Alte Mu : Brandschutz wird zum Politikum

So soll es aussehen: Grün ist die angesagte Farbe im Quartier der Alten Mu.
So soll es aussehen: Grün ist die angesagte Farbe im Quartier der Alten Mu.

„Wir können nicht so tun, als ob nichts wäre“: Der SSW wirft den Grünen vor, mit der Alten Mu die neue Kooperation zu erpressen. Heftiger Streit ist entbrannt um den Brandschutz im Speziellen und die Verantwortlichkeiten im Allgemeinen.

shz.de von
03. Juli 2018, 20:00 Uhr

Marcel Schmidt und Susanna Swoboda, die beiden SSW-Vertreter in der Kieler Ratsversammlung, wollen nicht warten. Sie wollen wissen, wie es mit dem Brandschutz in der Alten Mu aussieht. In einem Brief fordern sie Oberbürgermeister Ulf Kämpfer auf, für Klarheit zu sorgen „und unabhängig von Zuständigkeiten die brand- und sicherheitstechnische Situation sowie alle weiteren in Betracht kommenden Aspekte der Gefahrenabwehr an der Alten Mu zu überprüfen“.

Die Alte Mu ist das frühere Lehrgebäude der Muthesius-Kunsthochschule. Nach dem Umzug der Hochschule an den Knooper Weg nutzten viele Initiativen das leerstehende Gebäude am Ratsdienergarten als willkommene Heimstätte für ihre Arbeits- und Atelierräume. Die Alte Mu wurde zum Vorzeigeprojekt der Kieler Grünen. Sie setzten während der Kooperation mit SPD und dem SSW durch, dass die Stadt die Immobilie vom Besitzer, dem Land Schleswig-Holstein, mietet und für drei Jahre an den Verein Impulswerk Alte Mu untervermietet.

Die Kooperation aber ist längst zerbrochen, heute liegt der SSW mit den Grünen überkreuz. Fraktionschef Marcel Schmidt wirft dem einstigen Partner vor, dass er die Alte Mu als Erpressungsmittel für die neue Kooperation mit SPD und FDP benutzt (siehe Artikel von gestern). Denn aus Sicht des SSW ist die Verantwortung für die Alte Mu zwischen Stadt und Land „nicht wirklich geklärt“. Vorrangig geht es Schmidt um den Brandschutz, aber beispielsweise auch um die Frage der sicheren Statik. „Das ist wie in Schiff, das in See sticht – ohne Schwimmwesten und Rettungsboote an Bord“, ergänzt Susanna Swoboda.

Schon im Mai, als die Ratsversammlung den Mietvertrag zwischen Stadt und Verein um drei Jahre verlängerte, hatte Schmidt nach dem Brandschutz für die Alte Mu gefragt. Für Landesimmobilien sei die Kieler Berufsfeuerwehr nicht zuständig, verwies Stadtbaurätin Doris Grondke auf die vertraglich fixierte Eigenverantwortung der Untermieter. „Alle Pflichten zum Brandschutz, der Gebäudeunterhaltung etc. sind in den schriftlichen Vereinbarungen fixiert“, erklärte die Stadt auf Anfrage unserer Zeitung.

Michael Päpke vom Planungsbüro für urbane Transformation (das die Gespräche mit Stadt und Land führt) spricht davon, dass der SSW derzeit „ein wenig Gegenwind gegen die Grünen“ macht. Man habe in der Alten Mu teure FI-Schalter und neue Leitungen verlegt, einen Fluchtplan erstellt und Brandschutzwände gebaut. Er verwies auf den Mietvertrag: „Wir kümmern uns selbst um den Brandschutz.“

Das wiederum überzeugt den SSW überhaupt nicht. „Ich kann mir doch auch nicht selber die Tüv-Plakette aufs Auto kleben“, sagt Susanna Swoboda. Auch die Ankündigung, dass man notfalls ohne die SSW-Ratsfraktion einen Termin mit dem SSW-Landtagsabgeordneten Lars Harms vereinbare, ficht Marcel Schmidt nicht an: „Wir machen hier Politik für die Stadt. Und wir können doch nicht so tun, als ob dort (in der Alten Mu) nichts wäre.“

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