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„City Supporter“ : Der Kampf der Gaardener Bürgerarbeiter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ende Oktober enden Verträge der „City Supporter“. Deshalb sammeln sie Unterschriften für den Erhalt ihrer Arbeit. Sie sorgen längst nicht nur für Ordnung, sie helfen da, wo Not ist und die öffentliche Hand kein Geld hat. Doch die Maßnahme des Jobcenters soll enden.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2014 | 04:35 Uhr

Sie helfen alten Menschen beim Einkäufe tragen, sorgen für Ordnung und Sauberkeit in Kiels Problemstadtteil Gaarden und schlichten Streits der Trinkerszene – die „City Supporter Gaarden“. „Ein echter Zugewinn für unseren Stadtteil“, sagen ansässige Ladenbesitzer und Gastronomen am Vinetaplatz. Das Problem: Das bundesweite Projekt der Bürgerarbeitsplätze, zu denen auch die „City Supporter“ gehören, läuft offiziell Ende des Jahres aus. In Kiel enden die Verträge schon am 31.Oktober.

„Wir fühlen uns auf – gut deutsch gesagt – verarscht. Wir haben hier in den drei Jahren richtig was aufgebaut und nun soll es einfach so vorbei sein, als hätte man uns nie gebraucht“, sagt Mirko Köhler, Teamleiter der derzeit 21 „City Supporter“. Wie wichtig sie allerdings für die Bevölkerung vor Ort sind, bekommen sie fast täglich zu spüren. „Ältere Leute haben sich fast nie in die Sparkasse hier getraut, weil da immer Menschen saßen, die tranken oder pöbelten“, erzählt Köhler. Oft haben die Frauen dann im Büro der Supporter um Hilfe gebeten. Die Männer haben sie dann begleitet, wenn es glatt war auch wieder bis nach Hause. Und nicht nur das: Erst vergangenen Dienstag retteten die Supporter wahrscheinlich einem Mann durch ihre schnelle Hilfe das Leben. „Er wurde in der Sparkasse angestochen, schleppte sich raus zu uns und meine Kollegen haben sofort Krankenwagen, Notarzt und Polizei alarmiert“, sagt Köhler.

Auch die Trinker der Sky-Markt-Szene, so Köhler, haben die City Supporter mittlerweile so weit, dass sie sich die Mülltüten im Büro abholen und selbst versuchen, für Ordnung zu sorgen. „Bei Lapalien, wenn es mal Streit gibt, braucht die Polizei schon gar nicht mehr anrücken. Wir schlichten, wenn wir können und werden respektiert“, ist Mirko Köhler stolz. Umso trauriger stimmt es ihn, dass Ende Oktober alles vorbei sein soll.

Bürgerarbeitsplätze wurden 2010 von den Jobcentern ins Leben gerufen, um schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen und darüber hinaus durch mögliche Qualifizierungen auch auf dem ersten Arbeitsmarkt vermitteln zu können, heißt es vom Kieler Jobcenter. Aktuell werden 173 Bürgerarbeitsplätze in Kiel betreut, wie Birgit Hannemann-Röttgers vom Jobcenter mitteilt. Insgesamt waren es mehr als 200. Bürgerarbeiter sind hauptsächlich im sozialen Bereich, bei gemeinnützigen Vereinen und in kommunal ausgerichteten Projekten tätig. „Wir machen das, wozu die Stadt keine Manpower hat und was die Ämter gar nicht leisten können“, betont Mirko Köhler. Neben den „City Supportern“ gibt es unter anderem bei der Kieler Tafel, der evangelischen Stadtmission, der Möbelbörse, in Seniorentreffs und im Mehrgenerationenhaus Bürgerarbeiter. Doch deren Arbeitsplätze sind befristet – in Kiel laufen die Verträge nur noch ein halbes Jahr. Danach sitzen die Menschen wieder auf der Straße – oft ohne Perspektive. Mirko Köhler (45) ist Familienvater, könnte als Sicherheitsdienst irgendwo anfangen. „Aber ich will viel lieber fortführen, was wir hier aufgebaut haben. Wir werden ja gebraucht“, sagt Köhler. Er ist sich sicher, dass der Wegfall der Arbeit einige seiner Kollegen wieder dahin bringt, wo sie die Bürgerarbeit abholte. „Das zieht vielen bestimmt den Boden unter den Füßen weg.“

Damit die Gaardener weiter auf die „City Supporter“ zählen können, kämpfen die Männer um ihre Arbeitsplätze. Mehr als 800 Menschen haben auf ihren Unterschriftenlisten schon für den Erhalt gezeichnet. Sobald der neue Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) offiziell im Amt ist, wollen sie ihm die Unterschriften übergeben. Seitens der Stadt heißt es: „Wir sind sehr daran interessiert, solche Projekte fortzusetzen und sind im Gespräch mit dem Jobcenter, wie das zu realisieren ist.“ Es wird die erste Mammutaufgabe sein, die der neue Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD) nach seinem Amtsantritt Anfang Mai angehen muss.



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