Forschung an der FH : Der Minister und der Roboter

„Emma“ macht große Augen: Minister Heiner Garg (l.) informierte sich bei Gaby Lenz und Jens Lüssem über den Einsatz der Roboter in Pflegeheimen.
„Emma“ macht große Augen: Minister Heiner Garg (l.) informierte sich bei Gaby Lenz und Jens Lüssem über den Einsatz der Roboter in Pflegeheimen.

Die Fachhochschule zeigte Heiner Garg gestern auf der Kiellinie, wie der Einsatz von Digital-Helfern in der Altenpflege aussieht. „Emma“ und „Max“ schauen bereits einmal in der Woche in einer Demenzgruppe vorbei, Das ist ausbaufähig.

shz.de von
22. Juni 2018, 18:32 Uhr



Gesundheitsminister Heiner Garg legt Wert auf die präzisen Worte. „Ersetzen“ können Pflegeroboter die menschliche Arbeit in Kliniken oder Seniorenheimen mit Sicherheit nicht. Aber „unterstützen“ und „entlasten“ können die humanoiden Digitalgeschöpfe die Pflegerinnen und Krankenschwestern schon heute. Das zeigte Gargs Besuch im Segelcamp 24/7 gestern Mittag, er unterhielt sich dort ausgiebig mit „Emma“ und „Max“.

Die beiden lernfähigen Roboter der Fachhochschule sind nämlich schon im Einsatz. Einmal in der Woche schauen sie in der Demenz-Wohngruppe der Diakonie im Gustav-Schatz-Hof in Gaarden vorbei. „Dort heißt es dann immer: Die Puppe kommt“, erklärt FK-Professorin Gaby Lenz. Und wenn die Senioren dem kindergroßen Roboter über den weißen Kopf streicheln, lacht er vergnüglich und lässt seine Kulleraugen leuchten. Das künstliche Geschöpf sorgt für gute Laune.

Ein Display tragen „Emma“ und „Max“ tragen vor ihrer Brust. Musik oder Tanz kann ihr Gegenüber anklicken – oder auch ein einfaches Memoryspiel. Für die Programmierung sind die beiden technischen Roboterväter Professor Jens Lüssem und Hannes Eilers zuständig. Denn aus Frankreich, wo der Humanoid mittlerweile in großen Stückzahlen hergestellt wird, bringt der Roboter lediglich eine Grundausstattung mit. Der Stückpreis liegt bei 17 000 Euro – Tendenz fallend.

Was können „Emma“ und „Max“ heute schon? Kaffee kochen, Betten machen, Tabletten reichen, Blutdruck messen – all das liegt außerhalb ihres Wirkungskreises. Sie sind aber äußerst geduldig, sie laden die dementen Menschen zum Gespräch ein, holen die alten Menschen aus ihrem Schneckenhaus, rufen zum Kreistanz auf. „Und wenn’s dann klingelt und die Betreuerin zum Telefon geht, macht der Roboter einfach weiter“, erklärt Gaby Lenz beispielhaft die Vorteile dieses Einsatzes.

Zaubern kann der Roboter ebenfalls. Wie der Magier auf der Bühne breitet er die Arme aus und lässt eine (eingebildete) Taube fliegen. „Hast Du sie gesehen?“, fragt er seinen Gesprächspartner. Gemeinsam mit der Universität Siegen testet die FH Kiel im bundesweiten Pilotprojekt den Roboter-Einsatz in der Altenpflege. Zuschüsse gibt es dafür bisher nicht, doch Garg zeigte sich aufgeschlossen für Lüssems Anregungen.

Auch wenn „Emma“ dem Minister gestern in der Vorführstunde einen Korb gab. Denn Garg bat den Roboter probehalber, seine Wohnung aufzuräumen. „Ich bin doch nicht Deine Putzfrau“, empörte sich „Emma“ und fügte humorvoll hinzu: „Mit uns wird beiden es wohl nichts.“ Doch genau in diesem Punkt könnte sich der kleine schlaue schlurfende Roboter täuschen. Personelle Entlastung in der Pflege kommt dem Gesundheitsminister sehr entgegen.

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