Kieler Woche : Der Präsident, der Knoten bindet

Sieht brauchbar aus: Die Kinder im Camp 24/7 zeigten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Seemannsknoten.
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Sieht brauchbar aus: Die Kinder im Camp 24/7 zeigten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Seemannsknoten.

Nach den schwierigen Berliner Tagen war für Bundespräsident Steinmeier die Eröffnung der Kieler Woche ein Akt der Entspannung. Er war nicht der einzige Redner, der im Ratssaal die riskante nationale oder internationale Lage ansprach.

shz.de von
17. Juni 2018, 17:00 Uhr



Vormittags am Camp 24/7 mit dem Nachwuchs Knoten binden und Seemannslieder singen, später an Bord der „Thor Heyerdahl“ die Segel setzen, abends auf der Rathausbühne vor Zigtausenden von Zuschauern die Kieler Woche eröffnen – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte am Sonnabend an der Förde einen langen Arbeitstag. Arbeit? Wohl eher Entspannung! Denn Deutschlands oberster Repräsentant gestand ein, dass er sich nach den Berliner Chaos-Tagen richtig gefreut hat auf die vielen Termine in Kiel.

Schülerinnen und Schüler der Friedrich-Junge-Schule hatten ihn am Morgen im Segelcamp an der Kiellinie mit dem Lied „1000 Segel“ von Kinderliedermacher Matthias Meyer-Göllner begrüßt. An Steinmeiers Seite waren Ministerpräsident Daniel Günther, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Kiel-Marketing-Chef Uwe Wanger.

Erste Erkenntnis: Bei der Kieler Woche ist mit Regen zu rechnen. Das erklärte man dem Bundespräsidenten, als es kräftig zu prasseln begann. Die regenbedingte Zwangspause nutzte Steinmeier dazu, sich von den Segelkindern Seemannsknoten erklären zu lassen. Auch mit dem Segelsimulator beschäftigte er sich. Für den Bundespräsidenten war es lehrreich, konnte er im Anschluss an den Gang über die Kiellinie das frisch erworbene Wissen doch gleich bei einem Segeltörn auf der Förde mit dem Dreimast-Toppsegelschoner „Thor Heyerdahl“ in die Tat umsetzen.

Davon schwärmte der Bundespräsident auf dem abendlichen Eröffnungsempfang im Kieler Rathaus: „Sie glauben gar nicht, wie gerne ich nach diesen Berliner Tagen hier bei Ihnen bin.“ Steinmeier zielte damit auf den Koalitionsunfrieden zwischen CDU und CSU an. Dafür aber hatte er sich in Kiel auf fröhliche und gutgelaunte Menschen gefreut, „und ich bin nicht enttäuscht worden.“

Sein Gastgeber, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer – der übrigens am Sonnabend seinen 46. Geburtstag feierte –, sprach ebenfalls die globale Lage an. Doch gegen Handelskriege und internationale Frontenbildung habe die Kieler Woche immer schon Zeichen gesetzt. „Völkerverständigung ist der Markenkern – darauf sind wir stolz.“

Die Gedanken seiner Vorredner nahm Ministerpräsident Daniel Günther in seine kurze Rede auf. „Hier auf der Kieler Woche gibt es noch internationale Märkte ohne Strafzölle“, erklärte er mit Blick auf die bunten Stände auf dem Rathausplatz zu seinen Füßen. Ähnlich wie Steinmeier hatte auch Günther das Koalitionswirrwarr in der Hauptstadt persönlich miterlebt – mit einem wichtigen Unterschied: „Der Bundespräsident muss wieder nach Berlin zurück.“

Die letzten offiziellen Worte im Ratssaal sprach Landtagspräsident Klaus Schlie. Er lobte schleswig-holsteinische Werte wie Weltoffenheit, Toleranz und Humanität und fügte vielsagend hinzu: „Das sind Signale, die wir in den Süden der Republik senden.“ Sängerin Stefanie Heinzmann gab zwei Songs zum Besten – erstmals seit Albert Hammond 2013 war im Ratssaal wieder Unplugged-Musik zu hören. „My Heart is on fire“, war fast so etwas wie eine Botschaft an die Politiker, die sich auf den Weg zur Rathausbühne machten. Wenige Minuten später drückte Steinmeier aufs Typhon: lang, kurz, kurz, lang –, und gemeinsam sprach die Herrenriege den wichtigen Satz: „Die Kieler Woche 2018 ist eröffnet.“

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