Kiel : CDU-Kreisverband zieht die Notbremse

Einem Neumitglied des CDU-Kreisverbands war vorgeworfen worden, bei der Kandidatenaufstellung zur Kommunalwahl gleich mehrere Stimmzettel ausgefüllt zu haben. Foto: dpa
Einem Neumitglied des CDU-Kreisverbands war vorgeworfen worden, bei der Kandidatenaufstellung zur Kommunalwahl gleich mehrere Stimmzettel ausgefüllt zu haben. Foto: dpa

Nach dem Skandal um Wahlbetrug will die Kieler CDU den Nominierungsparteitag im Februar wiederholen. Ein Staatsanwalt soll den Vorwürfen der Wahlfälschung nachgehen.

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26. Januar 2013, 11:13 Uhr

Kiel | Der Kreisverband der CDU Kiel hat die Notbremse gezogen. Die Wahl des neuen Vorstands im heillos zerstrittenen Ortsverband Mettenhof wurde verschoben. Darauf hatte man sich am Dienstagnachmittag bei Kaffee und Kuchen mit CDU-Kreis-Chef Thomas Stritzl geeinigt. Die 50 Neumitglieder - ausschließlich Osteuropäer - die kürzlich die Wahl eines Landsmannes als Kandidat für die Ratsversammlung durchgeboxt hatten, erschienen daraufhin gar nicht erst zur Sitzung.
Auch auf Kreisebene ist man bemüht, die Wogen zu glätten, nachdem am vorigen Wochenende der Kreisparteitag überraschend abgebrochen werden musste. Wie berichtet, war einem Neumitglied vorgeworfen worden, bei der Kandidatenaufstellung zur Kommunalwahl gleich mehrere Stimmzettel ausgefüllt zu haben. Auf einer Krisensitzung beschloss der Kreisvorstand nun, den Nominierungsparteitag im Februar zu wiederholen. Um "keinerlei Zweifel an der demokratischen Ordnungsmäßigkeit" aufkommen zu lassen, sollen selbst bereits abgeschlossene Wahlgänge erneuert werden. Zugleich wurde Stephan Redlin vom Ortsverband Wik-Projensdorf, der als Staatsanwalt in Schwerin tätig ist, beauftragt, den Vorwürfen der Wahlfälschung nachzugehen, welche zum Abbruch des Parteitags geführt hatten. Redlin soll dabei selbst Mitglied der Zählkommission gewesen sein und Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe beklagt haben.
Derweil geht die Hängepartie in Mettenhof weiter. Das Problem wurde nicht gelöst, sondern nur verschoben, meinten zahlreiche Alt-Mitglieder. Der Kosovo-Albaner Nue Oroshi, der offenbar die Neumitglieder für seine Wahl angeworben hatte, sieht das anders. Die Probleme seien lösbar. Seine eher mäßigen Deutschkenntnisse seien kein Hindernis, die Interessen der Kieler im Rat zu vertreten, meinte der Historiker, der seit 16 Jahren in Deutschland lebt. "Ich mache Politik mit dem Kopf, nicht mit der Sprache."

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