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Gedenken am Ort der alten Synagoge : „Das Vergessen ist der Feind der Demokratie“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum Jahrestag des Novemberpogroms von 1938 mahnen die Redner zum kritischen Erinnern. Sowohl Stadtpräsident Hans-Werner Tovar wie auch Landesrabbiner Doc-Levi Barsilay appellieren an die Bevölkerung, wachsam zu bleiben gegenüber jeder Form von Intoleranz und Rassismus.

Gegen Unmenschlichkeit, gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Rassismus jedweder Art, für Frieden und Religionsfreiheit – diesen Appell richtete der Kieler Stadtpräsident Hans-Werner Tovar gestern an die Bevölkerung, In seiner Rede zum 76. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938 – im Volksmund auch als „Kristallnacht“ bekannt – erinnerte er an die mörderische Verfolgung der jüdischen Mitbürger in Deutschland und eben auch in Kiel.

Daran müsse man ständig erinnern, denn „Vergessen ist der größte Feind der Demokratie“, so Tovar. Er sprach an der Ecke Goethestraße/ Humboldtstraße gleich neben dem Schrevenpark, wo 1938 die Synagoge von politischen Brandstiftern vernichtet wurde. Tovar fügte hinzu: „Wir müssen künftig verhindern, dass Hass und Rassismus die Hirne vernebeln.“

205 so genannte Stolpersteine sind mittlerweile in Kiel verlegt. Jeder einzelne mahnt an das Schicksal eines jüdischen Mitmenschen, der verfolgt, ins Exil getrieben oder in Vernichtungslager deportiert wurde. Die beiden Max-Planck-Schülerinnen Ina Vorhaben und Janika Patz sowie Hanna Hahn und Sebastian Kühn vom RBZ Wirtschaft hatten sich in Geschichtskursen mit deutsch-jüdischen Biografien beschäftigt. Sie trugen bei der Gedenkveranstaltung die Lebensdaten etwa von Pinkus Monheit vor, der 1943 im Ghetto von Lodz umkam, oder von Erna Rumpf an der Hummelwiese, die 1942 den Freitod der Deportation nach Theresienstadt vorzog.

Für Landesrabbiner Doc-Levi Barsilay bedeutet das Erinnern an die NS-Barbarei „nicht Anklage, sondern Verstehen, um zu verhindern“. Nie wieder dürfe man einem Ermächtigungsgesetz, das 1933 die NS-Diktatur ermöglichte, zustimmen. Barsilay plädierte „für ein friedliches Einvernehmen mit unseren Nachbarn. Ohne jede Vorurteile.“

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erstellt am 10.Nov.2014 | 21:20 Uhr

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