Bundesforschungsministerin in Kiel : Deutsche Forschungsflotte soll erneuert werden

Das deutsche Forschungsschiff 'Polarstern' trifft in der Antarktis auf zwei Pinguine (Archivfoto von Dezember 2004).

Das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ trifft in der Antarktis auf zwei Pinguine. 2020 soll die „Polarstern 2“ in Dienst gestellt werden.

Anja Karliczek (CDU) besucht am Dienstag unter anderem das Geomar. Künftig sollen neue Schiffe auf Expedition gehen.

shz.de von
31. Juli 2018, 13:37 Uhr

Kiel | Gespräche, Vorträge und eine kurze Fahrt auf der Förde – Bundesministerin Anja Karliczek informiert sich am Dienstag über das Bildungs- und Wissenschaftsland Schleswig-Holstein. Es geht um die Lehrerausbildung und um die Meeresforschung. Für diese wird die Flotte erneuert.

Bundesforschungsministerin auf der Förde

Mit zwei neuen Schiffen wollen die deutschen Meeresforscher künftig auf Expedition gehen. Für die in die Jahre gekommene „Polarstern“ ist ein Ersatzbau vorgesehen und für die ähnlich betagten „Meteor“ und „Poseidon“ ein weiterer. Ein persönliches Bild von der deutschen Meeresforschung will sich am Dienstag Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Kiel machen. Nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wird die Ressortchefin das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung besuchen. Passenderweise überquert sie die Förde dafür mit dem Forschungskutter „Littorina“.

Karliczek, die auch für Bildung zuständig ist, wird in Kiel auch mit Landesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sprechen und das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik besuchen. Ein Thema wird dabei der Lehrernachwuchs sein.

Neues Schiff „Polarstern 2“ für 2020 vorgesehen

Im Hinblick auf die Erneuerung der deutschen Forschungsflotte steht zunächst die Nachfolge der „Polarstern“ (Heimathafen: Bremerhaven) an, die 1982 in Dienst gestellt worden war. Hier liegen nach Angaben des Bundesbildungsministeriums Angebote vor, die bis zum Jahresende ausgewertet werden sollen. Eine Indienststellung der „Polarstern 2“ ist für 2020 vorgesehen.

Für das gleiche Jahr hatte Karliczeks Vorgängerin Johanna Wanka (CDU) 2015 die Indienststellung eines Ersatzbaus für die „Poseidon“ (Kiel, 1976) und die „Meteor“ (Hamburg, 1986) angekündigt. „Die Planungen laufen“, sagte Geomar-Pressesprecher Jan Steffen.

Allerdings könne sich die Indienststellung vielleicht etwas verzögern. Aus dem Bundesministerium liegen zum Stand dieses Projekts bisher keine Angaben vor. Der geplante Neubau soll beide genannten Schiffe ersetzen. Mit „Poseidon“ und „Meteor“ habe es teilweise teure Überkapazitäten gegeben, hatte Geomar-Direktor Peter Herzig 2015 gesagt. Die Einsatzzeit der „Poseidon“ läuft Ende 2019 aus, die der „Meteor“ endet 2022.

Die deutsche Forschungsflotte im Überblick:

„Polarstern“

Das deutsche Forschungsschiff 'Polarstern' trifft in der Antarktis auf zwei Pinguine (Archivfoto von Dezember 2004).
Alfred-Wegener-Institut

Das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" trifft in der Antarktis auf zwei Pinguine (Archivfoto von Dezember 2004).

 

Die „Polarstern“ ist ein 118 Meter langes, 10,5 Knoten schnelles Forschungsschiff, das 75 Tage auf See verbringen kann. Das Schiff wurde eigens für die Polarforschung konzipiert und ist im Nord- und Südpolarmeer zu Hause. Der Eisbrecher bietet 50 Wissenschaftlern Platz. Heimathafen des Schiffes ist Bremerhaven. Die Polarstern wurde 1982 in Dienst gestellt.

Im September 2019 startet die größte Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten: Der deutsche Forschungseisbrecher wird vom norwegischen Tromsø in die Arktis aufbrechen und ein Jahr lang fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer driften. Versorgt von weiteren Eisbrechern und Flugzeugen werden insgesamt 600 Menschen aus 17 Ländern an der Expedition teilnehmen. Geleitet wird die Mission vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

„Meteor“

Das deutsche Forschungsschiff „Meteor“: Mehr als eine Million Seemeilen legte das Schiff in den vergangenen 25 Jahren zurück. Rund 8000 Experten forschten während ihrer 85 Expeditionen auf nahezu allen Weltmeeren.
Markus Scholz, dpa

Das deutsche Forschungsschiff „Meteor“: Mehr als eine Million Seemeilen legte das Schiff in den vergangenen 25 Jahren zurück. Rund 8000 Experten forschten während ihrer 85 Expeditionen auf nahezu allen Weltmeeren.

Die „Meteor“ ist als interdisziplinäre Forschungsplattform seit 1986 für Wissenschaftler im Atlantik, Ost-Pazifik, West-Indischer Ozean, Mittelmeer oder der Ostsee unterwegs. Das 98 Meter lange Schiff erreicht 11,5 Knoten und kann 50 Tage ununterbrochen auf See sein. 28 Forscher finden hier Platz und arbeiten in den Bereichen der maritimen Meteorologie, der physikalischen Ozeanografie, Meereschemie oder Bakteriologie. Heimathafen ist Hamburg.

„Sonne“

Das neueste Forschungsschiff „Sonne“: Als eine Art schwimmendes Labor ist das Forschungsschiff vor allem im Pazifik und Indik unterwegs.
Meyerwerft Papenburg

Das neueste Forschungsschiff „Sonne“: Als eine Art schwimmendes Labor ist das Forschungsschiff vor allem im Pazifik und Indik unterwegs.

Die „Sonne“ wurde am 17. November 2014 als erstes neues Schiff der Flotte in Dienst gestellt. Sie kommt vorwiegend im Pazifik und indischem Ozean zum Einsatz. 40 Personen können auf dem 116 Meter langen Schiff im Hinblick auf Klimawandel, Ökosysteme und Nutzung von Meeresressourcen forschen. Das Schiff kann 52 Tage auf See verbleiben und erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 12,5 Knoten. Heimathafen ist Wilhelmshaven.

„Maria S. Merian“

Eisrandfähig und oft in polaren Gebieten für die Meeresforschung unterwegs: Die Maria S. Merian.
Martin Visbeck/Geomar

Eisrandfähig und oft in polaren Gebieten für die Meeresforschung unterwegs: Die Maria S. Merian.

Die 95 Meter lange „Maria S. Merian“ zeichnet sich durch ihre Eisrandfähigkeit aus. Seit dem 9. Februar 2006, ihrer Indienststellung, ermöglicht sie bis zu 22 Forschern die Reise im Nordatlantik und dem Polarmeer. Der Name stammt von Maria Sibylla Merian, der Begründerin der deutschen Entomologie. Das Schiff liegt in Rostock.

„Poseidon“

Das Kieler Forschungsschiff „Poseidon“ fährt am 15.08.2011 an einem Gletscher in Spitzbergen vorbei.
Jens Greinert/Geomar

Das Kieler Forschungsschiff „Poseidon“ fährt am 15.08.2011 an einem Gletscher in Spitzbergen vorbei.

Im Mittelmeer und Nordatlantik kommt die 61 Meter lange „Poseidon“ zum Einsatz. Ihr Namensgeber ist der griechische Gott des Meeres. Das Forschungsschiff mit Platz für elf Wissenschaftler schafft neun Knoten und kann 21 Tage auf See bleiben. Es dient der Forschung im Bereich der Ozeanographie, Meeresbiologie und Geologie. Eigner ist das Land Schleswig-Holstein. Heimathafen der „Poseidon“ ist Kiel.

„Alkor“ und „Heincke“

Die „Alkor“ aus Kiel hat mit der „Heincke“ ein baugleiches Schwesterschiff auf Helgoland.
Geomar

Die „Alkor“ aus Kiel hat mit der „Heincke“ ein baugleiches Schwesterschiff auf Helgoland.

Die 55 Meter lange „Alkor“ und ihr Schwesterschiff „Heincke“ (55 Meter) kommen in der Nord- und Ostsee zum Einsatz. Die „Alkor“ bietet zwölf Personen Platz und gehört dem Land Schleswig-Holstein. Es liegt im Heimathafen in Kiel. Die „Heincke“ ist auf Helgoland stationiert und gehört dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

„Elisabeth Mann Borgese“

Die „Elisabeth Mann Borgese“ im Heimathafen Rostock.
Mison/Wikimedia Commons

Die „Elisabeth Mann Borgese“ im Heimathafen Rostock.

 

Das Schiff wird durch das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) betrieben. Das IOW führt die Begutachtung von Fahrtvorschlägen durch. Das Schiff ist 56,6 Meter lang und elf Knoten schnell. Es kommt in der Ostsee zum Einsatz und liegt im Rostocker Hafen. Das Schiff wurde nach der Meeresschützerin Elisabeth Mann Borgese benannt.

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