zur Navigation springen

Brandstifter für Jahre hinter Gittern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

7,5 Jahre für den Drahtzieher, 3,5 Jahre für weiteren Täter / Dritter Angeklagter kam wegen seiner Jugend mit Bewährungsstrafe davon

shz.de von
erstellt am 09.Mär.2016 | 12:07 Uhr

Das Landgericht sah in ihm den Drahtzieher des schweren Wohnhausbrandes Ende Juni 2015 an der Kieler Feldstraße – und verurteilte den Imbiss-Besitzer (43) gestern zu einer Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren. Sein 23 Jahre alter Ex-Mitarbeiter, der gemeinsam mit dem dritten Angeklagten das Feuer gelegt hatte, muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der 20-jährige Kumpan wurde nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Er erhielt zwei Jahre Gefängnis, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Er muss außerdem 400 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Viele der ehemaligen Bewohner und auch die Eigentümer-Familie des Hauses verfolgten den Urteilsspruch. Sie zeigten sich durchweg zufrieden mit den verhängten Strafen.

In seiner Begründung setzte sich der Richter sowohl von der Staatsanwältin ab, die elf Jahre Haft für den Haupttäter gefordert hatte, als auch von dessen Verteidiger, der für einen Freispruch aus Mangel an Beweisen plädiert hatte und die Hauptverantwortung bei den beiden eigentlichen Brandstiftern sah. Für das Landgericht hingegen war der Imbissbetreiber der maßgebliche Antreiber: Er habe die Idee für den Versicherungsbetrug entwickelt, um 31  000 Euro zu kassieren. Er habe auch seine beiden Mitarbeiter überredet und ihnen in der Tatnacht den Imbiss-Schlüssel ausgehändigt. Jeweils 1500 Euro sollten die beiden Gehilfen von ihm erhalten.

Die Vermutung, der Imbissbetreiber hätte, quasi zur Brandbeschleunigung, vorher noch eine Gasflasche aufgedreht, hielt das Gericht für nicht stichhaltig. Niemand rechnete nach Einschätzung des Gerichtes damit, dass das Feuer derartige Ausmaße entwickeln würde. Die explodierende Feuerwalze schoss nicht nur über die beiden Brandstifter hinweg (die sich selbst dabei schwer verletzten), sie fraß sich auch schnell ins hölzerne Treppenhaus und von dort bis in den Dachstuhl des fünfgeschossigen Wohnhauses empor. Den aus dem Schlaf gerissenen Mietern war der Fluchtweg versperrt. Sie flüchteten auf die Balkone und verspürten Todesangst, erklärte der Richter. Einzig der schnelle Feuerwehr-Einsatz verhinderte Schlimmeres.

Die beiden im Krankenhaus schnell ermittelten Brandstifter legten ein umfassendes Geständnis ab und profitierten damit von der Kronzeugenregelung. Ganz anders als der Drahtzieher, der lediglich eine knappe Erklärung abgegeben und keinerlei Nachfragen gestattet hatte. „Er bagatellisierte sein Verhalten“, so das Gericht. Außerdem habe er später – erfolglos – versucht, seine Mitangeklagten einzuschüchtern. Die Aussage eines Zellennachbarn, der vom Imbissbetreiber ein volles Geständnis gehört haben wollte, sei jedoch widersprüchlich und deshalb nicht verwertbar gewesen.

Viele Ex-Bewohner des Brandhauses hatten den dreimonatigen Prozess intensiv verfolgt. Sie sind durchweg froh, dass ein zügiges Urteil gefällt wurde, und konnten sich auch mit den richterlichen Worten in der Urteilsbegründung anfreunden.

Für Rosemarie und Jochen Schümann, das Eigentümer-Ehepaar des Brandhauses, hat bereits der Wiederaufbau begonnen. Das Haus wurde entkernt, nur die Mauern blieben stehen. Spätestens Ende des Jahres soll Einweihung gefeiert werden. Die Kosten von rund einer Million Euro trägt die Versicherung, die aber wiederum das verurteilte Brandstifter-Trio in Regress nehmen dürfte. Das stellte gestern bereits der Richter in Aussicht: „Die Angeklagten müssen den finanziellen Schaden ersetzen. Sie sind alle auf Dauer finanziell ruiniert.“  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen