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Kiel

13. Dezember 2017 | 18:18 Uhr

Der Schwimmtrainer schweigt weiter

vom

Ein Jahr nach dem Auftakt zum Missbrauchs-Prozess gegen Farshid S. rollt Kieler Amtsgericht das im Herbst 2012 geplatzte Verfahren neu auf

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Kiel | Für alle Beteiligten muss es wie ein böses Déjà-Vu-Erlebnis sein: Dieselbe Anklageschrift, dieselben intimen Details, derselbe Angeklagte und dieselben Zeugen - nur ein Jahr später, und zwar auf den Tag genau. Alles geht wieder von vorn los. Gestern wurde der geplatzte Missbrauchs-Prozess gegen den Ex-Olympia-Schwimmtrainer Farshid S. (41) am Amtsgericht Kiel neu aufgerollt. Und noch etwas hat sich nicht geändert: Auch diesmal wird der Angeklagte zu den Vorwürfen vorerst schweigen. Das teilte seine Verteidigerin Annette Marberth-Kubicki gestern knapp mit. Das Ziel ist immer noch der Freispruch.

Dem promovierten Sportwissenschaftler und gebürtigen Teheraner werden insgesamt 18 Fälle sexuellen Missbrauchs vorgeworfen. Zwischen 2004 und 2006 soll er sich in seiner Kieler Wohnung und an anderen Orten an einer ihm damals seit vier Jahren anvertrauten jungen Schwimmerin mehrfach vergangenen haben. Dabei habe er die mit dem Betreuungsverhältnis verbundene Schutzbedürftigkeit missbraucht, sagte die Staatsanwältin gestern. Das Mädchen war damals erst 16 Jahre alt und sexuell unerfahren.

Im August 2004 flog sie mit ihrem Trainer und dessen Freundin nach Kreta - in diesem Urlaub kam es laut Anklage zu einem ersten Übergriff. Die 16-Jährige und die Freundin des Angeklagten waren demnach stark angetrunken. Während die Zeugin sich im Bad übergeben musste, vergriff er sich offenbar an der nahezu wehrlosen 16-Jährigen. Weitere Übergriffe folgten, in denen Farshid S. laut Anklage immer mehr von seinem Opfer forderte. Dazu gehörte auch ungeschützter Geschlechtsverkehr im Wald. Mitunter ignorierte der Angeklagte der Staatsanwältin zufolge Schmerzen und Weinen des Mädchens.

Heute ist sie Mitte 20 und Nebenklägerin in dem Verfahren, zu dem im ersten Anlauf in weiten Teilen die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden war. Der Prozess gegen den Schwimmtrainer war Ende November vergangenen Jahres überraschend geplatzt. Statt der geplanten Plädoyers hatte die Verteidigung am zehnten Verhandlungstag erneut den Antrag auf ein aussagepsychologisches Gutachten gestellt, um die Glaubwürdigkeit des Opfers zu überprüfen. Das Gericht gab dem Antrag statt, das Gutachten konnte jedoch in der geforderten Zeit nicht erstellt werden. Der Kieler Psychologie-Professor und Gutachter Günter Köhnken begleitet nun den Prozess. Alle bisher gehörten elf Zeugen müssen wieder aussagen, auch die Hauptbelastungszeugin und Nebenklägerin. Voraussichtlich wird sie am zweiten Verhandlungstag gehört werden, vermutlich nicht-öffentlich.

Anzeige hatte die junge Frau bereits 2009 erstattet. Die Staatsanwaltschaft Kiel erhob 2011 Anklage. Bekannt wurde der anstehende Prozess erst, während das deutsche Team bei Olympia in London war - mit Farshid S. als einem der Trainer, der zu dem Zeitpunkt in den Medien noch hochgelobt worden war, als außergewöhnlicher Meistermacher. Ihm drohen, neben dem Verlust seiner beruflichen Existenz, auch juristische Konsequenzen: Bis zu vier Jahre Haft. Der Prozess wird am 2. September fortgesetzt.

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