Einzelhandel : Coop-Konzern streicht 41 Jobs in Kiel

Unter anderem die Belieferung der Sky-Märkte soll zusammengefasst werden.
Foto:
Der Vorstand des Kieler Einzelhandelskonzerns Coop eG (Sky, Plaza) plant Kostensenkungen.

„Der Versuch, uns loszuwerden“: Den Fahrern des Kieler Einzelhandelskonzerns Coop eG wurde mitgeteilt, dass fast die Hälfte der Stellen nach Mecklenburg-Vorpommern verlegt werden.

shz.de von
18. Juni 2014, 11:31 Uhr

Der Kieler Einzelhandelskonzern Coop eG (Sky, Plaza) hat 2013 einen Verlust von 10,2 Millionen Euro ausgewiesen – jetzt plant der Vorstand Kostensenkungen. Unter anderem soll die Logistik gestrafft werden.

Am Dienstag gab es für Coop-Fahrer schlechte Nachrichten: Die Genossenschaft will im Kieler Regionallager einen Teil des Fuhrparks dichtmachen und 41 Arbeitsplätze ersatzlos streichen. „Hätten wir Fackeln und Mistforken gehabt, hätten wir den Vorstand aus der Stadt getrieben“, sagt einer der Betroffenen über den Zorn in der Belegschaft.

Die Fahrer waren am Dienstag um 10.45 Uhr zu einem Informationsgespräch gebeten worden. In Anwesenheit der Chefetage wurde erläutert, worum es geht: 40 Touren sollen zum 14. Juli von Kiel zum Lager Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern verlegt werden.

Unternehmenssprecherin Sabine Pfautsch bestätigt die Pläne: „Mit 98 Prozent Auslastung arbeitet das Kieler Lager am Limit. Wir reagieren darauf und beliefern unsere Märkte in Hamburg und Umgebung sowie im östlichen Schleswig-Holstein künftig vom Lager Güstrow aus.“ Dort gebe es noch eine ungenutzte Lagerkapazität von 50 Prozent. Zudem könnten Fahrten über die stark belastete Autobahn 7 vermieden werden, was ein positiver Nebeneffekt sei.

Obwohl die Arbeitsplätze am Standort Kiel wegfallen, soll es keine Kündigungen geben. Pfautsch: „Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst. Alle Mitarbeiter werden nach Güstrow versetzt und bleiben Mitarbeiter des Fuhrparks der Coop eG.“

Die Verlegung trifft nach Angaben der Betroffenen genau jene Fahrer, die bei der Genossenschaft mit guten Tarifverträgen angestellt sind. Die übrigen rund 50 Fahrer, die in einer vor Jahren gegründeten GmbH arbeiten und weniger verdienen, sollen in Kiel bleiben.

„Es ist der Versuch, uns loszuwerden“, sagt ein Mitarbeiter des Coop-Fuhrparks. „Viele arbeiten schon lange für Coop, haben Familie und Häuser hier. Das Unternehmen rechnet damit, dass wir nicht einfach nach Güstrow gehen können.“ Der Verdacht der Betroffenen: Es geht um eine späte Rache. „Man hat uns damals gedrängt, in die GmbH zu wechseln, wir haben es nicht getan. Nun kommt die Quittung.“

Unternehmenssprecherin Pfautsch widerspricht: „Es handelt sich um eine rein unternehmerische Entscheidung.“ Gleichwohl gebe es im Konzern Verständnis für die Sorgen. „Es wird deswegen Gespräche mit dem Betriebsrat geben.“

Die betroffenen Fahrer wurden bis Montag freigestellt. „Unsere Wut soll wohl verrauchen, doch das wird sie nicht“, sagen sie.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert