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Kita-Kosten : Der Stadt droht der Kollaps

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kiels Stadträtin Renate Treutel arbeitet an einem neuen Masterplan für die frühkindliche Betreuung. 450 neue Plätze schafft die Stadt Kiel jährlich. Doch selbst diese Anstrengung reicht nicht aus. Und die Kosten laufen der Stadt sowieso aus dem Ruder.

Renate Treutel hat eine undankbare Aufgabe. Sämtliche Prognosen der letzten Jahre über die Bevölkerungsentwicklung – und damit auch über die Zahl der Kita-Kinder – in der Landeshauptstadt wurden von der Wirklichkeit übertroffen. Das bedeutet: Die Stadträtin muss ständig nachjustieren, muss Kindergärten bauen, Krippenplätze schaffen, für Betreuung sorgen. Man kann auch sagen: Renate Treutel plant dem realen Bedarf zwangsläufig hinterher – und es reicht doch nie aus.

Das aber ist auch nur die eine Seite der Medaille. Denn gleichzeitig muss die Stadt viel Geld ausgeben für diesen „frühkindlichen Bereich“. Von der einstigen Drittelparität – jeweils ein Drittel tragen die Eltern, das Land und die Kommunen bei – ist nicht viel übriggeblieben. Für das laufende Jahr sind in Kiel rund 112 Millionen Euro für die Kinderbetreuung vorgesehen. Nur etwa 32 Millionen Euro kommen an Zuschüssen und Elternbeiträgen wieder herein. 80 Millionen Euro (gut 70 Prozent) muss die Stadt alleine aufbringen. Renate Treutels Fazit: „Ohne Neustrukturierung der Kita-Finanzierung drohen die Haushalte der Kommunen zu kollabieren.“

Denn das Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht. Die Gründe sind vielfältig. So macht sich auch die Zahl der Flüchtlingskinder bemerkbar. Größeren Einfluss hat aber die wachsende Attraktivität der Stadt, Kiel besitzt mittlerweile einen klingenden Namen. Das schlägt durch. Die letzte Prognose aus dem Jahr 2014 sah – um ein Beispiel zu nennen – 6650 Kinder unter drei Jahren vor. Tatsächlich aber waren es zum Jahresende 6970 kleine Mädchen und Jungen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen und den Kindern im Grundschulalter fällt diese Differenz zwischen Kalkulation und Wirklichkeit noch größer aus.

„Wir schaffen jährlich rund 450 Betreuungsplätze. Ein enormer Kraftakt. Doch das Tempo reicht nicht aus“, erklärte Renate Treutel gestern im Rathaus. Neubau von Kitas, Unterstützung von Betriebs-Kitas, Einrichtung von Waldgruppen, Containerlösungen – die Stadträtin ist für kreative Ideen dankbar. Bis zum Herbst will Renate Treutel mit ihrer Mannschaft einen Masterplan zur frühkindlichen Erziehung aufsetzen. Als halbwegs verlässliches Gerüst für die Zukunft.  

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erstellt am 06.Apr.2017 | 15:39 Uhr

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