Gerätehaus zerstört : Der „Stern“ macht sich über Brand bei der Feuerwehr Kronshagen lustig

Das Gerätehaus wurde am 22. Februar vollständig zerstört. Der Stern dazu: „Das kommt davon, wenn zehn Männer mit glimmender Zigarette im Bett einschlafen.“

Das Gerätehaus wurde am 22. Februar vollständig zerstört. Der Stern dazu: „Das kommt davon, wenn zehn Männer mit glimmender Zigarette im Bett einschlafen.“

Die Kameraden sind sauer: Das Magazin wählte sie zum Verlierer des Jahres. Dabei ist ihnen das Feuer in traumatischer Erinnerung.

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20. Dezember 2017, 12:56 Uhr

Kronshagen | Es sollte lustig sein. Doch bei der Feuerwehr Kronshagen und vielen ihrer Facebook-Freunde kam ein Passus im satirischen Jahresrückblick des Nachrichtenmagazins „Stern“ vom 16. Dezember gar nicht gut an. Das Magazin aus dem Hamburger Gruner+Jahr-Verlag kürte die ehrenamtlichen Frauen und Männer der Wehr zu einem der Verlierer des Jahres – und das unter anderem neben der NPD, dem Berliner Flughafen, Nutella und Til Schweiger.

Warum? Ausgerechnet bei der Feuerwehr in Kronshagen bei Kiel brannte es am 22. Februar dieses Jahres im Gerätehaus. Als Kommentar im „Stern“-Jahresrückblick heißt es dazu salopp: „Das kommt davon, wenn zehn Männer mit glimmender Zigarette im Bett einschlafen.“

So teilte die Feuerwehr Kronshagen den Beitrag des Sterns auf ihrer Facebook-Seite.
Screenshot/Feuerwehr Kronshagen

So teilte die Feuerwehr Kronshagen den Beitrag des Sterns auf ihrer Facebook-Seite.

 

Wer die Hintergründe des Feuers nicht kennt, könnte jetzt vermuten, dass die Feuerwehrleute den Brand aus Unachtsamkeit selbst verursacht hätten oder gar in dem Gerätehaus übernachten, ärgert sich der stellvertretende Gemeindewehrführer Sönke Körner. „Das ist inhaltlich falsch und hat ein Geschmäckle“, sagte er auf Nachfrage von shz.de am Mittwoch. Die tatsächliche Ursache für das Feuer sei ein technischer Defekt gewesen, vermutlich in der Ladehalterung eines Fahrzeuges, so Körner.

Zwar wurde bei dem Brand niemand verletzt, aber für die Feuerwehr war es ein „herber Schicksalsschlag“, wie es auf ihrer Facebook-Seite heißt. Neben den Gerätschaften wurden dabei fünf Einsatzfahrzeuge zerstört – ein Schaden in Millionenhöhe. Ein Großteil des Daches stürzte ein. 60 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

 

Bis heute sei die Nacht des 22. Februars ein traumatisches Ereignis, so Körner: „Das hat alte Wunden aufgerissen. Die Feuerwehr Kronshagen ist humorvoll und versteht Satire. Aber nach diesem Ereignis brauchen wir keine Satire und das Lächerlichmachen von Feuerwehrleuten.“ Dem Gemeindewehrführer fehlt die Wertschätzung der Arbeit der Feuerwehr und auch des Zusammenhalts in der Gemeinde und dem Land, durch den die Wehr nach dem Brand schnell wieder voll einsatzfähig war.

„Das Land hat uns mit zwei Fahrzeugen unterstützt. Andere Fahrzeuge waren eine Leihgabe der Stadt Kiel. Stand jetzt ist die Beschaffung der Fahrzeuge und der persönlichen Schutzausrüstung der Kameraden und Kameradinnen komplett abgeschlossen.“ Der eigene Löschzug sei jetzt sogar moderner als vorher.

Mehrere Fahrzeuge sind bei dem Feuer zerstört worden.
Danfoto

Mehrere Fahrzeuge sind bei dem Feuer zerstört worden.

Die Arbeiten am Gerätehaus sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Voraussichtlich im März 2018 soll das Gebäude wieder einsatzfähig sein. Bis dahin sind Fahrzeuge der Feuerwehr Kronshagen in einem nahegelegenen Hallentrakt des Bauhofs der Gemeinde untergebracht.

Wütende Facebook-Kommentare

Die Zahl der Reaktionen auf den Facebook-Post der Wehr liegt 18 Stunden nach der Veröffentlichung bereits bei knapp 2000 und wurde über 2500 Mal geteilt. In den Kommentaren ergreifen viele Nutzer empört Partei für die Feuerwehr. Ein Auszug:

  • „Eine Absolute Frechheit was ihr (Der „Stern“, Anm. von shz.de) euch da geleistet habt, vorallem in einer Zeit wo sich Einsatzkräfte mit immer mehr Pöblern und Prüglern auseinandersetzen müssen. Das schreit nach einer großen Entschuldigung in der nächsten Ausgabe inkl. Spende an die Feuerwehr Kronshagen !!“
  • „ich hab zwar keine Ahnung welcher Praktikant da beim stern recherchiert hat, aber sowas ist ein Schlag vorm Kopf für alle Kameraden der Feuerwehren und auch anderer ehrenamtlicher Organisationen.“
  • „Sag mal stern, was denkst Du Dir dabei? Soll das vielleicht lustig sein? Nein, ist es nicht! 365 Tage im Jahr halten die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland ihren Hintern dafür hin, dass innerhalb von kürzester Zeit im Notfall Hilfe vor Ort ist - ehrenamtlich, in der Freizeit und manchmal auch auf Kosten der Gesundheit!“
 

Für Gemeindewehrführer Sönke Körner ist auch das ein Zeichen des Zusammenhalts und der Solidarität mit der Feuerwehr. Er erwartet keine Reaktion vom „Stern“. „Wir hegen auch keinen Groll gegen die Redaktion. Wir wollten das nur nicht so stehen lassen und unseren Standpunkt vertreten“, so Körner. An die Adresse des Magazins fragt die Feuerwehr Kronshagen in ihrem Facebook-Beitrag trotzdem: „Ist das der Dank dafür, dass die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Kronshagen allein in den ersten 3 Tagen nach dem Feuer über 600 Arbeitsstunden in die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft, der Schulung auf neue Fahrzeuge und ins Aufräumen investiert haben?“

Die Antwort der „Stern“-Redaktion.
Screenshot/Facebook

Die Antwort der „Stern“-Redaktion.

 

Nachdem shz.de den Verlag um eine Stellungnahme gebeten hat, verfasste die „Stern“-Redaktion einen Kommentar auf der Facebook-Seite der Feuerwehr und versucht darin zu beschwichtigen. Der „Stern“ bringe der Freiwilligen Feuerwehr großen Respekt und Anerkennung entgegen, heißt es in der Antwort: „Liebe Follower, liebe Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Kronshagen, liebe Leser, unser satirischer Rückblick auf die „Verlierer des Jahres“ hat die Gemüter der Feuerwehren erhitzt. Das kommt davon, wenn zehn Redakteure versuchen, sich einen Witz auszudenken. Sie, die Feuerwehrleute, sind immer da, wenn es brennt. Freiwillig, unentgeltlich und mit großem Engagement. Dafür bringen auch wir vom STERN Ihnen großen Respekt und unsere Anerkennung entgegen! Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2018.“

Die ursprüngliche Nachricht der Feuerwehr Kronshagen im Wortlaut:

Liebe Follower, liebe Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Kronshagen, liebe Leser,
heute ist uns ein Bericht im stern Jahresrückblick in die Hände gefallen, in dem Wir, die Feuerwehr Kronshagen, als Verlierer des Jahres dargestellt werden. 
Der „Grund“, warum wir die Verlierer des Jahres sein sollen, wird mit dem Satz „das kommt davon, wenn 10 Männer mit glimmender Zigarette im Bett einschlafen“ in den Dreck gezogen, zumal wir uns als freiwillige Feuerwehrleute überhaupt nicht ständig im Gerätehaus aufhalten. 
Dies wollen wir so nicht stehen lassen. 
Natürlich war das Feuer am 22. Februar ein herber Schicksalsschlag für uns. Als Verlierer sehen wir uns dennoch nicht. 
1. ist es nur einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass niemand bei dem Einsatz verletzt wurde. 
2. wurde uns eine ungeheure Welle der Hilfsbereitschaft aus der gesamten Bundesrepublik und darüber hinaus entgegengebracht. 
3. hat das Unglück uns näher zusammengebracht. Wir mussten gemeinsam erleben, wie es ist, auf der anderen Seite zu stehen. 
4. ist die Feuerwehr Kronshagen innerhalb weniger Monate wieder vollumfänglich, mit allen Fahrzeugen einsatzbereit geworden ! Mit dem Bezug des neuen Gerätehauses ist im März 2018 zu rechnen. Dies alles war nur möglich, weil alle Beteiligten gemeinsam, eben wie Gewinnertypen, an einem Strang gezogen haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden ist.

stern ist das der Dank dafür, dass die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Kronshagen allein in den ersten 3 Tagen nach dem Feuer über 600 Arbeitsstunden in die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft, der Schulung auf neue Fahrzeuge und ins Aufräumen investiert haben ?
Ist das der Dank dafür, dass wir, die Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland unsere Angehörigen zu jeder Tages- und Nachtzeit allein lassen, um anderen Menschen zu helfen ?
Ist das der Dank dafür, dass wir nach einer Nacht im Einsatz morgen früh trotzdem noch zur Arbeit gehen ?
Ist das der Dank dafür, dass einige Kameraden den ehrenamtlichen Einsatz mit ihrem Leben bezahlen ?

In Deutschland sind ca. 1 Million Frauen und Männer in einer der fast 23.000 Feuerwehren aktiv. Wir finden, dieser Beitrag ist nicht nur ein Tritt zwischen unsere Beine, sondern ein Tritt zwischen die Beine aller Kameradinnen und Kameraden, die sich bei Wind und Wetter für ihre Nachbarn engagieren.

Lieber stern, auch in der Hansestadt Hamburg gibt es eine Freiwillige Feuerwehr Hamburg. Genau genommen sogar 86 Stück. Vor Ort beim Dienstabend können sie sich sicher einmal von der Professionalität überzeugen.

Wenn ihr unsere Meinung vertretet, dann teilt diesen Beitrag gerne weiter.

Herzlichst,
die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kronshagen

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