Iltisbunker in Gaarden : Das abblätternde Kunstwerk

Das Kolossalgemälde am Bunker an der Ecke Preetzer Straße / Iltisstraße hat Shahin Charmi vor drei Jahrzehnten mit Hilfe von Arbeitslosen aufgetragen.
1 von 2
Das Kolossalgemälde am Bunker an der Ecke Preetzer Straße / Iltisstraße hat Shahin Charmi vor drei Jahrzehnten mit Hilfe von Arbeitslosen aufgetragen.

Der Denkmalschutz durchkreuzte die städtischen Absichten, ein neues Gemälde anzubringen: Das allseits bekannte Bunkerbild in Gaarden bleibt nun doch erhalten. Doch das Kunstwerk dürfte weiterhin unter dem Zahn der Zeit leiden.

Avatar_shz von
26. Februar 2019, 18:27 Uhr



Jetzt also die Kehrtwende. Der Iltisbunker in Gaarden behält sein weit über Kiel hinaus bekanntes Revolutionsgemälde! Pläne, das abblätternde Kunstwerk an der Preetzer Straße zu übermalen, sind vom Tisch. Dabei hatte die Stadt sogar einen offiziellen Wettbewerb gestartet und mit Piotr Nathan im Frühjahr 2018 schon einen Sieger gekürt. Doch dann flatterte dem städtischen Kulturamt ein Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege auf den Tisch.

Der Iltisbunker sei als Kulturdenkmal mit besonderem Wert vorgesehen für die Aufnahme in die landesweite Denkmalliste. Das hatte sofort praktische Folgen. Jegliche Veränderungen am Bunker und seinem Bild wurden genehmigungspflichtig. Die Erlaubnis erteilt die Untere Denkmalschutzbehörde – sie wiederum teilte gestern dem Kulturausschuss mit, wie sie sich die Zukunft des Bunkerbildes vorstellt.

Shahin Charmi hatte das Bilder-Opus zur Stadtgeschichte 1988 /  89 aus Anlass des 70. Jahrestages des Kieler Matrosenaufstandes in einem Projekt mit Arbeitslosen geschaffen. Porträts von Prominenten wie Rosa Luxemburg oder Gustav Noske finden sich im Gemälde neben meuternden Soldaten und Arbeitern. 30 Jahre lang allerdings nagte der Zahn der Zeit am Revolutionsbild. Sträucher und Bäume, die nicht gekappt wurden, setzen dem Kunstwerk ebenso zu wie Leitungen, die an der Außenwand entlangführten.

Beim Wettbewerb für das Nachfolge-Bild standen drei Entwürfe im Raum. Die Kieler Künstlerin Chili M. Seitz wollte dem Bunker zwei kräftige Risse zufügen. Die beiden statistischen Linien zeigen die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland seit 1955 und die Zahl der militärischen Konflikte – die Verbindung wird sichtbar. Arne Lösekann wollte die messbaren Amplituden-Ausschläge der berühmten Scheidemann-Rede von 1919 über die Ausrufung der Republik am Bunker anbringen. Den größten Zuspruch erhielt Piotr Nathan. Er setzt auf Bilder von Gaardener Grundschülern – allesamt Illustrationen zu markanten Worten aus den Berichten von Zeitzeugen. Für Nathans prämiierten Entwurf namens „Auf einmal hatte ich einen Schuss in der Milchkanne“ soll jetzt ein neuer Standort gefunden – möglichst in Gaarden.

Charmis Revolutionsbild darf mit denkmalgeschützter Genehmigung weiter abblättern. Theoretisch könnte der Künstler nach umfassender Betonsanierung sein Gemälde neu auftragen. Doch die Stadt hatte schon vor Jahr und Tag abgewunken. Angeblich verlangt Charmi 200 000 Euro für seine Arbeit – und auf diese Honorarforderung ging man im Rathaus nicht ein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen