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Brücke, Tunnel, Seilbahn : Der Traum von der Förde-Querung

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein langer Weg ist es einmal rund um die Förde. Weshalb sich Planer seit vielen Jahren mit dem Projekt einer Brücke beschäftigen. Oder eines Tunnels. Oder einer Seilbahn. Alles wäre machbar, alles aber ist zugleich unbezahlbar.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 17:57 Uhr

Die erwünschte Machbarkeitsstudie ist nicht machbar. Zu diesem Ergebnis kommt die Kieler Stadträtin Doris Grondke. Sie war mit einem uralten Wunsch der Kieler Städteplaner konfrontiert worden: einer Querung der Kieler Förde außerhalb der Hörn.

Der Gedanke ist nicht neu, mit einer Brücke, einem Tunnel oder sogar einer Seilbahn jene Probleme zu lösen, die die städtische „Hufeisenlage“ rund um die Förde verursacht. Wer etwa von Dietrichsdorf auf dem Ostufer nach Holtenau oder Friedrichsort auf dem Westufer fahren möchte, muss unweigerlich in einer langen Tour um die Ostseebucht herum. Obwohl Ziel- und Startpunkt vielleicht nur drei Kilometer Luftlinie voneinander entfernt liegen, kommen auf der Straße schnell 20 Kilometer zusammen.

Aktuell hatte der „Junge Rat“ – das städtische Nachwuchsparlament – den Gedanken an eine Fördequerung aufgegriffen. Die Antwort der Stadträtin fällt allerdings deutlich aus: „Für eine Machbarkeitsstudie, die mit einem sechsstelligen Betrag zu finanzieren wäre, stehen Finanzmittel gegenwärtig nicht zur Verfügung.“ Dennoch: Mitarbeiter hatten sich mit den grundlegenden Fragen beschäftigt und die Alternativen aufgelistet.

Erste Variante wäre eine Brücke. Aufgrund der großen Anzahl von Schiffspassagen käme eine Klapp- oder Hubbrücke nicht in Frage. Das feste Bauwerk müsste eine Durchfahrtshöhe von mindestens 60 Metern besitzen und eine Durchfahrtsbreite von 500 Metern. Die Gesamtlänge dürfte einschließlich der benötigten Rampen drei bis fünf Kilometer betragen, die grobe Kostenschätzung für das imposante Bauwerk liegt bei 250 Millionen Euro. Zum Vergleich: Knapp die Hälfte hat die Rügenbrücke bei Stralsund gekostet, aber sie besitzt auch nur eine lichte Höhe von 42 Metern.

Ein Tunnel nach dem Vorbild des Lübecker Herrentunnels oder des Rostocker Warnow-Tunnels wäre etwas günstiger für 200 Millionen Euro zu haben. Beide Projekte finanzieren sich aktuell über eine Maut. In Lübeck existiert ein Shuttle-Dienst für Fußgänger und Radfahrer im 15-Minuten-Takt. Das kostet eine Million Euro jährlich.

Dritte theoretische Möglichkeit wäre eine Seilbahn: schön anzusehen, touristisch attraktiv und nach historischem Vorbild. Jahrelang verkehrte über dem Bootshafen zwischen dem Förde-Parkhaus und dem Kaufhaus Weipert eine Seilbahn. 15 Fahrgäste passten in eine Kabine, heute wäre die Kapazität wohl das Vierfache. Allerdings: Die 80 Meter hohen Pylonen bergen Konflikte mit der Schifffahrt. Vermutlich kostet die Förde-Seilbahn „nur“ 40 bis 60 Millionen Euro – plus hoher jährliche Ausgaben für die Unterhaltung.

Ergebnis der Planer: Die ersehnte Querung der Förde ist nicht in Sicht. Etliche andere Großprojekte (Schwimmbad, Zob, Kleiner Kiel-Kanal) sind vorrangig. Und schließlich ließe sich ja auch die Fördeschifffahrt mit viel weniger Geld aufrüsten. 13 Millionen Euro verschlingt die Modernisierung der Anleger, 15 Millionen Euro kosten die neuen Fährschiffe – und auch mit ihnen kommt man über die Förde.

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