Doch das ist eigentlich keine ganz neue Entwicklung. Sah das Reinheitsgebot von 1516 streng genommen nur Wasser, Hopfen und Gerstenmalz vor, werden seit Jahrhunderten auch die Weizenbiere oder die dunklen Roggenbiere gerne getrunken. Warum also den Sud nicht auch mit Hafer ansetzen, fragte sich etwa Christine Niemeyer von Klapper-Bräu. Ihr Haferbier begreift sie ebenso wie ihr Rauchbier als Werbung für ihren Landgasthof im Storchendorf Bergenhusen.

Ähnlich verfährt Braumeister Sascha Lämmer für die Ricklinger Landbrauerei. Für seine Gäste hat er einen eigenen Kalender entworfen – jeden Monat ein anderes Bier. Für das „Porse“ im Mai beruft er sich auf uralte Rezepte aus der Zeit vor dem Reinheitsgebot. Statt Hopfen lässt sich auch das Porse-Kraut als natürlicher Stoff zur Haltbarmachung des Gebräus verwenden.

Besucher wie Julia Bolik schätzen die Vielfalt der Messe. Sie setzt auf das Sauerbier, noch so eine Besonderheit, bei der sich die Craftbrauer auf urtümliche Rezepte der deutschen Biertradition besinnen. Julias männliche Begleiter Robert und Harald Pohl favorisieren das Schwarzbier und das fruchtige Pale Ale.

Die kleine Kieler Lille-Brauerei produziert 400 Hektoliter im Jahr. Ein eigenes neues Pils, ein Lager, ein Pale Ale und ein Braunbier namens „Honk a tonk“ stellten sie auf der Messe vor. Bislang buchten Florian Scheske und Max Kühl für ihre Rezept-Biere fremde Brauereien. Das soll sich ändern: Mit einer eigenen Brauerei peilen sie künftig 1500 Hektoliter an.  

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