Rockerkrieg in SH : Daten weitergereicht: Polizeibeamtin und Rocker vor Gericht

Der angeklagte 51-Jährige war führendes Mitglied der Kieler Red Devils.
Der angeklagte 51-Jährige war führendes Mitglied der Kieler Red Devils.

Die Kieler Kriminaloberkommissarin muss sich wegen Bestechlichkeit verantworten. Sie hatte dem Rocker Namen genannt.

shz.de von
12. Juni 2018, 11:01 Uhr

Kiel | Rund sechs Jahre nach dem Ende des sogenannten Rockerkriegs in Schleswig-Holstein müssen sich ab Mittwoch eine Kieler Polizeibeamtin und ein Rocker gemeinsam vor dem Kieler Landgericht verantworten. Die Vorwürfe gegen die 45-jährige Kriminaloberkommissarin der Kieler Polizei: Bestechlichkeit, Vorteilsnahme im Amt und Verletzung des Dienstgeheimnisses in insgesamt sieben Fällen. Dafür drohen bei einer Verurteilung zwischen sechs Monaten und fünf Jahren Haft. Bei Freiheitsstrafen über einem Jahr würde die Frau zwingend ihren Beamtenstatus und Pensionsansprüche verlieren. Derzeit ist sie vom Dienst suspendiert.

Die Anklage wirft der Amtsträgerin nach Angaben der Gerichtspressestelle von August 2011 bis Februar 2012 insgesamt sieben Fälle vor. Sie soll dem Rocker – laut Anklage damals führendes Mitglied der Kieler Red Devils – auf dessen Anfragen zu über 50 Fahrzeugkennzeichen die Namen der jeweiligen Halter genannt haben. Der 55-Jährige soll dafür jeweils zehn Euro gezahlt haben. Die Daten reichte er demnach an die Kieler Hells Angels weiter.

Zudem soll die Beamtin in vier weiteren Fällen ohne Bezug zur Rockerkriminalität wissentlich Strafvereitelung begangen haben – indem sie Akten liegengelassen, nicht weitergereicht oder veranlasst haben soll, dass sie als erledigt registriert wurden.

Beide Angeklagte sollen sich privat über den Fußballclub ihrer Söhne kennengelernt haben. Der 55-Jährige wusste demnach, dass sie bei der Kripo arbeitet. Die Anklage in den sieben Fällen gegen ihn: Bestechung und Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen. Dafür drohen zwischen drei Monaten und fünf Jahren Gefängnis.

Die Taten standen den Ermittlern zufolge im Zusammenhang mit dem Rockerkrieg, der die Polizei 2009 bis 2012 mit etlichen Gewalttaten in Atem hielt und sich erst nach dem Verbot von Ortsgruppen in Flensburg und Neumünster (jeweils 2010) sowie Kiel (2012) beruhigte.

Der Verteidiger der 45-Jährigen kündigte an, dass die Beamtin sich äußern werde. Die Weitergabe der Akten sei „unter dem Eindruck einer als bedrohlich empfundenen Situation“ erfolgt, es sei kein Geld gezahlt worden, sagte Strafverteidiger Volker Berthold der dpa auf Anfrage. Seine Mandantin sei beruflich „nie mit Rockerkriminalität betraut oder in der Soko Rockerkriminalität gewesen. Es gab und gibt keine Kontakte ins Rockermilieu“, sagte Berthold. Das Gericht hat sieben Verhandlungstage anberaumt.

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