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Unterricht für Flüchtlingskinder : Deutsch büffeln in der „Alten Mu“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Gebäude der früheren Kunsthochschule will die Stadt nun doch keine Berufsschüler, sondern Flüchtlingskinder in DaZ-Klassen unterbringen. Die Ratsversammlung stimmt am 21. April darüber ab.

Nun ist es offiziell: Die Kieler Stadtverwaltung sagt Nein zu einer Übergangs-Nutzung der früheren Muthesius-Kunsthochschule für Schüler des Regionalen Berufsbildungszentrums (RBZ  1). Nach einer monatelangen Prüfung kommt die Stadt zu dem Ergebnis: zu wenig Platz, keine Aula, zu kurze Nutzungsdauer für zu hohe Sanierungskosten von geschätzten zwei Millionen Euro.

Einen Alternativvorschlag präsentiert die Verwaltung dennoch: Stattdessen will sie im viergeschossigen „Turm“-Gebäude des Komplexes nun rund 400 Flüchtlingskinder in 19 Basiskursen für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) unterbringen, um andere Schulen zu entlasten. Baustadtrat Peter Todeskino und Schulstadträtin Renate Treutel hoffen auf grünes Licht im Schulausschuss kommende Woche und in der Ratsversammlung am 21. April. Für die 80 Kreativen des Vereins Alte Mu Impuls-Werk, die in den Werkstatträumen der „Alten Mu“ bislang ohne Perspektive arbeiten, könnte das bedeuten: Sie würden Untermieter der Stadt, hätten voraussichtlich eine Planungssicherheit bis September 2019. Das ist jedoch noch unklar.

Klar ist aus Sicht der Stadt: Es gibt nur Platz für maximal 15 der benötigten 21 RBZ-1-Klassen im früheren Muthesius-Gebäude. Eine Aula könne zudem nicht eingerichtet werden. Außerdem sei der mögliche Zeitraum von gut einem Jahr und fünf Monaten für eine Zwischennutzung zu begrenzt – der Kostenaufwand für die notwendige bauliche und technische Herrichtung der Räume von geschätzten 2 Millionen Euro stehe „in keinem Verhältnis“, schreiben Todeskino und Treutel in ihrer Beschlussvorlage. Die Räume der alten Kunsthochschule würden „nach Herrichtung frühestens ab September 2017 als Provisorium zur Verfügung stehen“. Fazit: „Die Option (...) ist unwirtschaftlich.“

Hintergrund: Die Stadt hatte angedacht, das Gebäude der alten Hochschule als Provisorium während einer vorzeitigen Sanierung der Schule am Rondeel herzurichten. Die Standorte Rondeel und Gellertstraße gehören beide zum RBZ  1, müssen saniert werden. Nun lautet der Plan: Nacheinander sollen zwischen September 2016 und September 2019 Schüler beider Standorte am einzigen Ausweichstandort, im Gebäude der ehemaligen Adolf-Reichwein-Schule (Neumühlen-Dietrichsdorf), untergebracht werden. Denn dieses reicht nicht für die Aufnahme aller Schüler aus beiden Gebäuden aus. Zusätzlich sollen Container aufgestellt werden, um weiterhin fehlende Raumkapazitäten abzudecken.

Die Verwaltung möchte unterdessen die Muthesius-Räume für DaZ-Klassen maximal bis September 2019 nutzen. Nach Angaben der Stadt haben viele Schulen bereits durch zusätzliche Funktionen wie Nachmittagsangebote Raumnot. Dazu komme die Notwendigkeit für die Stadt, DaZ-Klassen für schulpflichtige Flüchtlingskinder einzurichten, deren Deutschkenntnisse nicht für den Besuch einer Regelschulklasse ausreichen. „Diese werden zunächst für etwa ein Jahr in DaZ-Basis-Klassen unterrichtet, bevor sie in die Regelschulen in der DaZ-Aufbaustufe integriert werden“, schreiben Treutel und Todeskino. Für beide Unterrichtsformen würden Schulräume benötigt.

Warum sich das alte Muthesius-Gebäude eigentlich grundsätzlich „aufgrund der zentralen Lage und der baulichen schulischen Struktur“ für die Unterbringung von DaZ-Basisklassen eignet, aber nicht für Berufsschüler in Frage kommt, blieb gestern offen. Treutel und Todeskino stellen indes fest: „Die Nutzung dieser Räume ist eine gute Möglichkeit, zur Entlastung der teils sehr angespannten Raumsituation an den Kieler Schulen beizutragen.“

Ein Zwischenergebnis einer Überprüfung durch die Stadt gibt es auch schon: Der viergeschossige alte Muthesius-„Turm“ mit einer Nutzfläche von 2000 Quadratmetern könnte für 19 DaZ-Klassen zu je 20 Schülern hergerichtet werden. Platz für sieben Gruppenräume und ein Lehrerzimmer gibt es auch. Mit „circa 1  100  000 Euro“ (Renovierung, Brandschutz, moderne Elektroinstallationen und zusätzliche WCs inklusive) wären die voraussichtlichen Ausgaben günstiger als für den früheren Plan, dort die RBZ-Schüler unterzubringen.


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erstellt am 06.Apr.2016 | 06:04 Uhr

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