Sozialer Wohnungsbau : Der Ruf nach einer städtischen Baugesellschaft

Als Gastrednerin beim DGB erhielt Stadträtin Doris Grondke aus der Hand von DGB-Chef Frank Hornschu ein Steinchen aus der alten Wandmauer des Gewerkschaftshauses.
Als Gastrednerin beim DGB erhielt Stadträtin Doris Grondke aus der Hand von DGB-Chef Frank Hornschu ein Steinchen aus der alten Wandmauer des Gewerkschaftshauses.

Die Kieler Stadtbaurätin Doris Grondke, seit wenigen Monaten im Amt, will den sozialen Wohnungsbau verstärken. Beim DGB-Jahresempfang plädierte sie für die Gründung einer eigenen städtischen Baugesellschaft.

shz.de von
26. Januar 2018, 18:51 Uhr

Wie geht es weiter mit den Neubauten in Kiel? Warum gibt es in der Landeshauptstadt nicht genügend erschwinglichen Wohnraum für den Normalverdiener? Das wollte der Deutsche Gewerkschaftsbund wissen. Frank Hornschu, DGB-Vorsitzender in der Kern-Region, begrüßte zum Jahresempfang deshalb die neue Baurätin Doris Grondke – sie hatte im Sommer die Nachfolge von Peter Todeskino angetreten.

„Wohnen ist eine wichtige soziale Frage“, erklärte Hornschu in seiner Begrüßung vor den Kollegen. Er erinnerte daran, dass die Gewerkschaften seinerzeit die Privatisierung der städtischen Baugesellschaft heftig kritisiert hatten. Hohe Mieten und der Wohnungsmangel seien heute die Folge, weshalb Hornschu die Einmischung der Politik in den Markt forderte. Und mit Blick auf den Schuldenerlass der Landesregierung gegenüber einem „Pleite-Reeder“ in Höhe von 500 Millionen Euro stellte Hornschu fest: „Geld ist genug vorhanden.“

Auch für Doris Grondke wird deutlich: „Der Druck im Kessel ist groß. Wir brauchen in Kiel eine Wohnungsbau-Gesellschaft.“ Der sozial geförderte Wohnungsbau sei in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt worden. Erfolge stellten sich aber in den letzten Monaten ein. Von den 1600 Wohnungen, die im neuen Quartier „Kieler Süden“ entstehen sollen, werden 550 mit öffentlichen Geldern gefördert – dort liegt die Miete dann bei maximal 5,30 beziehungsweise 8,20 Euro pro Quadratmeter.

Ein verärgerter Zwischenrufer erinnert die Stadtbaurätin an das noch von Todeskino verantworte Prestige-Projekt „Marthas Insel“ neben der Gablenzbrücke, das überhaupt keinen sozial geförderten Wohnraum vorsehe. Doris Grondke gestand Versäumnisse ein – und überraschte die DGB’ler mit einer guten Botschaft. Knapp bevor sie sich auf den Weg zum Jahresempfang gemacht habe, hätte sie im Telefonat mit dem Investor eine Zusicherung erhalten: Das Projekt Martha wird umgeplant. Einzelheiten sind aber noch nicht bekannt. Doris Grondke sprach von einer Herausforderung: „Wir finden einen guten Weg.“

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