Gasmotorenheizkraftwerk Kiel : Motoren des Küstenkraftwerks sind komplett

Hier wird der Strom gemacht: Wilfried Bergmann, Projektleiter der Firma „GE“ vor der Kupplungsglocke, die Kurbelwelle und Generator miteinander verbindet.
1 von 2
Hier wird der Strom gemacht: Wilfried Bergmann, Projektleiter der Firma „GE“ vor der Kupplungsglocke, die Kurbelwelle und Generator miteinander verbindet.

Das Heizkraftwerk auf dem Kieler Ostufer empfing diese Woche den letzten der insgesamt 20 Erdgas-Motoren. In einem Jahr soll der Betrieb starten.

von
08. März 2018, 20:21 Uhr

Das Herzstück des Küstenkraftwerks ist komplett: Denn der letzte von 20 Motoren des Küstenkraftwerks ist nun da. Frank Meier und Jörg Teupen von den Kieler Stadtwerken enthüllten jetzt gemeinsam mit Reinhold Frank (Kraftanlagen München) und Carlos Lange von General Electric (GE) den Jenbacher J920 Flextra Gasmotor. Laut derzeitiger Planung geht das Gasmotorenheizkraftwerk auf dem Kieler Ostufer Ende März 2019 ans Netz und beliefert ab diesem Moment 73.000 Haushalte und Einrichtungen im Stadtgebiet mit „klimaverträglicher Fernwärme“. Denn das neue, 290 Millionen schwere Kraftwerk soll einen wesentlichen Beitrag zur zukunftsfähigen, ökologisch nachhaltigen Stromversorgung liefern. Nicht nur für Kiel, wenn es nach Carlos Lange, Präsident der Unternehmenssparte Distributed Power von GE, geht: „Aus unserer Sicht ist es das größte Gasmotorenheizwerk der Welt und ein Leuchtturmprojekt. Denn es ist ein Heizkraftwerk der Superlative. Ich bin überzeugt, dass andere sich anschließen werden.“

Die Arbeitsweise des Kraftwerkmotors ist nicht anders als unter der Motorhaube eines Autos, erklärt Wilfried Bergmann, Projektleiter von GE. Die Kolben im Zylinder sorgen durch ihre Aufwärtsbewegung für eine Verdichtung im Brennraum und eine Explosion. Diese treibt den Kolben wieder nach unten und so geht es immer weiter. Diese Auf- und Abwärtsbewegung des Zylinders treibt die Kurbelwelle und diese damit den Generator an. Der erzeugt schließlich den elektrischen Strom.

Enthüllten gemeinsam den riesigen Motorblock:(v.li.) Frank Meier, Jörg Teupen, Reinhold Frank und Carlos Lange.
Lange
Enthüllten gemeinsam den riesigen Motorblock:(v.li.) Frank Meier, Jörg Teupen, Reinhold Frank und Carlos Lange.
 

Der eine oder andere Unterschied zwischen einem Auto- und einem Kraftwerksmotor ist dann aber doch da: „Statt mit flüssigem Benzin arbeiten wir mit Erdgas“, sagt Wilfried Bergmann. Und während ein herkömmlicher Automotor eine Laufleistung von etwa 2000 bis 2500 Stunden – das entspricht 200 000 Kilometern – hat, schafft der Kraftwerksmotor insgesamt 80 000 Betriebsstunden, erklärt Bergmann. „Das Grüne an dieser Technologie ist, dass von 100 Prozent Primärenergie nur acht Prozent verloren gehen.“ Denn die entstehenden heißen Abgase sollen im Küstenkraftwerk abgekühlt und an das Fernwärmenetz der Stadt Kiel (für Warmwasser) abgegeben werden. Die Motoren sind zudem binnen Minuten flexibel an- und abschaltbar, „im Sommer sind vielleicht nur fünf Motoren nötig.“

Dr. Jörg Teupen, Stadtwerke-Vorstand Technik, ergänzt: „Dadurch kann das Küstenkraftwerk auch flexibel auf den Energiemarkt reagieren.“ Das eingespeiste Gas sei zu 40 Prozent russischen und 20 Prozent norwegischen und holländischen Ursprungs. Die übrigen 40 Prozent stammten aus anderen Gegenden, etwa Katar.

Der Probebetrieb des ersten Motors startet voraussichtlich im Mai. Gemäß Planung soll das Gasmotorenheizkraftwerk zum Ende des ersten Quartals 2019 den Betrieb aufnehmen. Das 48 Jahre alte Kohlekraftwerk wird dann am 31. März 2019 still gelegt.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen