Regionales Start-up : Bummelbude: Mit Digitalisierung gegen den Leerstand in der Kieler Innenstadt

Kreative Geschäftsidee aus Kiel: Christopher Meereboer, Daniel Faulhaber und Klaas Endrikat (v.li.) wollen mit ihrer Online-Plattform „Bummelbude“ den lokalen Einzelhandel unterstützen.
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Kreative Geschäftsidee aus Kiel: Christopher Meereboer, Daniel Faulhaber und Klaas Endrikat (v.li.) wollen mit ihrer Online-Plattform „Bummelbude“ den lokalen Einzelhandel unterstützen.

Virtueller Schaufenster-Bummel, reales Kauferlebnis: Drei ehemalige Kieler Studenten sagen der Verödung der Innenstädte den Kampf an.

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02. Januar 2018, 21:20 Uhr

Kiel | Die Digitalisierung verändert das Gesicht der Innenstädte. Das scheint Tatsache. Der Boom im Online-Handel fördert den Leerstand insbesondere in kleinen und mittelgroßen Städten. Drei ehemalige Kieler Studenten wollen diesen Trend mit ihrer Idee bekämpfen, den stationären Einzelhandel unterstützen und die Einkaufsstraßen der Landeshauptstadt wieder beleben – und das ausgerechnet mit einer Online-Plattform.

Virtuell bummeln – zielstrebig zuschlagen

Bummelbu.de heißt ihre Webseite, auf der Kieler Händler und Startups ihre meist originellen und kreativen Produkte präsentieren können. Bis zu zehn Artikel können dort für 25 Euro im Monat vorgestellt werden. Für die Kunden bietet die Software so etwas wie einen virtuellen Schaufensterbummel. Auf der Plattform kann man sehen, was die lokalen Geschäfte zu bieten haben, bevor man zielstrebig vor Ort losshoppt.

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Was bietet der lokale Einzelhandel? Bummelbu.de bietet einen virtuellen Schaufensterbummel.
 

In Eigenarbeit haben Daniel Faulhaber (30), Christopher Meereboer (34) und Klaas Endrikat (35) zunächst eine entsprechende App entwickelt. Seit dem 1. Dezember ist auch die Homepage online. Jetzt soll es so richtig losgehen. Rund 40 lokale Händler, Startups und Produzenten sind bereits registriert und nutzen den Online-Dienst.

Geld und Steuern bleiben in der Stadt

„Um am Markt zu bestehen, dürfen Geschäftsführer keine Angst vor Digitalisierung haben, sondern müssen diese als Chance verstehen“, meint Mitgründer Daniel Faulhaber gegenüber shz.de. Dabei könne Bummelbude helfen. „Uns war bei der Entwicklung wichtig, dass die Lösung einfach ist, für die Nutzer nicht viel Know-how erfordert und am Ende alle profitieren“, so der 30-Jährige weiter. 

Profitieren sollen also neben den Gründern selbst die Kunden sowie vor allem der stationäre Einzelhandel in der Landeshauptstadt. „Wir wollen den Leuten sagen: 'Guck doch erstmal gemütlich vom Sofa aus, was es in deiner Nachbarschaft alles Cooles gibt.' Dann bleiben das Geld und die Steuern auch in der Stadt.“

Analoge Bummelbude in der Innenstadt

Einen Partner hat das Trio in der Kieler Wirtschaftsförderung gefunden. Seit Anfang November betreiben die Absolventen des Studiengangs Medienkonzeption in enger Zusammenarbeit mit der KiWi GmbH den Konzept Store Kiel in der Kehdenstraße. Das analoge Pendant zur Bummelbude.

Von Fahrrädern, über Homegardening-Zubehör bis  hin zu Kissen und Kleidung – im Konzept Store können Produzenten günstig Verkaufsfläche für ihre Waren anmieten.
Foto: Dana Ruhnke
Von Fahrrädern, über Homegardening-Zubehör bis hin zu Kissen und Kleidung – im Konzept Store können Produzenten günstig Verkaufsfläche für ihre Waren anmieten.
 

Auch hier soll an einem Ort gezeigt werden, was Kiel zu bieten hat. Den Store nutzen derzeit insgesamt rund 60 verschiedenen Kieler Produzenten und Händler als zum Teil zusätzliche Verkaufsfläche in der Innenstadt. Die KiWi unterstützt dabei Kieler Startups, die sich im Schaufenster prominent präsentieren können.

Rund 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche gibt es in der Kehdenstraße 6. Vorerst nur bis Ende Januar. Bisher gehe das Konzept voll auf. „Es gibt großes Interesse und auch super Feedback“, so der gebürtige Stuttgarter. „Wer hier einen Bereich mietet, erhält von uns zusätzlich einen professionellen Auftritt auf bummelbu.de.“ Die drei Gründer übernehmen für die Händler im Shop zudem Verkauf, Abrechnung, Auf- und Abbau sowie Werbung. Den Konzept Store wollen die Gründer gerne auch nach dem Januar weiter halten. Aktuell sei man in Verhandlungen mit dem Hamburger Eigentümer.

Bummelbude auch bald in Flensburg und Kiel?

Und wie soll es ansonsten weitergehen? „Wir wollen uns jetzt erstmal in Kiel etablieren. Wenn es gut läuft und gut angenommen wird, wollen wir die Idee auch ausweiten“, betont Faulhaber. Der Blick gehe dabei zunächst in Richtung Flensburg und Lübeck. Schließlich sei das Innenstadtsterben nicht nur ein Kieler Problem.

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