Mobil ohne Autos : Der Weg in die Schule: Fahrrad statt Elterntaxi

Es läuft nicht immer rund: Ministerin Sabine Sütterlin-Waack (mit Fahrrad) diskutiert mit Carsten Massau, Thomas Möller und Meike Roggenkamp (von links) über den städtischen Radverkehr.
Es läuft nicht immer rund: Ministerin Sabine Sütterlin-Waack (mit Fahrrad) diskutiert mit Carsten Massau, Thomas Möller und Meike Roggenkamp (von links) über den städtischen Radverkehr.

Die Europäische Union hat ein millionenschweres Projekt aus der Taufe gehoben. 115 000 Euro fließen zum ADFC nach Kiel. Dort suchen Meike Roggenkamp und Carsten Massau nach Lösungen für eine verstärkte Radnutzung im städtischen Verkehr.

shz.de von
24. Juli 2018, 18:05 Uhr

Überraschendes Ergebnis einer aktuellen Zählung: Landesweit ist der Anteil der Radler am Straßenverkehr binnen zehn Jahren von 15 auf 13,5 Prozent gesunken. Das mag auch daran liegen, dass offenbar immer mehr Eltern den Nachwuchs am liebsten direkt ins Klassenzimmer kutschieren würden. „Fahrrad statt Elterntaxi“ könnte deshalb eine der Lösungen sein, den Straßenverkehr zu entkrampfen. Darin war sich Europa-Ministerin Sabine Sütterlin-Waack gestern einig mit den Verantwortlichen vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Es geht dabei natürlich auch um die Sicherheit der Schulwege, um Codierungen als Schutz vor Diebstahl, um den „Radführerschein“ für Grundschüler. Um die Radlerzahl zu erhöhen und eine Art Gebrauchsanweisung für die von Autos verstopften Städte zu schreiben, hat Brüssel ein millionenschweres Programm aufgelistet. Knapp 115 000 Euro fließen nach Schleswig-Holstein. Genauer gesagt: zum ADFC in Kiel, wo mit Meike Roggenkamp und Carsten Massau zwei Experten praktische Handlungsempfehlungen entwickeln wollen.

Fahrradstraßen mit ihrem Vorrang von Drahteseln gegenüber Autos gehören zu den Ansätzen – in Kiel fallen etwa die Hansastraße und die Gerhardstraße dazu. Beim „Parking Day“, der international am 3. September begangen wird, wollen sich die Radfreunde der vielen Auto-Parkplätze bemächtigen und damit ein gutes Stück des Straßenlebens für sich zurückgewinnen. Zur Premiere zum Besuch der Europa-Ministerin hatte ADFC-Chef Thomas Möller mit seinen Helfern auf den Parkflächen vor dem Büro den grünen Teppich ausgerollt und einen Café-Tisch aufgestellt. Kommentar einer Nachbarin: „Das sieht ja richtig gemütlich aus.“

Sabine Sütterlin-Waack hat noch ganze andere Vorstellungen vor einer „multi-modalen“ Kommune, von einer Stadt, die eben nicht nur auf privaten Autoverkehr setzt. Die frühere Kommunalpolitikerin aus dem Kreis Schleswig-Flensburg plädiert für städtische Anlaufpunkte, wo man wahlweise auf den Bus, aufs Rad oder aufs E-Bike umsteigen kann. Drei Jahre Zeit haben die ADFC-Aktiven, um erfolgreiche Modelle aus Dänemark oder den Niederlanden zu kopieren. Apropos Niederlande. Dort liegt der Radleranteil im Straßenverkehr bei 30 Prozent – das ist mehr als Doppelte gegenüber Schleswig-Holstein.

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