Ab in die Tonne : Dem Müll eine Abfuhr erteilt

Egal ob altes Brötchen oder Verpackungsmüll: Ali (v.l.), Mohmmad und Murad aus Syrien sammelten zusammen mit Sammi aus Eritrea Eimer um Eimer.  Fotos: Suhr
1 von 2
Egal ob altes Brötchen oder Verpackungsmüll: Ali (v.l.), Mohmmad und Murad aus Syrien sammelten zusammen mit Sammi aus Eritrea Eimer um Eimer. Fotos: Suhr

In der Wiker Gemeinschaftsunterkunft erlernten die Bewohner im Rahmen einer Aktionswoche jetzt den richtigen Umgang mit Abfall.

shz.de von
18. August 2018, 06:00 Uhr

„Kommt! Lasset von Tonne zu Tonne uns eilen! Wir wollen dem Müll eine Abfuhr erteilen!“, reimte Heinz Erhardt einst in seinem Gedicht „Chor der Müllabfuhr“. Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in der Wik eilten am Donnerstag zwar nicht von Tonne zu Tonne, aber die Themen Müll und Mülltonnen standen auch dort am Nachmittag im Mittelpunkt. Von Montag bis Freitag fand für die dort lebenden Geflüchteten die Mitmachwoche „Bildung und Umwelt“ statt.

Initiiert von der Diakonie Altholstein in Kooperation mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK), dem Umweltschutzamt Kiel, ehrenamtlichen Helfern und dem Programm „Bildung trifft Entwicklung“ erwarteten die Teilnehmer verschiedene Aktionen rund um die Themen Müll, Umwelt und Klimaschutz. Am Montag ging es für Kinder um Essen und Klima, am Dienstag für eine Frauengruppe ebenfalls um Essen und dessen Herkunft. Beim Elektronik-Workshop zum Thema Solarenergie kamen am Mittwoch überwiegend junge Männer, „auch einige, die ein Studium der Elektrotechnik anstreben“, wie sich Katrin Mates von der Diakonie freute. Und bevor am Freitag eine Besichtigung des neuen ABK-Wertstoff-Zentrums in Wellsee auf der Agenda stand, stieg am Donnerstag als Höhepunkt das Müllfest, bei dem es vordergründig um die Mülltrennung ging.

„Es ist von Vorteil für unsere Bewohner, dass sie, wenn sie demnächst in eine eigene Wohnung ziehen, mit dem Thema vertraut sind“, so Mates. Aus diesem Grund gab es in der Unterkunft vor einem halben Jahr auch ein Wohnkompetenztraining, bei dem es neben Mülltrennung um alle Bereiche zum Thema Wohnen ging, inklusive des Mietvertrags. Aber am Donnerstag stand der Müll auf dem Programm.

Bei der Müllrallye bewaffneten sich die über den Nachmittag verteilt rund 80 Teilnehmer mit Eimern, Greifern und Handschuhen und sammelten das auf, was sie in den Tagen und Wochen zuvor achtlos weggeworfen hatten, um anschließend den Inhalt der vollen Eimer bei Burkhard Abromeit vom ABK in der richtigen Tonne – blau, gelb oder doch eher grau? – zu entsorgen, wobei auf die Kinder kleine Geschenke warteten. Aber nicht nur Kinder sammelten – von Anfang an dabei waren auch ein paar Erwachsene wie Ali, Mohmmad und Murad aus Syrien, die zusammen mit Sammi aus Eritrea Eimer um Eimer füllten. Die Schwestern Iva (8) und Slaviza (10) aus Serbien bastelten unterdessen beim Umweltamt unter Anleitung aus den Kernen von Toilettenpapierrollen kleine Windmühlen, welche sich dank einer Solarzelle auch drehten. Und drehen tat sich auch das Glücksrad, bei dem man sagen sollte, in welche Tonne der Gegenstand, bei dem das Rad stehenblieb, gehört – bei richtiger Antwort gab es eine Brotdose von den ABKids, allerdings ohne Inhalt.

Vermutlich beabsichtigt, denn später standen nicht nur Lieder der Müllpiraten mit Liedermacher Matthias Meyer-Göllner auf der Tagesordnung, es warteten auch Hot Dogs auf die – um es wieder mit Heinz Erhardt auszudrücken – „Müllionäre“, welche alle drei 120-Liter-Tonnen – die blaue, die gelbe und die graue – bis knapp unter den Rand mit gesammelten Müll füllten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen