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Uni-Ärger : CAU: „Ohne Lehramt keine Exzellenz“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kieler Uni fürchtet, dass die geplante Lehramtsreform zu Lasten der CAU gehen. Die Sorge: Weniger Studenten und Professoren bedeuten schlechtere Chancen im Kampf um die Spitzenplätze in der Exzellenzforschung.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 03:54 Uhr

Es ist gerade das Aufreger-Thema: Mit nur 1,2 Millionen Euro will Bildungsministerin Waltraud Wende die Universität Flensburg in 13 und nicht wie geplant in sieben Fächern fit für die Lehramtsausbildung auf Oberstufenniveau machen. Denn die Lehrerausbildung für die Sekundarstufe II soll es künftig nicht nur in Kiel, sondern auch an der Uni Flensburg geben (wir berichteten).Bisher werden in Flensburg nur Gemeinschaftsschullehrer bis Klasse 10 ausgebildet.

Aus Sicht von Professor Gerhard Fouquet, Präsident der CAU, verlässt der jetzige Gesetzentwurf den gemeinsamen Weg, der zwischen den vier Hochschulen im Land im September 2013 festgeschrieben wurde – vereinbart waren sieben Fächer in Flensburg.

Die Kieler Uni sieht durch die Diskussion und die geplante Reform den „Wissenschaftsstandort der Landeshauptstadt und Schleswig-Holsteins in Gefahr“. Fouquet: „Wir besitzen die Expertise, um sagen zu können, was die Einrichtung speziell für naturwissenschaftliche Fächer finanziell bedeutet, um wenigstens die bundesweiten Mindeststandards zu erfüllen.“ So, wie das Flensburger Konzept derzeit geplant ist, sieht Fouquet nicht einmal die Standards erfüllt. Im Gegenteil, er findet das Vorhaben „verantwortungslos“.

Was kostet denn nun die Einrichtung naturwissenschaftlicher Fächer für die Sekundarstufe II? Kanzler Frank Eisoldt hat zwei Modelle gerechnet. „Wir nehmen an, dass zur Ausbildung in der Sekundarstufe II Lehre und Forschung gehören und wir haben angenommen, dass die Hälfte der Kieler Studenten an der Flensburger Uni in den Fächern unterrichtet würden.“ Modell 1: Die Berechnung der Personal- und Sachkosten für die laufenden Lehre (rund 5 bis 5,5 Millionen Euro). Eisoldt: „In dieser Berechnung sind wir von einer W2-Professur (rund 250 000 Euro) ausgegangen und haben den erhöhten Bedarf an wissenschaftlichen Mitarbeitern in der Chemie berücksichtigt. Aber das Ergebnis liegt am unteren Limit, verglichen mit uns.“ Die CAU gibt dafür 291 000 Euro jährlich aus. Modell 2: Die Berechnung über die durchschnittlichen Kosten pro Studienplatz inklusive Lehr- und Forschungskosten. Kosten: 3,29 Millionen Euro. Eisoldt: „Nicht inbegriffen sind hierbei die Bewirtschaftungskosten, ganz abgesehen von den Baukosten.“ Hier haben die Experten als einmalige Baukosten rund 50 bis 55 Millionen Euro veranschlagt, um Labore nach bundesweiten Standards einrichten zu können. Eisoldt betont: „Die Zahlen des Ministeriums sind falsch, das wird jede seriöse Berechnung zeigen.“ Die befürchtete Folge: „Jede Umschichtung von Mitteln im Hochschulbereich geht auf unsere Kosten als Landesuni.“ Würde Kiel Lehramtsstudenten an Flensburg verlieren, stünden langfristig auch die Professorenstellen in Frage und damit die Erfolge in der Exzellenz-Clusterforschung, wie Professor Frank Kempken formuliert: „Ohne Lehramt keine Exzellenz.“

Fouquet fordert deshalb „ein abgestimmtes, sinnvolles Konzept mit dem ein vernünftiger, verantwortungsvoller Weg beschritten werden kann“. Dann sei er auch wieder zur Zusammenarbeit mit der Flensburger Uni bereit. Die Studentenausschüsse beider Unis arbeiten unterdessen weiterhin zusammen. Vertreter Lasse Petersdotter: „Es geht uns um die Qualität der Ausbildung. Wir brauchen dringend die geplanten Reformen wie das Praxissemester, können uns aber, wegen dem knapp bemessenen Bildungshaushalt, keine teuren Doppelstrukturen leisten!“ Die verschiedenen Berechnungen stellt die CAU dem Bildungsministerium zur Verfügung und hofft in einer Woche klärende Gespräche mit dem Ministerpräsidenten führen zu können. Fouquet: „Ich hoffe, dass man uns ernst nimmt.“

Es gehe hier schließlich um die Lehrer von morgen. „Alle wollen gut ausgebildete Lehrer für ihre Kinder. Dann dürfen wir mit den Studenten auch nicht experimentieren“, sagt Fouquet.

An der Kieler Uni sitzen Lehramtsstudenten mit Fachstudenten in den Naturwissenschaften nebeneinander. Weshalb ist das so wichtig? Kempken: „Damit zukünftige Lehrer die Bedeutung der Forschung begreifen lernen und in ihrem Unterricht später Talente entdecken und diese fördern können.“

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