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Kiel

15. Dezember 2017 | 23:27 Uhr

Das Ringen um die Inklusion

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bildungsministerin Waltraud Wende verschiebt Konzept auf Herbst – FDP bezeichnet dieses Vorgehen als Armutszeugnis

von
erstellt am 28.Mai.2014 | 17:11 Uhr

Kinder mit Behinderungen sollten nach Ansicht der Nord-CDU auch weiterhin an Förderzentren Schulunterricht erhalten können. Eine „überstürzte Einführung der Inklusion“ an allgemeinbildenden Schulen gefährde die Akzeptanz dieses Unterrichtsmodells, warnten die Bildungspolitiker Heike Franzen und Tobias Loose am Mittwoch in Kiel.

Fakt ist: Derzeit werden 64 Prozent der Kinder mit Behinderungen an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet. Erklärtes Ziel von Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) ist es, die Quote auf 90 Prozent zu erhöhen. Ein dazu für Frühjahr angekündigtes Konzept hat Wende soeben auf Herbst vertagt. Es gehe um „Qualität statt Tempo“, begründet die Ministerin ihre Entscheidung. Offen ist die Finanzierung. Die Lehrergewerkschaft GEW schätzt, dass mindestens 1000 zusätzliche Lehrerstellen nötig wären. Wende sieht bei der Finanzierung „neue Möglichkeiten“ durch das Bildungskonzept des Bundes.

Franzen und Loose legten ein vom CDU-Landesvorstand gebilligtes Konzept vor. Danach soll es neben dem gemeinsamen Unterricht an der Regelschule Kompetenzzentren und Förderzentren als „Schule mit Schülern“ geben. Es gehe um „so viel inklusive Beschulung wie möglich und so viel sonderpädagogische Förderung wie nötig“. Ausgangspunkt müsse die Situation des einzelnen Kindes und dessen Förderbedarf sein. „Daran muss sich die weitere Beschulung des Kindes orientieren.“ Inklusion könne nur gelingen, wenn Lehrkräfte für spezielle Förderschwerpunkte ausgebildet würden, so Loose. Sonderpädagogik als Spezialwissenschaft solle beibehalten werden.

Die FDP kritisierte die Verschiebung des Inklusionskonzepts von Wende als „ein weiteres Armutszeugnis für diese Ministerin“. Erneut zeige sich, dass Wende „in ihrem Amt heillos überfordert ist“. Die FDP schlug zugleich einen „dritten Weg“ zur Inklusion vor. Der sieht für den Unterricht ganz oder teilweise spezielle Lerngruppen unter einem Dach einer allgemeinbildenden Schule vor. „Inklusion bedeutet nicht die Verteilung aller Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf Regelklassen“, heißt es in dem FDP-Papier.

Der Deutsche Kinderschutzbund warnte davor, den Ausbau der Inklusion weiter zu verzögern. In Schleswig-Holstein würden zwar über 64 Prozent der Kinder mit Förderbedarf inklusiv unterrichtet. Die finanziellen, strukturellen, personellen und räumlichen Voraussetzungen dafür seien aber oft nicht vollständig gegeben. „Ich kann verstehen, dass viele Betroffene frustriert sind“, sagte die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns. Ähnlich hatte sich auch die CDU geäußert.

So betreuten Lehrkräfte von Förderzentren mehrere Schulen: „Sie sind manchmal mehr auf der Straße unterwegs als im Unterricht.“ Würden manche Schüler „nur einmal pro Woche betreut, können sie keine persönliche Bindung aufbauen“. Halte dieser Zustand an, „droht ein Aufstand gegen Inklusion schlechthin“, heißt es in dem Unionspapier.



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