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Arbeitsagentur : Darum hat Kiel so viele Arbeitslose

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt ist trauriger Spitzenreiter unter den kreisfreien Städten mit einer Quote von 10,4 Prozent.

Landesweit ist die Rede vom niedrigsten Stand der Arbeitslosigkeit seit 1993 in einem März. In Kiel ist die Zahl der Jobsuchenden durch den Frühjahrsaufschwung im Vergleich zum Februar zwar auch leicht von 10,5 auf 10,4 Prozent gesunken (in Zahlen: von 13  925 auf 13  765 Arbeitssuchende). Alarmierend jedoch der Blick auf den März vor einem Jahr: Da lag die Zahl der arbeitslos Gemeldeten noch bei 12    757 Kielern – rund 1000 oder 7,9 Prozent weniger. Die Quote entsprach damals 9,5 Prozent.

Mit der aktuellen Bilanz für den März steht die Landeshauptstadt Kiel im Vergleich der kreisfreien Städte im Norden am schlechtesten da. Die niedrigste Quote hat Flensburg mit 9,6 Prozent. Anders als in Kiel ist landesweit die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zudem um 1,3 Prozent gesunken.

Der Leiter der Agentur für Arbeit in Kiel, Michael Knapp (kl. Foto), hat keine eindeutige Erklärung für die schlechten Zahlen – nur Ansätze. Ein Unterschied: Während landesweit das Verhältnis zwischen Kurz- und Langzeitarbeitslosen bei 22 zu 68 Prozent liegt, machen in Kiel mit über 81 Prozent die Jobcenter-Kunden die Zahlen stark aus. In diesem März habe das Jobcenter etwa 620 zusätzliche Kunden betreut – „ein Teil des Anstiegs ist darin begründet“, sagt Michael Knapp.

Weiterer Effekt laut Knapp: „Eine Großstadt ist attraktiv für anerkannte Flüchtlinge.“ So habe sich die Zahl der Syrer unter den Kunden seit dem März 2015 mehr als verdoppelt (von 220 auf 478). Auch Bürger aus neuen EU-Ländern wie Bulgarien und Rumänien stellen das Jobcenter vor Herausforderungen. Im März 2015 nahmen 131 Bulgaren Leistungen in Anspruch, im März 2016 waren es 225.

Knapps letzter Erklärungsansatz: der veränderte Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen. Diese Kurse laufen aus – die Teilnehmer landen wieder in der Statistik. Immerhin: „Der Arbeitsmarkt in Kiel ist robust“, betont der Chef der Agentur die 27 Prozent mehr gemeldeten Stellen als im Vorjahreszeitraum. Leider geht das jedoch an vielen Kielern im Hartz-IV-Bezug vorbei.

Eine Konsequenz der steigenden Zahlen von Flüchtlingen in der Betreuung: Ab August soll es in Kiel mehr als 600 Plätze in neuen Kursen geben, die Integrationskurse an Maßnahmen zur beruflichen „Kompetenzklärung“ und Beratung koppelt.


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erstellt am 31.Mär.2016 | 04:14 Uhr

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