Farewell, Dirk Lindenau : Der frühere Werftchef starb mit 65 Jahren

Die Doppelhüllen-Tanker waren sein Stolz: Dirk Lindenau 2009 vor der „Seapike“.  DPA
Die Doppelhüllen-Tanker waren sein Stolz: Dirk Lindenau 2009 vor der „Seapike“. DPA

Der Schiffbauer und Meeresschützer Dirk Paul Lindenau hat im Alter von 65 Jahren seine letzte Reise angetreten. Der „Herr der Tanker“ ist nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Er hinterlässt eine Tochter und einen Sohn sowie seine langjährige Lebensgefährtin.

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13. Dezember 2018, 19:56 Uhr



Unermüdlich hat der ausgebildete Diplom-Ingenieur Dirk Lindenau an Plänen zum besseren Schutz der Meere gearbeitet. So galt sein Kampf etwa dem Müll in den Ozeanen. Zusammen mit Abfallexperten und Wissenschaftlern arbeitete Dirk Lindenau an einem Schiffstyp für ein nachhaltiges Abfallwirtschaftssystem. Bereits in seiner Zeit als Werftchef stand der Umweltschutz ganz oben auf der Agenda. Die Tanker der „Sea“-Reihe für die German Tanker Shipping GmbH etwa galten mit ihren Doppelhüllen in Fachkreisen als innovativ und richtungsweisend. Bei Kollisionen sollte kein oder nur wenig Öl ins Meer fließen.

Das gleiche galt für die Tanker–Flotte, die Dirk Lindenau im Auftrag von Seychelles Petroleum vom Friedrichsorter Helgen rutschen ließ. An diesen Stapelläufen nahmen bis zu 10 000 Menschen teil. Es waren Volksfeste, die der Chef sehr genoss. Für die Bundesrepublik Deutschland kamen Blumen von ganz oben. Kein geringerer als Bundespräsident Horst Köhler besuchte das Unternehmen im Oktober 2004. Auch die Kiellegung des mit vier Flettner-Rotoren angetriebenen „E-Ship 1“ für das Unternehmen Enercon vor gut zehn Jahren stand für das Umwelt-Engagement der Schiffbauer in Friedrichsort.

Nach seinem Maschinenbau-Studium in Saarbrücken war Dirk Lindenau schon früh ins Familienunternehmen eingetreten: am 1. Oktober 1981. Schnell stattete sein Vater ihn mit den Vollmachten eines Prokuristen aus. Folgerichtig wurde Dirk Lindenau Geschäftsführender Gesellschafter. Er führte das Unternehmen zu neuer Blüte.

Umso härter traf es den leidenschaftlichen Mittelständler, als er im September 2008 trotz voller Auftragsbücher den Insolvenzantrag stellen musste. Die Kapitaldecke war einfach nicht ausreichend. „2008 und 2009 bin ich durch die Hölle gegangen“, gestand er später ein. Auch wenn Lindenau sich selber ein Stück weit als Opfer der Finanzkrise sah, räumte er eigene Fehler ein. Er widerstand der Legendenbildung von finsteren Mächten, die ihm Böses wollten. Allgemein wurde mit viel Respekt anerkannt, wie der einstige Werftbesitzer mit seinem erfolgreich geführten Ingenieurbüro seinen Überzeugungen von einem besseren Meeresschutz treu blieb.

Für Dirk Lindenau war es selbstverständlich, die Akteure der maritimen Wirtschaft rund um die Förde zusammenzubringen. Der Unternehmer, langjähriges Mitglied der Kieler IHK-Vollversammlung, kümmerte sich zudem um soziale Projekte, indem er mit Partnern Ausbildungsboote für Segelanfänger konzipierte und aufs Wasser brachte. Ein Beispiel von vielen.

Es ließe sich noch viel über diesen liebenswerten, stets freundlichen Zeitgenossen schreiben. Es verging kaum ein Event, auf dem Dirk Lindenau nicht mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht von den Anwesenden Fotos schoss, die spätestens am Tag darauf vermailt wurden – mit einem charmanten Gruß.

Farewell, Dirk Lindenau!





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