Auf in die Zukunft : Der neue Charme des Bus-Depots

In der Mitte die Werkstatt, links die Abstellhalle:  So könnte bereits in drei Jahren das runderneuerte Bus-Depot der Verkehrsgesellschaft an der Werftstraße aussehen.
In der Mitte die Werkstatt, links die Abstellhalle: So könnte bereits in drei Jahren das runderneuerte Bus-Depot der Verkehrsgesellschaft an der Werftstraße aussehen.

Für schätzungsweise 28 Millionen Euro erneuert die KVG ihren Betriebshof an der Werftstraße und macht ihn zukunftsfähig für Elektro-Busse. Denn in den nächsten Jahren soll die gesamte Flotte mit ihren 180 Fahrzeugen umweltfreundlicher werden.

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08. Dezember 2017, 18:12 Uhr

Für die Ideen, Überlegungen, Diskussionen, Absprachen gingen Jahre ins Land. Jetzt aber steht das Konzept für die Sanierung des Betriebshofes der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) an der Werftstraße in Gaarden. Hauke Evers, Kaufmännischer Leiter bei der KVG, ist zuversichtlich: „Im Jahre 2020 wollen wir durch sein.“ Das Bus-Depot neben dem markanten „Musikturm“ in Sichtweite der Gablenzbrücke wird für 28 Millionen Euro komplett umgebaut, der Verkehr auf dem Gelände völlig neu sortiert.

Man muss wissen: Das Areal in seiner jetzigen Form stammt noch aus dem Jahre 1938 und war auf Straßenbahnen ausgerichtet. Eine Tram aber ist etwas ganz anderes als ein Omnibus – rangier- wie wartungstechnisch betrachtet. Straßenbahnen fahren an der Förde seit 1985 nicht mehr, die Neuplanung ist nach drei Jahrzehnten überfällig. Noch einmal Evers: „Ein moderner funktionaler Betrieb wäre unter den alten Bedingungen gar nicht möglich.“

Das gilt insbesondere mit Blick auf die E-Mobilität, die man bei der KVG – schon mit Blick auf die geringe Reichweite der Busse – kaum auf dem Schirm hatte. Das hat sich geändert. In diesen Tagen werden die ersten zehn Hybrid-Fahrzeuge angeschafft, Busse also, die sowohl mit herkömmlichen Diesel-Motoren als auch mit einem Strom-Aggregat ausgestattet sind. Die an ihrer weißen Farbe leicht erkennbaren Fahrzeuge sollen probehalber auf der Linie 11 eingesetzt werden, die von der Wik über Holtenauer Straße, Hauptbahnhof, Hummelwiese und Werftstraße einmal rund um die Förde bis nach Dietrichsdorf reicht.

Das Konzept sieht vor, dass die Hybrider insbesondere bei den Haltestellen den E-Antrieb einschalten, dort also nahezu geräuschlos an- und abfahren und keinerlei Abgase mehr in die Luft pusten. Auf diese Weise sollen die schätzungsweise 25 Prozent an Treibstoff einsparen. Allerdings: Sie sind auch deutlich teurer als herkömmliche Fahrzeuge. Das politische Signal zur Umrüstung auf umweltfreundlichen Antrieb wäre unweigerlich mit einer finanziellen Spritze verbunden. Bislang tauscht die KVG durchschnittlich knapp 15 Busse pro Jahr aus, die Flotte mit ihren insgesamt 180 Fahrzeugen ist folglich nach 13 Jahren komplett erneuert.

Eigentümerin des Areals an der Werftstraße ist die städtische Tochter Eigenbetrieb Beteiligungen Kiel (EBK). Wie die EBK-Sprecherin Wiebke Bonow erzählt, spielte bei den Planungen von Anfang an der Denkmalschutz eine wichtige Rolle. Ergebnis: Die große Abstellhalle und das KVG-Verwaltungsgebäude werden saniert und ins neue Ensemble integriert. Die alte Hauptwerkstatt dagegen darf abgerissen und durch ein zeitgemäßes Gebäude ersetzt werden. In der neuen Werkstatthalle werden die Arbeiten an der konventionellen Motorentechnik und der Stromversorgung räumlich voneinander getrennt, vorgesehen sind auch eine eigene Lackierhalle und eine Prüfstraße.

Vor gut sechs Jahren, als die Planungen für das neue Bus-Depot begannen, wurde der Aufwand auf 18 Millionen Euro geschätzt. Mittlerweile hat das Projekt ein Volumen von 28 Milllionen Euro angenommen, bedingt durch gestiegene Baupreise, die Zusatz-Anforderungen wegen der E-Busse und aufwendige Schallschutzdächer. Immerhin liegt der Betriebshof am Rande des Gaardener Wohngebiets, und mit Betrieb ist durchgehend von 4 Uhr morgens bis Mitternacht zu rechnen.

Baubeginn ist für Anfang 2019 vorgesehen, anderthalb Jahre später könnte das neue Depot stehen. Inclusive einer modernen Kantine, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich wäre. Die Passanten würden den Bussen nicht mehr in die Quere kommen – und überhaupt würde sich der gesamte Rangierbetrieb auf ein Minimum beschränken. Die mächtigen Fahrzeuge rollen in einer großen Einbahn-Schleife aufs Gelände, in die Werkstatt und in die Abstellhalle. Es geht immer nur vorwärts, nie rückwärts.

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