zur Navigation springen

Mit Aquakultur Erfolgreich : Der Muschel-Farmer vom Tiessenkai

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tim Staufenberger startet mit Bio-Miesmuscheln durch. Beim Gründer-Wettbewerb der Region Kiel ist er unter den zehn Besten. Doch die Ernte-Saison musste er vorzeitig beenden.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2014 | 06:29 Uhr

Für Tim Staufenberger (35) hat sich ein Traum erfüllt: „Was kann es schöneres geben, als diese Arbeit bei Sonnenschein direkt in der Kieler Förde?“ Der studierte Meeresbiologe ist Gründer der einzigen Bio-Miesmuschelfarm in Aquakultur im Ostseeraum – und darauf ist er mächtig stolz.

2012 kam Staufenberger in das Team von Coastal Research and Management, kurz CRM. Die Wissenschaftler am Tiessenkai in Kiel-Holtenau erforschen mit Partnern marine Naturstoffe auf ihre Nachhaltigkeit und Nutzung. Seinerzeit gab es eine Algenfarm. Die Muschelfarm – direkt im Sperrgebiet der Marine vor dem MFG-5-Gelände – steckte in den Kinderschuhen. „Die erste Ernte ließen sich damals die Eiderenten schmecken“, erzählt Staufenberger mit einem Lächeln: „Es musste für die gute Qualität unserer Muscheln sprechen.“

Heute, zwei Jahre später, gehört Staufenberger die Farm. Im Juni dieses Jahres hat er die „Kieler Meeresfarm“ gegründet, betreibt seitdem die Zucht von Algen und Miesmuscheln und vertreibt die Produkte selbst. Aus den einstigen fünf Muschel-Langleinen á 100 Meter wurden zehn, an denen in drei Metern Tiefe sogenannte Kollektoren und Muschelsocken hängen. Langfristig will er die Fläche allerdings vervierfachen, die Meerestiere deutschlandweit vermarkten. Er ist motiviert, präsentiert sich derzeit auf Messen in Hannover und Bremen. Der 35-Jährige glaubt an sein Konzept – und ist damit nicht allein. Staufenberger hat sich mit seinem Geschäftsplan beim Gründercup der Kiel-Region beworben. Er konnte bereits im Vorfeld überzeugen. Als einer der zehn besten von 36 Gründern im Wettbewerb wurde er nominiert, er stellt sich am Montag der Jury vor.

Doch wie funktioniert die Zucht eigentlich? Staufenberger: „Die kleinen Muschellarven werden im Mai geboren und sind im Juni/Juli unterwegs, wenn es warm ist. Sie suchen alles, was fest ist, um sich daran festzusetzen.“ Bis Oktober/November sind sie von Stecknadelkopfgröße auf bis zu drei Zentimeter gewachsen. Dann verpflanzen Staufenberger und seine Erntehelfer sie in die „Muschelsocken“. Sie bestehen aus einem Mischgewebe zwischen Plastikfasern und Baumwolle. „Weil die Baumwolle zerfällt, können die Muscheln nach außen wandern und dicht an dicht sitzen“, sagt der Muschelfarmer.

Nach rund anderthalb Jahren Wachstumszeit sind sie bis zu acht Zentimeter groß und erntereif. Durch regelmäßige Tests und Proben wird die Qualität der Muscheln überprüft, die aufgrund des guten Fördewassers sogar das Biosiegel bekommen haben: Je besser das Wasser, desto besser die Muschel. „Das ist deshalb so wichtig, weil Muscheln filtrierende Tierchen sind. Die Ostsee ist ihr Cocktail, den sie ständig schlürfen“, verbildlicht Staufenberger. Dass die Qualität der Muscheln auch so bleibt, überprüft das Veterinäramt regelmäßig.

Die Ernte schafft Staufenberger längst nicht mehr allein – dafür hat er eine kleine Gruppe aus Studenten. Immer zu dritt an mindestens zwei bis drei Tagen pro Woche geht es mit dem Boot vom Tiessenkai zur Farm. Staufenberg ist immer mit an Bord. An Erntetagen sind sie bis zu acht Stunden draußen. Pro Tag werden in der Saison bis zu 200 Kilogramm geerntet. Diese Saison ist für den Kieler allerdings bereits gelaufen, wie er bedauernd berichtet. Statt der erhofften zehn Tonnen Muscheln wurden es nur zwei Tonnen innerhalb von sechs Wochen. „Die Herbststürme aus 2013 sind der Grund“, erklärt Staufenberger. Viele Muscheln seien dabei abgefallen. Sie dürften nicht mehr verwendet werden. Vielleicht 50 Kilo Muscheln hängen jetzt noch an den Leinen. Die sind für Lebensmittel-Proben vorgesehen. Kunden, denen er die Ware sonst frisch am Kai verkauft, aber auch gewerbliche Kunden muss Staufenberger früher als erwartet enttäuschen. Der Meeresbiologe: „Alle müssen sich bis September 2015 gedulden.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert