Brandstiftung : Der erste Zeuge sah nur Holz brennen

Da stand sie noch, die Ladenreihe von Altenholz. Doch auch der schnelle Einsatz der Feuerwehr konnte im November 2014 die Geschäfte nicht mehr retten.
Da stand sie noch, die Ladenreihe von Altenholz. Doch auch der schnelle Einsatz der Feuerwehr konnte im November 2014 die Geschäfte nicht mehr retten.

Der Prozess um die schwere Brandstiftung von Altenholz brachte immer noch keine Klarheit. Wurde eine Mülltonne oder ein Holzstapel angezündet. Oder war die Plastiktonne bereits verschmort, als der erste Zeuge – ein Zeitungsausträger – am Tatort eintraf?

shz.de von
31. August 2016, 18:05 Uhr

Er war der erste Mensch (nach dem Brandstifter) am Tatort, und er hat keinen Müllcontainer brennen sehen, sondern einen aufgeschichteten Holzstapel, der in Flammen stand: Gestern trat der 45-jährige Zeitungsausträger vor dem Amtsgericht als Zeuge auf im Prozess um die schwere Brandstiftung von Altenholz, die Ende November 2014 die gesamte Ladenzeile des Ortes in Schutt und Asche gelegt hatte (wir berichteten). Wie der kaufmännische Angestellte erklärte, hatte er frühmorgens gegen 4 Uhr auf der Rückseite des Lebensmittelmarktes das Feuer entdeckt. Das Löschen war ihm nicht mehr möglich, weil die Flammen hoch loderten und bereits auf den hölzernen Dachstuhl übergegriffen hatten. Also alarmierte er die Feuerwehr, die wenige Minuten später eintraf. Aber, ganz klar, er sah weder Plastik schmurgeln noch roch er brennende Kunststoffe.

Der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr allerdings ging dagegen von einem „klassischen Container-Brand“ aus. Als er als erster Löscher vor Ort war, „hat definitiv kein Holz gebrannt“. Und tatsächlich: Später wurden auch geschmolzene Plastik-Überreste und eine Achsstange geborgen.

Wie passt das zusammen? Nach Einschätzung des Sachverständigen könnte eine papiergefüllte Mülltonne bereits abgebrannt sein, als der Zeitungsausträger eintraf, und das nebenliegende Holz entzündet haben.

Unbestritten ist allerdings, dass kein großer rollbarer Müllcontainer in Flammen stand (wie der Angeklagte K. angeblich gestanden hat), sondern vermutlich „nur“ eine haushaltsübliche Mülltonne. Das Missverständnis, das vom ersten Tag an in der Öffentlichkeit kursierte, beruht wohl auf dem Fach-Terminus der Feuerwehr. Man rede stets von einem „Müllcontainer-Brand“, erklärte der Einsatzleiter: „Selbst wenn es sich nur um einen kleinen Mülleimer handelt.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen