Kiel 2014 : Das Jahr der OB-Wahl – ein Rückblick

Lachende Familie: Anke Erdmann, Sohn Johann und Ulf Kämpfer am Lieblingsbaum zu Hause in Kiel-Hassee zu Wahlkampfzeiten im vergangenen Winter.
Lachende Familie: Anke Erdmann, Sohn Johann und Ulf Kämpfer am Lieblingsbaum zu Hause in Kiel-Hassee zu Wahlkampfzeiten im vergangenen Winter.

Das Jahr 2014 war ein Neustart für die Spitze der Stadtverwaltung. Ulf Kämpfer trat als Oberbürgermeister die Nachfolge von Susanne Gaschke an. Erste Hürden und Herausforderungen blieben nicht aus – doch es gibt auch positive Nachrichten.

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30. Dezember 2014, 06:52 Uhr

Aus Sicht vieler Kieler mag das Jahr 2014 ohne größere Aufregung begonnen haben. Bis auf einen Einbruch mit Brandstiftung in einem innenstadt-nahen Supermarkt verlief der Jahresbeginn in der Landeshauptstadt ruhig. Kiel erholt sich noch von den Nachwehen des Steuerfalls um den Augenarzt Detlef Uthoff, der zum Fallstrick für die frühere Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) geworden war. Während Gaschke sich zurückzieht, um ihr Buch zu schreiben, geht Umweltstaatssekretär Ulf Kämpfer an den Start – als SPD-Kandidat für den Wahlkampf zum neuen Oberbürgermeister, flankiert vom CDU-Ratsfraktionschef Stefan Kruber und dem parteilosen Kandidaten Detlef Hackethal.

Ganz deutlich gewinnt schließlich der Mann, der sich selbst gern „sanfter Krieger“ nennt, einen „Lösungssucher“ und keinen „Lautsprecher“, die Oberbürgermeisterwahl. Der promovierte Jurist kommt am 23. März auf mehr als 63 Prozent. CDU-Kandidat Kruber erreicht nur rund 28 Prozent, der Einzelbewerber Hackethal erhält etwas mehr als 8 Prozent der Stimmen. Ein Neustart nicht nur für Kämpfer, sondern auch wieder für die Stadtverwaltung: Vor Gaschke war deren Vorgänger Torsten Albig ebenfalls nur kurze Zeit im Amt gewesen, bevor er sich anschickte, Ministerpräsident zu werden.

An jenem Wahltag im März 2014 werden auch die Weichen für ein großes Projekt in Kiel gestellt: Knapp fällt das Votum im Bürgerentscheid für die Realisierung eines neuen Möbelmarktzentrums des Branchen-Riesen Möbel Kraft aus. So entscheiden sich 52,5 Prozent der Kieler für die Ansiedlung, 47,5 Prozent sind dagegen. Gegner hatten den umstrittenen Bau auf dem Kleingartengelände Prüner Schlag nahe der Autobahn A 215 verhindern wollen. Die Investitionssumme beträgt rund 40 bis 60 Millionen Euro. Es sollen 250 bis 300 Arbeitsplätze geschaffen werden, verspricht der Investor. Baubeginn könnte Anfang 2016 sein.

Ein harter Brocken fällt dem frisch vereidigten neuen OB im Frühjahr vor die Füße: Der Mehrheitseigner der Kieler Stadtwerke, der Mannheimer Energie-Konzern MVV, will sich aus dem gemeinsam geplanten Kraftwerk-Neubau auf dem Ostufer zurückziehen. Mehr noch, MVV will seine Anteile komplett loswerden. Es geht um Summen von bis zu 500 Millionen Euro – so hoch wie die Verschuldung der Stadt Kiel selbst. Seitdem verhandelt Kämpfer im stillen Kämmerlein – auch mit potenziellen Investoren – und hofft, im neuen Jahr eine Lösung für die langfristige Versorgung der Kieler mit Fernwärme zimmern zu können.

Ärger erreicht Kämpfer im eigenen Bundesland: Der Kreis Schleswig-Flensburg will weniger Müll liefern und weniger für die Verbrennung in der Kieler MVK bezahlen. Der Vertrag mit Laufzeit bis 2023 steht auf der Kippe. Es droht ein langes Schiedsverfahren. Kämpfer und Landrat Wolfgang Buschmann handeln einen Kompromiss aus. Der Kreis liefert weiterhin Müll – aber weniger. Er zahlt auch weniger.

Doch für die Verwaltung gibt es auch positive Entwicklungen. Auf einem Gebiet im Norden der Stadt, das früher die Marineflieger beherbergte, liegen jetzt die Hoffnungen: Das MFG-5-Gelände mit der Bewerbung zur Landesgartenschau und der Hoffnung auf Olympia. Wenn dort auch noch Flüchtlinge unterkommen, kann Kiel auch diese Herausforderung ein Stück weit meistern. Die Entwicklung des „Kiel-Kanals“ soll schließlich die Innenstadt voranbringen, und bei der geplanten Bebauung der Hörn hofft der Oberbürgermeister für 2015 auf den Durchbruch.

Wie sagte er noch in seiner Antrittsrede im vergangenen April? „Kiel hat allen Grund zu Selbstbewusstsein, Optimismus und Zuversicht.“ Aber Kämpfer hielt auch fest: „Mir ist klar: Meine Wahl zum Oberbürgermeister ist keine Anerkennung für bereits Geleistetes.“ Sondern ein Vertrauensvorschuss.

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