Verwaltung der Zukunft : Das Ringen um den Nachwuchs

Strategen für eine moderne Verwaltung:  (von links) Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Stadtrat Christian Zierau, Dirk Lerche (Personalrat), Petra Holtappel (Leiterin des Grünflächenamtes), Personalchef Chris Reinert und Andrea Dohse (Personalrat).
Strategen für eine moderne Verwaltung: (von links) Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Stadtrat Christian Zierau, Dirk Lerche (Personalrat), Petra Holtappel (Leiterin des Grünflächenamtes), Personalchef Chris Reinert und Andrea Dohse (Personalrat).

Fachkräftemangel ist auch im Kieler Rathaus kein Fremdwort. Umso wichtiger ist die Strategie, Personal für die anspruchsvolle Verwaltung von morgen auszubilden und in eigenen Reihen zu behalten. Punkten kann Kiel etwa mit äußerst flexiblen Arbeitszeiten.

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04. März 2019, 19:22 Uhr



In Deutschland kommt keine Verwaltung ohne Wortungeheuer aus. Das Rathaus in Kiel macht keine Ausnahme. Von der „Arbeitsbewältigungsfähigkeit“ ist die Rede – und damit vom Anspruch, eine moderne bürgerfreundliche Verwaltung auf die Beine zu stellen, rechtzeitig Fachkräfte zu sichern, die Mitarbeiter gleichzeitig zu motivieren und für die Aufgaben im digitalen Zeitalter zu wappnen. Gemeinsam mit Chris Reinert, dem Leiter des städtischen Personalamtes, und Dirk Lerche, dem Vorsitzenden des Gesamt-Personalrates, stellte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer gestern die „Gesamtstrategie“ fürs Rathaus vor. Denn das Geschäft der Verwaltung, das ist allen Beteiligten klar, wird immer schwieriger.

Bedingt durch eher kurzzeitige „Gastspiele“ früherer Oberbürgermeister (Torsten Albig und Susanne Gaschke) gab es einen „Vorrat ungelöster Probleme“, wie es gestern hieß. Zu denen gehört die Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen, die Nachwuchssicherung ganz allgemein, die Frage der befristeten Verträge und damit verbunden die Sicherheit der Lebensplanung.

Mit Kämpfer – seit fünf Jahren im Rathaus auf dem Chefsessel – verbindet Lerche jetzt wieder Kontinuität. Er würde es begrüßen, wenn der jetzige Oberbürgermeister für eine weitere volle Amtszeit (sechs Jahre) zur Verfügung steht und nicht wie einst Albig als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf zieht. Lerche wörtlich: „Den Wechsel an der Spitze möchte ich mir nicht vorstellen.“ Kämpfers Antwort erfolgte prompt: „Mein Plan A ist es, für sechs Jahre wiedergewählt zu werden. Einen Plan B gibt es nicht.“

Meist können gut ausgebildete Fachkräfte in der freien Wirtschaft mehr Geld verdienen. Weshalb eine Verwaltung wie das Kieler Rathaus mit anderen Punkten trumpfen muss. Vorrangig mit der Sicherheit des Arbeitsplatzes. Aber auch mit charmanten Angeboten wie dem Jobticket, einer Rathaus-Kita (die in diesem Jahr entstehen soll) oder mit flexiblen Arbeitszeiten. Genau 5322 Köpfe zählte die Belegschaft Ende 2018 – und nach Worten von Reinert 2000 verschiedene Arbeitszeitmodelle. Kiel nimmt für sich in Anspruch, nicht wie in Lübeck freie Posten mit einer mehrmonatigen Besetzungssperre belegt zu haben. Ganz im Gegenteil wurde der Nachfolge vom Vorgänger meist noch eingearbeitet, damit Erfahrung und Wissen nicht verloren gehen.

Keine Frage: Der mittlerweile in schwarze Zahlen gedrehte Haushalt erleichtert diese Strategie, Fachkräfte anzuwerben und dauerhaft zu binden. Das Trio von Kämpfer, Lerche und Reinert setzt darauf, Mitarbeitern Gelegenheit zur Weiterbildung zu geben oder nach einer Elternpause die Rückkehr ins gesicherte Arbeitsverhältnis zu garantieren. Und überhaupt: Vom Landschaftsgärtner bis zur Betriebsärztin, vom Elektriker bis zur Bibliothekarin, von der Kita-Erzieherin bis zum Juristen bietet die Verwaltung über 100 verschiedenen Berufe an. Der Anspruch für die Zukunft wurde gestern bereits formuliert: „Wenn in Kiel die fünf coolsten Arbeitgeber ausgezeichnet werden, muss die Stadt dabei sein.“

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