50 Jahre Kieler Planetarium : Den Himmel auf die Erde bringen

Mit dem Zeiss-Projektor (vorne) begann die Arbeit im Kieler Planetarium. Eduard Thomas (r.), seine Assistentin und Ehefrau Berit, der Technische Leiter Markus Schack und Dutzende von Helfern sorgen für programmatische Vielfalt im Mediendom.
Mit dem Zeiss-Projektor (vorne) begann die Arbeit im Kieler Planetarium. Eduard Thomas (r.), seine Assistentin und Ehefrau Berit, der Technische Leiter Markus Schack und Dutzende von Helfern sorgen für programmatische Vielfalt im Mediendom.

Mit dem vor Krieg und Zerstörung geretteten Projektor ZKP 0 begann die Gesichte des Kieler Planetariums. Die Einrichtung feiert Anfang Januar ihren 50. Geburtstag. Der Mediendom wartet deshalb mit Klassikern unter der Kuppel auf.

shz.de von
14. Dezember 2018, 19:12 Uhr



Auch wenn ein halbes irdisches Jahrhundert in kosmologischen Kategorien kaum mehr als ein Wimpernschlag ist – der Mediendom der Fachhochschule Kiel feiert das Jubiläum „50 Jahre Planetarium“ ausgiebig. Am 6. Januar 1969 wurde das erste künstliche Sternenzelt eröffnet, damals noch am Knooper Weg. Eduard Thomas, der heutige Direktor, blickt zurück auf die mitunter skurrile Historie.

Denn in den beiden letzten Kriegswochen 1945 brachte ein Schiff aus Gotenhafen, dem heutigen Gdynia, Einzelteile des Planetarium-Projektors ZKP 0 (aus Königsberg?) nach Flensburg. Das Puzzle wurde 1947 zufällig wiederentdeckt, zusammengesetzt und der Ingenieurschule in Kiel übergeben. Auf dem Dach wird jahrelang am Planetarium gebastelt – während der erste Sputnik aufsteigt und mit Juri Gagarin 1961 der erste Mensch ins All fliegt.

Am 6. Januar 1969 eröffnet Werner Mewes dann in einem Festakt das Kieler Planetarium. Schon bald wird Wissen unters Volk gebracht. Einer der jungen Teilnehmer an den Schülerkursen zur Astronomie ist der junge Eduard Thomas, der später eigene Vorträge anbieten wird. Der Etat war knapp, es wurde unentwegt improvisiert. Mit gebrauchten Diaprojektoren, mit Rasierspiegeln, die das Bild an die Decke werfen, sogar mit einem langsam drehenden Plattenspieler, der den Sternenhimmel der Nordhalbkugel in Bewegung setzt.

Mit dem Umzug auf das Ostufer und der Einrichtung des Mediendoms mit seinen 64 Plätzen unter der Kuppel beginnt dann 2003 die strahlende Zeit der Astronomie-Pädagogen. Es entstanden über 60 eigene Produktionen. Berit Thomas, Theologie-Lehrerin und Ehefrau des Mediendom-Direktors, steuerte mit „Lars, der kleine Eisbär“ einen der erfolgreichsten Filme bei, der heute in den verschiedensten Sprachen weltweit gezeigt wird.

Über 500 000 Gäste zählte der Mediendom bislang. Was nach Einschätzung von Eduard Thomas dem Engagement von 60 ehrenamtlichen Helfern zu verdanken ist, aber auch der Magie des Weltalls: „Wir berühren die Herzen der Menschen. Der Sternenhimmel erreicht unsere Seele.“

Jubiläumswoche: Mit insgesamt 25 Veranstaltungen im Mediendom auf dem Ostufer startet die Fachhochschule vom 6. bis zum 13. Januar in das Jubiläumsjahr „50 Jahre Kieler Planetarium“. Gezeigt werden Produktionen, an denen die Kieler Mediendom-Tüftler selbst mitgearbeitet haben. Dazu zählen Klassiker wie „Der Regenbogenfisch“, „Sonne, Mond und Sterne“ oder „Lars, der kleine Eisbär“, der mit filmischen Mitteln auf den drohenden Klimawandel aufmerksam macht. „Fury in the Slaughterhouse“ wird ebenso aus der Schublade geholt wie „Alien Action – Pop and Art“. Sämtliche Karten gibt es zum Aktionspreis von 5 Euro. Vorbestellungen sind möglich unter www.mediendom.de oder unter Tel. 0431 / 210 17 41 (dienstags, donnerstags, freitags jeweils 9 bis 11 Uhr, dienstags auch 15 bis 17 Uhr).

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