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Der Tag nach dem Sturm: „Xaver“ blieb ruhig in Kiel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schwere Schäden nur an FH / Weniger Einsätze als bei „Christian“

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 06:17 Uhr

Ein paar dicke weiße Flocken, hier und da noch eine stärkere Windböe. Zwischendurch sogar mal ein kurzer Sonnenstrahl. Der Tag nach dem groß angekündigten Orkan „Xaver“ begann für die meisten Kieler entspannt. Viele Unternehmen und Behörden hatten geschlossen, auch an den Hochschulen fielen die Veranstaltungen aus – das sorgte für verhältnismäßig leere Straßen. Die Fährschiffe auf der Kieler Förde liefen auch gestern, wie angekündigt, nicht aus.

Der wohl schwerwiegendste Sturmeinsatz begann für die Kieler Feuerwehr erst gestern morgen um 9 Uhr: In der Holtenauer Straße 136 drohte der Wind 50 Quadratmeter Dach eines sechsgeschossigen Mehrfamilienhauses abzudecken. Die Feuerwehr Kiel trennte die Gefahrenteile ab und sicherte das Material im Innenhof des Hauses. Gegen zwölf Uhr war der Einsatz beendet – auch die generelle Alarmbereitschaft.

Großen Sachschaden meldete die Fachhochschule: Hier riss „Xaver“ die Dachhaut von Gebäude 12 (Grenzstraße 3) runter. Bleche und Teile der dort installierten Anlagen sind in den Innenhof des Gebäudes geflogen und haben zu weiteren Schäden geführt. Da im Umfeld des Gebäudes eine erhöhte Unfallgefahr besteht, sind Gehweg und Teile des Innenhofs abgesperrt. Erste Sicherungsmaßnahmen sind getroffen. Die oberen Stockwerke können frühestens am Wochenende – wenn der Sturm nachgelassen hat – gegen eindringendes Wasser gesichert werden. Die Instandsetzung der ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen Dachaufbauten, wie Lüfter, Blitzschutz, usw. wird ab Montag koordiniert. In den betroffenen Räumen im 4. Obergeschoss befinden sich Labore und Büros des Instituts für Mechatronik. Aktuell organisiert die Liegenschaftsverwaltung gemeinsam mit dem Fachbereich das Auslegen von Planen; Möbel, PCs und Geräte werden in Sicherheit gebracht, Nasssauger und Personal sind vor Ort für das Wochenende organisiert. Im Kleinen Hörsaalgebäude in der Luisenstraße hatte der Wind in der Nacht ein Fenster eines Hörsaals nach innen gedrückt, hier übernahm die Feuerwehr erste Sicherungen.

Bei der Feuerwehrleitstelle Mitte liefen in den 24 Stunden (Donnerstag 12 Uhr bis Freitagmittag) im Schnitt 70 Anrufe in der Stunde auf. Insgesamt wurde die Feuerwehr zu 475 Einsätzen im Kreis Rendsburg-Eckernförde (237), Kiel (122) und im Kreis Plön (113) gerufen. Dabei handelte es sich laut Pressesprecher Michael Krohn um umgestürzte Bäume auf Straßen, teils auch Fahrzeuge, heruntergefallene Dachziegel und Äste. Personen wurden nicht verletzt. Krohn bezeichnete die Situation gestern in Kiel als „gut zu tun, aber entspannt“. „Bei ‚Christian‘ hatten wir doppelt so viele Anrufe pro Stunde“, sagte Krohn.

Insgesamt ruhig und „viel entspannter als bei Sturm ‚Christian‘“ lautete auch das Fazit der Regionalleitstelle der Polizei. Hier liefen zwischen 12 Uhr Donnerstagmittag und gestern Morgen um 5 Uhr 80 sturmbedingte Einsätze für Kiel und den Kreis Plön auf. „Hauptsächlich handelte es sich dabei um heruntergestürzte Äste, Verkehrsschilder oder umgekipte Baustellenabsperrungen“, sagte Polizeisprecher Bernd Triphahn. Zwischen 20 und 21 Uhr hatte „Xaver“ Kiel in der Stärke erreicht, wie er schon seit den Nachmittagsstunden erwartet wurde. „Hier hatten wir binnen kürzester Zeit 20 Einsätze“, sagte Triphahn. Doch selbst das sei noch unter dem normalen Einsatzaufkommen. Triphahn: „Die Menschen folgten der Aufforderung, Zuhause zu bleiben. Alltagseinsätze wegen Verkehrsunfällen oder Schlägereien blieben somit für die Kollegen aus.“

Der hohe Personaleinsatz von insgesamt 30 Streifen allein im Kieler Stadtgebiet wurde deshalb seit den späten Abendstunden zurückgefahren. Seit gestern Vormittag ist die Polizei wieder zum Normalbetrieb übergegangen.

Normalbetrieb herrscht seit gestern Nachmittag auch wieder auf dem Kieler Weihnachtsmarkt. Aufgrund des Orkans blieb die Eisbahn gestern allerdings aus Sicherheitsgründen noch geschlossen. Nach der Reparatur einer Dachbahn und Aufräumarbeiten konnten Eisstockschieß-Events und Weihnachtsfeiern ab abends gefeiert werden. Ab dem heutigen Sonnabend, 7. Dezember, ist ab 10 Uhr wieder Schlittschuhlaufen angesagt.





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