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Prozess am Landgericht : Brandstifter legen Geständnis ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Um ein Haar hätte der Brand Ende Juni 2015 Menschenleben gekostet. Beim Verfahren vor dem Landgericht gestanden jetzt zwei junge Männer, das Feuer an der Kieler Feldstraße gelegt zu haben. Sie beschuldigten den Inhaber eines Dönerladens als Auftraggeber.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 18:08 Uhr

Im Prozess wegen des verheerendes Brandes an der Kieler Feldstraße im Sommer 2015 gab es gestern erste Geständnisse. Zwei junge Männer, die aushilfsweise im Dönerladen im Erdgeschoss gearbeitetet hatten, gaben zu, in der Nacht zum 29. Juni Benzin ausgekippt und angesteckt zu haben. Ihrer Aussage zufolge haben sie im Auftrag des Imbissbesitzers gehandelt. 3000 Euro, ein Zehntel der Versicherungssumme von 30  000 Euro, sollten sie für ihre Tat erhalten. Der mutmaßliche Anstifter schwieg aber auch gestern nach diesen Anschuldigungen.

Die beiden Brandstifter, 20 und 23 Jahre alt, waren vom Ausmaß des Feuers überrascht. Wegen der Menschen, die in dem vierstöckigen Haus wohnten, hatten sie wochenlang gezweifelt, den Brand zu legen. Doch immer wieder habe ihr Chef sie bedrängt und provoziert (es fielen die Worte „Weicheier“ und „Schlappschwänze“), außerdem wollten sie mit dem Geld ihren Urlaub in Kroatien finanzieren. „Es tut mir leid. Nur das Inventar sollte brennen. Es war nie beabsichtigt, das Haus in Brand zu stecken. Ich möchte mich bei den Bewohnern entschuldigen“, erklärte der ältere der beiden Deutsch-Kurden. Das Feuer war in Windeseile ins Treppenhaus vorgedrungen, nur mit viel Glück wurden alle 23 Bewohner gerettet (wir berichteten).

Die Täter hatten sich bei der Verpuffung selbst schwere Verbrennungen im Gesicht und an den Händen zugezogen. Sie waren noch in der Tatnacht vom Städtischen Krankenhaus in eine Spezialklinik nach Lübeck gebracht worden. Als sie aufwachten, standen bereits Polizisten an ihrem Krankenbett.

Die Schuld für das gewaltige Ausmaß der nächtlichen Feuersbrunst geben die jungen Männer ihrem Auftraggeber. Schon beim Betreten des Dönerladens habe es „muffig“ gerochen. Einer der Brandstifter erklärte: „Er (der Inhaber) hat mit Sicherheit die Gashähne aufgedreht. Er wollte uns für 3000 Euro in die Luft sprengen.“

Ihr Geständnis entspricht im Wesentlichen den Aussagen, die sie bereits im Krankenhaus gemacht haben. Dank der Kronzeugen-Regelung sind die beiden Brandstifter auf freiem Fuß, während der Imbissinhaber in Untersuchungshaft sitzt. Aber auch gestern blieben offene Fragen. Ein gemeinsamer Freund der Brandstifter soll nicht nur das Benzin gekauft und in zwei große Saftbehälter umgefüllt haben – die dann in einer ausrangierten Kühltruhe gelagert wurden –, sondern in der Tatnacht auch das Auto gefahren und in einer Seitenstraße gewartet haben. Angeblich hat er von der Brandstiftung nichts gewusst. Und drei Nächte vor dem Feuer soll es einen Einbruchsversuch in den Dönerladen gegeben haben. Damit aber wollen die Brandstifter nichts zu schaffen haben. Sie bekamen, wie sie sagten, die Schlüssel vom Imbissinhaber. Zwei Stunden, bevor das Haus in Flammen stand. Der Prozess wird fortgesetzt.  

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