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Berufsförderung : Die Burgbauer von der Krusenkoppel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unter der Anleitung von Thomas Bieler erschaffen ehemalige Förderschüler in diesen Tagen das Ritterdorf auf der Krusenkoppel. Bühne, Burg, Brunnen, Backofen und vieles mehr errichten die Jugendlichen, die nur allzugern eine richtige Lehre antreten würden.

Die Bühne, auf der später der Zauberer seine Tricks vorführen und der Märchenerzähler seine Geschichten vorlesen wird, steht bereits. Weiter oben auf dem Hügel ragen bislang nur senkrechte Holzpfeiler in den Himmel, hier entsteht in den nächsten Tagen noch eine mittelalterliche Burg – Heimstatt für „Ritter Kruse von der Drachenkoppel“. Für sämtliche Konstruktionen ist eine Gruppe 16- und 17-jähriger Jugendlicher verantwortlich. Sie haben die Schule vor einem Jahr verlassen, bislang aber noch keine Lehrstelle gefunden – und überbrücken die Wartezeit in einem Berufsvorbereitenden Jahr beim Ausbildungsverbund Kiel (AVK), dem früheren Jugendaufbauwerk.

Ihr Betreuer, der Dachdeckermeister Thomas Bieler spricht – durchaus anerkennend – von seiner „Bande“. Er zeigt den Jungs die Skizzen, er gibt Anleitung und Hilfestellung, achtet auf Arbeitsschutz und den richtigen Gebrauch der Werkzeuge. Aber er legt Wert darauf, dass im Grunde genommen sämtliche Bauten auf der Krusenkoppel, dem Kinderparadies zur Kieler Woche, von den Jugendlichen errichtet werden. Und dazu gehört auch, dass Finn und Kevin den zehn Meter langen, zentner-schweren Querbalken über der Bühne höchstpersönlich in die Höhe gehievt haben. Beide standen an den Enden vier Meter hoch auf Leitern und balancierten ihre hölzerne Last aus.

„Ich ziehe den Hut“, beurteilt Bieler die Leistungen seiner Schützlinge, die allesamt ehemalige Förderschüler sind und ihre ganz eigenen Probleme mit Lesen, Rechnen oder auch dem Arbeitsablauf auf einer Baustelle haben. Genau dafür sind die elf Monate beim AVK vorgesehen: den Berufsalltag und die Arbeitsdisziplin kennenlernen, das Durchhaltevermögen für eine dreijährige Lehre testen. In den vergangenen heißen Tagen mussten sie auch mit der prallen Sonne klarkommen – Schatten gibt es auf der Wiese nur wenig. Verlockend ist dafür die Aussicht auf ein warmes Mittagessen, das der AVK seinen jungen Schützlingen täglich vorbeibringt. „Darauf freut man sich schon am frühen Morgen“, sagt Marcel.

Bereits seit September haben die Jungs in den Werkstätten in Gaarden etwa die Wappen für die Ritterwelt gesägt, genagelt und bemalt. Sie haben einen Brunnen geschaffen, eine Schmiede und einen Backofen – alles wandert in den nächsten Tagen vom Ostufer aufs Westufer. Zur Kieler Woche soll das Kinderdorf stehen – die Krusenkoppel gegenüber dem Landtag zieht jährlich über 300  000 kleine und große Besucher an. Für einen Kieler-Woche-Tag wird dann auch Meister Bieler mit seiner „Bande“ auf der Krusenkoppel vorbeischauen. Er gab seinen Schützlingen vorab schon einen wichtigen Tipp: Fotografiert die Bühne, die Burg und alles, was ihr gebaut habt – das könnt ihr später bei der Bewerbung vorzeigen. Das glaubt euch sonst niemand!  

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erstellt am 10.Jun.2016 | 18:36 Uhr

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