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Brandtaucher-Archiv : Das Erbe des U-Boot-Forschers

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das erste deutsche Unterseeboot, der Kieler Brandtaucher, sank vor 165 Jahren in der Förde. Klaus Herold (1922-2013) trug alles über dessen Erfinder zusammen. Das Stadtarchiv zeigt nun dessen Nachlass.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2016 | 06:02 Uhr

Kiel ist die Wiege des deutschen U-Boot-Baus. Es begann 1850 mit der Entwicklung des Brandtauchers, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Stadt. Heute sichert die Werft TKMS mit ihren U-Booten tausende Arbeitsplätze, hofft derzeit auf einen lukrativen Auftrag aus Australien. Zum 165. Jubiläum des ersten deutschen Unterseebootes, das am 1. Februar 1851 im Kieler Hafen zu Wasser gelassen wurde und dabei sank, widmet sich die Stadt nun wieder den Wurzeln. Das Stadtarchiv stellt ab sofort den Nachlass des 2013 mit 91 Jahren in Wilhelmshaven verstorbenen Technik-Historikers Klaus Herold zur Auswertung bereit.

Herold hatte zu Lebzeiten akribisch zu dem von Wilhelm Bauer konstruierten Brandtaucher in Archiven geforscht, recherchiert und publiziert. Seine Erben übergaben den Bestand an die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, die den langfristigen Erhalt des Bauer-Archivs finanziell sichern will, wie deren Vorsitzender Dr. Jürgen Jensen gestern im Stadtarchiv erklärte: „Am Wilhelm-Bauer-Archiv wird keiner vorbeikommen, der die U-Boot-Geschichte erforschen will“, sagte Jensen.

58 Steh-Ordner, zwölf Mappen und zwei Kästen voller fein säuberlich abgehefteter Dokumente und Abbildungen – „auf den ersten Blick wirkt der Nachlass nicht spektakulär“, beschreibt Stadtarchivar Johannes Rosenplänter seinen neusten historischen Schatz. Doch der eigentliche Wert des „hervorragenden Bestands“ für die Forschung liege in der detaillierten und gebündelten Sammlung des Materials zu Wilhelm Bauer und zur Entwicklung des U-Bootes. So sei Klaus Herold, der selbst U-Bootfahrer und Ingenieur war, in verschiedensten Archiven unterwegs gewesen, um Zeichnungen, Karten und Fotografien zu kopieren und zusammenzutragen. Nicht selten spannte der U-Boot-Liebhaber auch Familienmitglieder für seine Recherchen ein, erläuterte dessen Tochter Angelika Prochnow, die in Kiel lebt, gestern im Stadtarchiv schmunzelnd.

Der Brandtaucher, beim HDW-Vorgänger Schweffel & Howaldt im deutsch-dänischen Krieg gebaut, sollte es ermöglichen, ungesehen Sprengladungen etwa an einer Brücke anzubringen. Doch beim ersten Tauchversuch sank er aufgrund von Konstruktionsmängeln auf den Förde-Grund. Die Besatzung musste sechs Stunden unter Wasser ausharren, wurde aber gerettet. Erst 36 Jahre später konnte das Boot geborgen werden. Es befindet sich im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Zum 150. Jubiläum des ersten Tauchversuchs zeigte das Kieler Schifffahrtsmuseum ab 1999 bis 2002 den knapp zehn Meter langen eisernen „Urahnen“ der modernen U-Boot-Technik. Heute ist lediglich ein Mini-Modell in dem Museum zu sehen. Den Wunsch, das Original erneut in Kiel zu zeigen, gibt es durchaus, hieß es gestern. Konkrete Pläne allerdings nicht.

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