Kieler Raubserie auf Rentner : Brüder stehen erneut vor Gericht

Sie erbeuteten 40.000 Euro und sind verantwortlich für den Tod einer 82-Jährigen: Zwei Brüder wurden bereits verurteilt, müssen wegen der Raubserie aber erneut vor Gericht. Das Verfahren muss neu aufgerollt werden, da das Gericht in erster Instanz falsch besetzt war.

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10. Juni 2014, 10:41 Uhr

Kiel | Wegen einer Raubserie auf ältere Menschen in Kiel-Schilksee müssen sich seit Dienstag erneut zwei Brüder vor dem Landgericht verantworten. Die Überfälle hatten Senioren von August 2010 bis Februar 2011 monatelang in Angst und Schrecken versetzt. Bei der letzten Tat starb eine 82-jährige Ehefrau an einem Asthmaanfall.

Laut Anklage überfielen die beiden Männer die Senioren maskiert und mit einer ungeladenen Schreckschusspistole bewaffnet in deren Wohnungen und beraubten sie. Beim ersten Überfall auf einen Demenzkranken erbeuteten sie 40.000 Euro. In den anderen Fällen waren es bis zu rund 1000 Euro sowie Münzen und Scheckkarten. Die Anklage lautet auf Raub mit Todesfolge. Das Strafgesetzbuch sieht dafür mindestens zehn Jahre Haft bis lebenslang vor.

Wie im ersten Verfahren lasen die 32 und 25 Jahre alten Brüder erneut ihre Geständnisse vom Blatt ab. Als Motiv für ihre Taten nannten sie Geldnot und Spielsucht. Der ältere erklärte: „Es ist furchtbar, was ich gemacht habe. Ich schäme mich sehr.“ Beide Männer beantworteten zunächst nur Fragen des Gerichts. Fragen des Staatsanwaltes, der Nebenklage sowie der Sachverständigen wollten sie nicht zulassen. Den Tod der alten Dame wollen die Angeklagten nicht verschuldet haben. Der 32-Jährige erklärte, die Seniorin habe sich mit einem Stock wehren und sie aus der Wohnung vertreiben wollen. Doch er beförderte sie auf ein Sofa, ihr Mann wurde gefesselt. Während er die Eheleute bewachte, durchsuchte sein Bruder die Wohnung.

Davon, dass die alte Dame während des Überfalls einen Asthmaanfall erlitt und vergebens um den Inhalator gebeten haben soll, wollten die Angeklagten nichts wissen. Sie habe inhalieren dürfen, sagte der ältere der beiden. Dass er „Erst Geld, dann Inhalator“ und „Erst Geld, dann Arzt“ gesagt haben soll, bestritt er. Sein jüngerer, selbst asthmakranker Bruder meinte, er habe von dem Anfall und der Lebensgefahr nichts bemerkt. Dann sei es plötzlich turbulent geworden und sie seien abgehauen. Laut Nebenklage bat der Ehemann mehrfach vergebens um das Inhalationsgerät und den Notarzt. Weil die Hilfe ausblieb, soll seine Frau vom Sofa auf den Boden geglitten und bereits blau angelaufen sein. Der 85 Jahre alte Witwer nimmt erneut an dem Prozess teil. Sein einziger Sohn, der den gebrechlich wirkenden Senioren begleitet, konnte nur mühsam seine Empörung über die Aussagen der Angeklagten zurückhalten.

Die Brüder waren im ersten Verfahren im August 2013 zu zwölf und elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aber wegen fehlerhafter Besetzung des Gerichts aufgehoben und zur Neuverhandlung an eine andere Kammer verwiesen. Für das Verfahren sind sieben Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll Anfang Juli fallen.

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