Nord-Ostsee-Kanal : Das Nadelöhr verschwindet

Im Jahre 2023 soll sie stehen, im Jahre 2024 dürfen die Autos rollen: Die neue Levensauer Hochbrücke über dem Kanal.  WSA Holtenau
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Im Jahre 2023 soll sie stehen, im Jahre 2024 dürfen die Autos rollen: Die neue Levensauer Hochbrücke über dem Kanal. WSA Holtenau

Am 1. April beginnen die Arbeiten an der Levensauer Hochbrücke: Für Abriss und Neubau gehen fünf Jahre ins Land. Unter der deutlich breiteren Brücke können sich künftig auch Schiffe begegnen. Das ist am „nautischen Nadelöhr“ bislang nicht möglich.

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20. März 2019, 17:59 Uhr



In den nächsten Tagen fällt der Startschuss für eines der aufwendigsten Infrastruktur-Projekte im Lande: den Abriss und den Neubau der Levensauer Hochbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal. Das Volumen des Vorhabens wird (vorsichtig) auf 100 Millionen Euro geschätzt. 2023/24 soll das neue Bauwerk stehen – die größere Spannweite wiederum ist unabdingbare Voraussetzung für die Kanalverbreiterung, die sich direkt anschließen soll.

Bislang ist der Bereich zwischen den Kanalkilometern 93,2 und 94,2 ein Engpass für den Schiffsverkehr. Sönke Meesenburg, verantwortlich für Investitionen im Kanal, und Thomas Janßen als Projektleiter für den Levensauer Brückenbau sprechen vom „nautischen Nadelöhr“. Unterhalb der ältesten Autobrücke über den Kanal ist kein Begegnungsverkehr möglich. Die Fahrrinne ist hier nur 45 Meter breit – künftig werden es 75 Meter sein.

Die Alte Levensauer Hochbrücke stammt noch aus den Kanal-Geburtsjahren 1893/ 94. Sie verbindet Kiel-Suchsdorf am südlichen Ufer mit Neuwittenbek / Altenholz auf der Nordseite. Vor Einweihung der benachbarten Neuen Levensauer Hochbrücke 1983 war sie die Chaussee-Verbindung zwischen Kiel und Eckernförde, sie nimmt auch die Bahntrasse zwischen Kiel und Flensburg auf. Als in den 50er-Jahren der Autoverkehr dramatisch zunahm, wurde die Levensauer Hochbrücke modernisiert: Die markanten Eingangstore, die sogar einen Kiosk aufnahmen, verschwanden. Seit damals gibt es Platz für zwei Fahrspuren und die getrennte Bahntrasse.

Am 1. April beginnen die Einrüstarbeiten für die gigantische Baustelle. Am 15. April werden die ersten Baukolonnen anrücken. Für Fußgänger und Radfahrer wird dann bis zum 15. Mai ein kostenloser Pendeldienst zwischen Suchsdorf und Wittenbek eingerichtet, die Busse mit Anhänger für die Drahtesel verkehren im 30-Minuten-Takt. Für die Eisenbahn ist die Trasse vom 1. Juli bis Mitte August nicht befahrbar. Für Autofahrer (und Landwirte mit ihren Treckern) bleibt die Brücke sogar bis zum Herbst gesperrt. Sie müssen auf die Nachbarbrücke ausweichen, die während der Bauzeit auch für langsame Fahrzeuge freigegeben wird.

Im Frühjahr 2020 beginnen die voraussichtlich zweijährigen Arbeiten an den Gründungsbauwerken für die neue Brücke. 2022 soll die stählerne Unterkonstruktion stehen. 2023 folgen dann Abriss und Neubau, vermutlich 2024 steht die Strecke für den Autoverkehr wieder zur Verfügung. Meesenburg und Janßen veranschlagen die Kosten für den Brückenbau auf mindestens 60 Millionen Euro, weitere 40 Millionen gehen für Anschlussarbeiten drauf. Darin enthalten ist auch die Herrichtung des südlichen Widerlagers. Im großen Gewölbe haben nämlich Tausende von Fledermäusen ihr Winterquartier. Deshalb bleibt das Widerlager stehen, deshalb wird der Kanal nur auf der Nordseite verbreitert. Anders ausgedrückt: Die alte Kanalbrücke verschwindet, die Fledermäuse bleiben.

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