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Kiel

21. Oktober 2017 | 07:08 Uhr

Der Herausforderer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eindeutiges Votum: Ingbert Liebing offiziell zum CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2017 ernannt

von
erstellt am 12.Jun.2016 | 14:02 Uhr

Am Ende ist es dann doch so etwas wie eine Krönungs-Messe. Fast 92 Prozent für Ingbert Liebing! Spitzenkandidat der Nord-CDU ist er nun. In dieser Rolle soll der Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende die Union im Mai 2017 zurück an die Macht bringen – nach dann fünf Jahren in der Opposition.

Für seine 45 Minuten lange Rede hat der 53-Jährige zuvor ordentlichen Beifall erhalten. Sogar ein paar „Ingbert, Ingbert“-Rufe verlieren sich in den Holstenhallen – fast so, als sollten damit demonstrativ alle Restzweifel am Führungswillen des Kandidaten ein für alle mal übertönt werden.

Die hatte es im Vorfeld des Parteitages immer wieder gegeben. Zu blass sei der Chef, zu zurückhaltend im öffentlichen Auftritt, zu wenig kreativ. Mit seinem Auftritt vor den gut 260 Delegierten müht sich Liebing, das Bild vom Zauderer zurechtzurücken. Eine „neue Ernsthaftigkeit“ in der Landespolitik verspricht er. Nicht „laut brüllen, sondern arbeiten, sich kümmern“ will er.

Pflichtgemäß kritisiert Liebing die Regierung von Ministerpräsident Torsten Albig, die bis zur Wahl „kein einziges Projekt“ mehr habe. Und Liebing steckt seine Ziele bis zum Jahr 2022 ab, „die nachprüfbar sein sollen und sein werden.“ Ein Dutzend Politikfelder beackert er dabei. Vom Unterrichtsausfall an den Schulen über die Agrarpolitik, von neuen Gebäuden für die Hochschulen bis zur Integration von Zuwanderern, von der Inneren Sicherheit bis zu den Landesfinanzen.

Ein Fünftel seiner Rede verwendet er auf solche Ankündigungen. Der Zwischenapplaus bleibt spärlich – vielleicht auch deshalb, weil vieles von dem, was Liebing als seine „klaren Vorstellungen“ propagiert, deutlich im Ungefähren bleibt. Und wie der Kandidat in der ersehnten Rolle des Regierungschefs seine Ziele erreichen will, diese Frage lässt Liebing offen. In seinem Umfeld heißt es, man wolle der Küstenkoalition nicht noch zusätzliche Vorlagen geben. Die sei seit Monaten dabei, Konfliktfelder abzuräumen. Erst beim Thema Windkraft, zuletzt in der Asylpolitik.

Vielleicht brandet auch deshalb so richtig Beifall erst auf, als der Kandidat trotzig ausruft. „Wir wollen stärkste Partei werden, mit Abstand vorne liegen.“ Soll heißen: Gegen die CDU soll keine Regierungsbildung in Kiel möglich sein. Ob die Rechnung aufgeht, ist offen. Nach jüngsten Umfragen rangieren Union und SPD Kopf an Kopf bei bescheidenen 28 Prozent. Alles scheint derzeit möglich. Von der großen Koalition – unter welcher Führung auch immer, bis zur Ampel und Jamaika.

Als Liebing zu Ende geredet hat, beklatschen die Delegierten ihren Chef minutenlang und stehend. 237 wählen ihn dann zum Spitzenkandidaten, 18 Nein-Stimmen gibt es, drei Enthaltungen.

Das Ergebnis, so scheint es, soll glänzen, soll sich abheben vom Rest des politisches Establishments in den eigenen Reihen. Kaum anders erklären Delegierte die nicht einmal 80 Prozent, die Landtagsfraktionschef Daniel Günther bei der Wahl auf Listenplatz zwei erhält. Nicht anders geht es Parteivize Katja Rathje-Hoffmann und Landtagspräsidenten Klaus Schlie, die auf den Plätzen drei und vier folgen.

Mehr Junge, mehr Frauen und mehr Städte sollten sich auf der Liste wiederfinden. Optisch ist das fraglos gelungen. Jeder dritte Platz ist für eine Frau reserviert. JU-Chef Tobias Loose hat sich Platz acht gesichert, Lübecks Kreisvorsitzende Anette Röttger Platz neun. Ob diese Plätze aber zum Zuge kommen, ob die beiden Städter den Sprung in den Landtag schaffen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Bei der Wahl vor vier Jahren hatte die Union 22 Mandate geholt, und zwar ausnahmslos in ländlichen Wahlkreisen. Die gelten als schwarze Hochburgen. Die Liste zog nicht ein einziges Mal – mit politisch fatalen Folgen: Der Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Jost de Jager verpasste den Einzug in den Landtag, hat sich inzwischen aus der Politik komplett abgemeldet. Opfer auch: Der damalige CDU-Landtagspräsident Torsten Geerdts, der seinen Wahlkreis Neumünster an eine SPD-Kandidatin verlor.

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