AKW Brunsbüttel : Defekte Brennstäbe: Vattenfall bringt Atommüll nach Schweden

AKW_Brunsbuettel
Foto:

Vattenfall will nach eigenen Angaben herausfinden, wie man Brennstäbe am besten trocken lagern kann. Die Untersuchung wird rund vier Jahre dauern.

Die Brennstäbe sollen untersucht und anschließend in Schweden gelagert werden. Atomgegner kritisieren dieses Vorgehen.

Kay Müller von
31. Januar 2018, 11:02 Uhr

Für Jochen Stay ist es ein Gesetzesbruch: „Wenn Vattenfall defekte Brennstäbe aus dem Atomkraftwerk Brunsbüttel nach Schweden bringen will, ist das ein Verstoß gegen das Atomgesetz“, sagt der Atomkraftgegner der Initiative „Ausgestrahlt“.

Selbst wenn der Energiekonzern 13 defekte Brennstäbe aus dem Reaktorbetrieb des Kernkraftwerks in der kerntechnischen Einrichtung in Studsvik (südlich von Stockholm) erforschen lassen will, um „Erkenntnisse für die Langzeitsicherheit in der Zwischenlagerung“ zu erhalten, müsse der Atommüll hinterher nach Deutschland zurückgebracht werden.

Vattenfall hat aber seit Dienstag alle nötigen Genehmigungen, um die Brennstäbe in drei Castor-Transporten bis August über Dänemark nach Schweden zu bringen – und deren Reste dort zu lagern. „Diese Brennstäbe werden in dem Forschungsvorhaben ,zerstörend‘ untersucht. Die radioaktiven Abfälle verbleiben anschließend bei der schwedischen Forschungseinrichtung, die auch die Verantwortung für die Entsorgung dieser Abfälle übernehmen wird“, sagt eine Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel. Für Brunsbüttel gelte: „Ein Kernkraftwerk ohne Brennstoffe ist sicherer als eines mit.“ Denn nach dem Abtransport werden sich in dem seit 2007 still stehenden Kernkraftwerk in Dithmarschen keine Kernbrennstoffe mehr befinden.

Bei den 13 so genannten Defektstäben handelt es sich um einzelne Brennstäbe, die im Laufe der Betriebszeit seit den 1970er Jahren wegen Schäden aus dem zugehörigen Brennelement entnommen wurden. Bei den Schäden kann es sich um Verkrümmungen handeln, Oberflächenrisse im Hüllrohr oder Schweißfehler an den Endverschlüssen.

Vattenfall will nach eigenen Angaben erforschen, wie man sehr lange in Wasser aufbewahrte Brennstäbe am besten trocken lagern kann. Das geplante Untersuchungsprogramm werde voraussichtlich vier Jahre andauern. „Die Erkenntnisse aus dem von Vattenfall initiierten Forschungsvorhaben könnten auch anderen Betreibergesellschaften zugutekommen, die defekte Stäbe zu lagern haben“, heißt es aus dem Umweltministerium in Kiel.

Ob es Proteste gegen die Castor-Transporte gibt, ist noch ungewiss. Wann und wie der Atommüll nach Skandinavien gebracht wird, darüber schweigen Vattenfall und das Ministerium – aus Sicherheitsgründen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen