Iltisbunker : Bunkerkunst soll wieder strahlen

In mittlerweile 26 Jahren hat das Gemälde arg gelitten: Shahin Charmi vor seinem Werk „Revolution und Krieg“.
In mittlerweile 26 Jahren hat das Gemälde arg gelitten: Shahin Charmi vor seinem Werk „Revolution und Krieg“.

Der Maler Shahin Charmi möchte sein Gemälde „Krieg und Revolution“ am Iltisbunker auf dem Ostufer rechtzeitig zum 100. Jahrestag des Matrosenaufstandes 2018 restaurieren, Die Gespräche mit der Stadt laufen.

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22. Juni 2015, 11:19 Uhr

Jeder, der schon einmal die Preetzer Straße auf dem Kieler Ostufer heruntergefahren ist, kennt es: das riesige Gemälde am Iltisbunker. Vor einem guten Vierteljahrhundert hatte es der Muthesius-Absolvent Shahin Charmi mit Hilfe jugendlicher Arbeitsloser angefertigt. Die einzelnen Sequenzen beschäftigen sich mit der jüngeren Kieler Stadtgeschichte seit dem Matrosenaufstand, der 1918 zum Ende der Monarchie und des Krieges führte. Mittlerweile aber überwuchert wilder Efeu die Szene vom Novemberpogrom, der Putz bröckelt von der Wand, graue Placken ziehen sich über das einst so farbenfrohe Werk. Charmi möchte seinen historischen Bilderbogen erneuern und erweitern – er hofft auf positive Signale von der Stadt.

Mit seinem Projekt betrat er 1988/89 Neuland. Es gab Proteste und sogar Anfeindungen, die auch am 1. Dezember 1989 bei der Einweihung noch nicht abgeklungen waren. Konservative Stimmen warfen ihm mit Blick auf den Kopf von Rosa Luxemburg „sozialistischen Realismus“ vor, Feministinnen haderten mit der nackten Frauen-Schönheit und sprachen von Sexismus. Dabei hatte Charmi, wie er sagt, doch nur „zitiert“ aus der Kunstgeschichte. Die blankbrüstige „Marianne“, das Symbol der Französischen Revolution, war ihm Vorbild für sein Kieler Gemälde.

Mit fast 700 Quadratmetern zählt „Revolution und Krieg“ zu den größten Gemälden in ganz Deutschland. „Nur die Graffiti-Zeichnungen an der Berliner Mauer waren noch riesiger,“, sagt Charmi. „Aber die Mauer steht nicht mehr.“ Ihn ärgert es, dass – ungeachtet der Witterungsschäden – der Blick auf sein Werk geschmälert wird. Leitungen zu den Funkmasten auf dem Dach des Iltisbunkers durchziehen den Kopf des unbekannten Soldaten, an dessen Grab die Familie trauert. Wilder Efeu konnte sich jahrelang ungehindert ausbreiten, und mittlerweile beschatten drei mächtige Laubbäume das Gemälde.

Charmi wurde 1953 im iranischen Täbris geboren und wuchs in Teheran auf. 1976 kam er nach Deutschland, kehrte aber als Fotograf zurück in seine Heimat, als der Schah gestürzt wurde und die Mullahs die Macht ergriffen. 1979 ließ er sich dann endgültig in Kiel nieder. Seit 1985 studierte er an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel. Sein Bunkerbild war für ihn ebenso künstlerisches wie soziales Projekt. Zwei Jahre lang hatte er sich mit jugendlichen Arbeitslosen vorbereitet. Wochenlang hatten Charmi und seine Jungs die Fassade gereinigt, mehrfach mit Tiefengrund behandelt und dann die eigentliche Grundierung aufgetragen.

Eine ähnliche Arbeitsweise stellt er sich für die Restaurierung vor. Doch die Stadt weist auf veränderte Bedingungen hin. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) wie vor 25 Jahren gebe es nicht mehr. Auch die Finanzierung, sprich: die Suche nach Förderern, gestalte sich schwierig. Man sei mit dem Künstler aber im Gespräch, erklärte Stadt-Sprecherin Annette Wiese-Krukowska. Sie ist zuversichtlich, eine Vereinbarung mit Shahin Charmi finden zu können. Das Ziel ist klar: Im Jahre 2018, wenn der Matrosenaufstand genau 100 Jahre zurückliegt, soll der Iltisbunker wieder im frischen künstlerischen Glanz erstrahlen.  

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