Kiel liest ein Buch : Der Heizer und sein Roman

Arbeiter, Revolutionär, Schriftsteller:  Theodor Plievier erlebte an Bord der „SMS Wolf“ 451 Seetage ohne Landgang.  Wachholtz
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Arbeiter, Revolutionär, Schriftsteller: Theodor Plievier erlebte an Bord der „SMS Wolf“ 451 Seetage ohne Landgang. Wachholtz

Mit „Der Kaiser ging, die Generäle blieben“ von Theodor Plievier über den Matrosenaufstand startet das neue Projekt „Kiel liest ein Buch“. Der historische Abenteuerroman des Arbeiter-Schriftstellers war 1932 ein Riesenerfolg und setzte Kiel ein literarisches Denkmal.

shz.de von
11. September 2018, 18:22 Uhr

Er stammte aus einem armen Elternhaus, brach eine Handwerkslehre ab, stromerte durch Deutschland, heuerte auf einem Handelsschiff an, arbeitete in den Salpeterminen in Chile. 1914 kehrte Theodor Plievier zurück nach Deutschland. Er geriet in Altona in eine Kneipenschlägerei und wurde 22-jährig als Heizer auf den Hilfskreuzer „Wolf“ eingezogen. Später wurde aus ihm ein berühmter Schriftsteller – ihm zu Ehren startet das Literaturhaus Schleswig-Holstein jetzt das Projekt „Kiel liest ein Buch“. Im Roman „Der Kaiser ging, die Generäle blieben“ setzt Plievier der Novemberrevolution und der Fördestadt ein literarisches Denkmal.

„Der Roman lief uns über den Weg“, erzählt Olaf Irlenkäuser. Er leitet den Kieler Wachholtz-Verlag, der Plieviers politischen Abenteuerroman in einer Neu-Auflage von 5000 Stück drucken ließ. Irlenkäuser war sich schnell einig mit Wolfgang Sandfuchs vom Literaturhaus: „Der Kaiser ging . . .“ eignet sich in Kiel hervorragend für ein Projekt, das Städte wie Flensburg und Neumünster bereits auf die Beine gestellt hatten: „Eine Stadt liest ein Buch.“

Auftakt ist am kommenden Sonntag, 16. September, eine szenische Lesung um 20 Uhr im Literaturhaus am Schwanenweg. Es folgen Lesungen an Schulen und in Buchhandlungen. Und bei der „Backbordlounge“ am Donnerstag, 20. September, im Hotel Bellevue (19 Uhr) berichten die Literatur-Historiker Walter Arnold und Dagomar Heinz von einem irrwitzigen Kriegskommando. Die „SMS Wolf“ mit Plievier an Bord legte nämlich 1917/18 mit 451 Tagen auf See einen Rekord-Törn ohne jeden Landgang zurück. Die erbarmungslose Schleiferei weckte in Plievier den Revolutionär. Er beteiligte sich an den Unruhen in Wilhelmshaven, die bekanntlich Ende 1918 zum Kieler Matrosenaufstand führten.

Seine authentischen Erlebnisse machten Plievier zum beliebten Autoren. Sein Erstling „Des Kaisers Kulis“ und wenig später „Der Kaiser ging . . .“ (1932) wurden dem Arbeiter-Schriftsteller förmlich aus den Händen gerissen, setzten ihn aber gleichzeitig auf den Index der Nazis. Seine Bücher wurden geächtet und verbrannt.

Am Sonnabend, 22. September, wird im Schifffahrtsmuseum (10 bis 18 Uhr) der gesamte Roman in 20-minütigen Lesungen vorgetragen. Wer mitmachen will, sollte sich per Mail an info@wachholtz.de wenden. Details zu „Kiel liest ein Buch“ finden sich auf der Internetseite des Literaturhauses.

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