zur Navigation springen

MFG-5-Gelände : Der große Sprung in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

80 Hektar groß, günstige Lage, Blick aufs Wasser: Die Stadt hat große Pläne mit dem ehemaligen Gelände des Marineflieger-Geschwaders 5 (MFG 5). Neben Flächen fürs Gewerbe sind auch 1200 Wohnungen vorgesehen – das wäre ein völlig neuer Stadtteil.

„Unbefugtes Anlegen und Betreten ist verboten“, schreibt der Kasernenkommandant auf einem verwitterten Schild am Strand. Es ist genauso veraltet wie der Hinweis auf die Friseurstube der Soldaten, geöffnet bis 21 Uhr abends. Seit dem Abzug der Marineflieger ist das ehemalige MFG-5-Gelände weitgehend verwaist. Doch das soll sich jetzt ändern. Die Landeshauptstadt will im Bereich zwischen Holtenau und Friedrichsort einen ganz neuen Stadtteil aus dem Boden stampfen. Die ersten Eckdaten dieser „Konversion“, der zivilen Nutzung ehemals militärischer Flächen, liegen vor. 1200 Wohnungen sollen auf dem Areal entstehen.

Jahrzehntelang waren Holtenau und Friedrichsort nicht direkt miteinander verbunden. Seit drei Jahren ist immerhin der Rad- und Fußweg geöffnet. „Zwei Stadtteile kommen sich näher“, steht denn auch auf dem Plakat am Eingang zum MFG-5-Gelände. 80 Hektar groß ist das Areal, das entspricht 110 Fußballfeldern. Viele Gebäude sind baufällig, sie müssen abgerissen werden. Der Sportplatz und die beiden Turnhallen finden heute schon Verwendung bei den Nachbarvereinen, in die früheren Soldatenunterkünfte sind Asylbewerber eingezogen. Wie die Zukunft im Detail aussehen wird, soll ein städtebaulicher Wettbewerb regeln, den die Stadt ausschreiben will.

Ganz grob geht Kiel von einer Dreifachnutzung aus: im Norden am ehemaligen Flieger-Landeplatz eine Gewerbezone, im Süden als Fortsetzung der Holtenauer „Fördeterrassen“ ein Wohnquartier mit 1200 Wohnungen, dazwischen ein Mischgebiet. Allerdings: Noch liegt mittendrin der Tonnenhof der Wasser- und Schifffahrtverwaltung (WSV) – die Verlagerung in den Plüschowhafen gilt der Stadt als Voraussetzung und „finanzieller Türöffner“ für das Entwicklungskonzept.

In einer ersten Kalkulation rechnet die Stadt bis zum Jahr 2020 mit Kosten von 87,5 Millionen Euro. Grunderwerb (15 Millionen), Erschließung (36 Millionen) und Tonnenhof-Herrichtung (13,5 Millionen) sind die größten Posten. Die Grundstücksverkäufe wiederum dürften sich in einer Größenordnung von 64 Millionen Euro bewegen. Es bleibt eine Finanzierungslücke von fast 24 Millionen Euro. Folgerung: Ohne Landeszuschüsse läuft nichts. Schleswig-Holstein hat bereits Millionenbeträge in Aussicht gestellt, behält sich über die Städtebauförderung dann aber auch ein Mitspracherecht vor.

Die schiere Größe und die verkehrstechnische Lage – Fördelage, Nähe zu Flughafen und Schnellstraße, Gleisanschluss – machen das MFG-5-Gelände zu einem Juwel für die Experten. Vollmundig heißt es im Papier der Stadt: „Das Areal lange ungenutzt zu lassen, verbietet sich. Vielfältige Zukunftsaufgaben können hier erfüllt werden. Letztlich geht es um die Daseinsvorsorge der Stadt.“ Die Ratsversammlung soll bereits auf der Sitzung am 21. April die Weichen stellen. Das Ja gilt als sicher – es würde auch die ersten zehn Millionen Euro an Fördergeld nach Kiel spülen.
 

zur Startseite

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 17:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen