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Musical-Casting in Kiel : Der große Traum vom Bühnenauftritt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das „Musiculum“ suchte Darsteller für ein Kinder-Musical – wir haben Leonie Haupt (14) aus Tolk begleitet, die trotz kleinem Blackout überzeugte.

Leonie Haupt ist aufgeregt an diesem Samstagnachmittag. Im großen Saal unter dem Dach des Kieler Musiculums haben sich rund 60 Gäste eingefunden. Knapp die Hälfte von ihnen sind Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 15 Jahren. Sie alle warten gespannt auf ihre Chance, sich beim Casting für das Musical „Alfred – oder die abenteuerliche Such nach dem Stein der Toleranz“ zu qualifizieren.

Es ist ruhig geworden in dem abgedunkelten Saal – nur vereinzelt wird geflüstert. Auf einmal tritt Andrea Niendorf auf die Bühne, um das Casting zu eröffnen. Sie ist die Autorin des Kinderbuchmanuskripts „Alfred – der Hase mit dem Gipsarm“, auf dem das Musical basiert. In beiden geht es um einen Hasen, der zusammen mit anderen Tieren Abenteuer erlebt. Alle haben sie Behinderungen jeglicher Art – oder „Besonderheiten“, wie Niendorf sagt.

Die 14-jährige Leonie beschäftigt sich mit diesen Gedanken wenig, als die ersten Kandidaten aufgerufen werden, auf die Bühne zu gehen. Jeder soll ein Gedicht oder einen Monolog und ein Gesangsstück vortragen. Damit will die drei-köpfige Jury um Niendorf und ihre Mitstreiterinnen Claudia Dircks und Eveline Havertz sowohl gesangliche als auch sprachlich-schauspielerische Talente ermitteln. Gerade bei den Jüngsten fließen mit dem Aufruf plötzlich die Tränen. Das macht aber nichts – das Brüderchen springt dann gerne ein und gibt sodann ein Kinderlied zum Besten und bekommt für seine Courage genauso viel Applaus wie die anderen.

Nach wenigen Darbietungen ist es für Waldorfschülerin Leonie aus Tolk schon so weit: Den Monolog Nancy aus Oliver Twist, den sie sich rausgesucht hat, muss sie nach wenigen Sätzen abbrechen. Blackout. Laut Havertz ist das auch nicht so schlimm: „Natürlich ist man da aufgeregt. Es kommt letztendlich aber auf den Gesamteindruck an.“ Leonie kann nochmal neu ansetzen, blüht in ihrem Vortrag plötzlich auf und bringt ihn selbstbewusst und ausdrucksvoll zu Ende. Im Anschluss singt sie mit ihrer Gitarre das Lied „The unknown“ von Madeline Juno. „Ich dachte, ich fange gleich an zu weinen“, gesteht sie im Nachhinein. Trotzdem sei sie es aber durch die schulische Praxis gewohnt, auf der Bühne zu stehen.

Besonders eindrucksvoll wirkt der Gesang von Sara Al Kaysi, die das Publikum und letztendlich auch die Jury mit ihrer vollen und reifen Stimme begeistert. Nach gut zwei Stunden Casting und einer kurzen Pause präsentiert die Jury ihr 14-köpfiges Auswahlteam, mit dem sie ab Juni ein halbes Jahr lang wöchentlich das Kinder-Musical einstudieren will: „ Jetzt kommt der große Moment“, weiß Niendorf die Spannung zu steigern. Für Leonie ist wenige Momente später Erleichterung angesagt: Sie hat es geschafft, darf ihren Traum von dem Bühnenauftritt erleben. Die richtige Arbeit liegt aber erst vor ihr.

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