Bus & Bahn in Kiel : Das Soli-Ticket soll es für 9,90 Euro geben

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Das vor einem Jahr ein geführte Seniorenticket hat sich in der Landeshauptstadt bewährt. 600 Menschen sind vom Auto auf den ÖPNV umgestiegen. SPD und SSW verlangen jetzt eine günstige Monatskarte für Menschen in Altersarmut – „ein echtes Solidaritätsticket“.

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08. Februar 2018, 22:06 Uhr

Künftig sollen bedürftige Senioren mit den klammen Studenten gleichziehen – zumindest bei der Monatskarte für Bus und Bahn. Das fordern SPD und SSW in der Ratsversammlung. Sie wollen das erfolgreiche Seniorenticket im Bedarfsfalle zum „Solidaritätsticket“ ausbauen. Arme ältere Menschen könnten dann für 9,90 Euro im Monat durch die Stadt fahren. Dieser Betrag entspricht ungefähr den monatlichen Kosten des Semestertickets der Studenten.

Zu Jahresbeginn 2017 hatte Kiel für zwei Jahre auf Probe das Seniorenticket eingeführt. Es gewährt Frauen und Männern über 65 Jahren 25 Prozent Rabatt auf das Monatsticket. Statt für 49,50 Euro ist die Monatskarte seitdem für 37,13 Euro zu haben. Kritiker hatten erhebliche Einnahmeverluste vorausgesagt, sollten sich aber irren. Binnen eines einzigen Jahres gab es zwar 531 Wechsler vom teuren auf das günstigere Ticket, was ein Minus von 6600 Euro bedeutete. Gleichzeitig aber spülten 594 neue Anträge rund 22 000 Euro in die Kasse. In der Bilanz ergibt folglich ein Plus von 15 400 Euro.

Jetzt wollen SPD und SSW noch einen großen Schritt weiter gehen. Für bedürftige ältere Menschen soll die ÖPNV-Monatskarte auf 9,90 Euro gesenkt werden – das entspricht einem Nachlass von 80 Prozent gegenüber dem regulären Ticket. Und in der Größenordnung kommt dieser Satz den 55,50 Euro nahe, die Studenten alle sechs Monate im Rahmen ihres Semesterbeitrags für das Busticket bezahlen.

Erklärte Absicht: Jene nähernd 3000 Personen, die in der Stadt Grundsicherung im Alter erhalten – der Regelsatz liegt für sie bei 409 Euro –, sollen auf ein „echtes Solidaritätsticket“ zurückgreifen können. „Die Mobilität im Alter könnte für alle bezahlbar sein – auch für Menschen in Altersarmut“, steht in der Vorlage.

Allerdings: Die Bedürftigkeit müsste auch nachgewiesen werden. Deshalb kalkulieren SPD und SSW mögliche Personalkosten bei der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) ein. Mitarbeiter könnten an den Ticket-Ausgabestellen die Bescheinigungen des Sozialamtes überprüfen. SPD und SSW gehen davon aus, dass die fälligen 15 000 bis 20 000 Euro für eine bezahlte Stelle dauerhaft über die Mehreinnahmen aus dem Seniorenticket finanziert werden können.

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