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Prozess: Falschgeld : Blütenträume platzten im Gericht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine goldene Uhr im Tausch gegen 800 Euro Falschgeld. 24-Jähriger fliegt im Rotlichtviertel auf.

von
erstellt am 26.Jul.2017 | 18:25 Uhr

Sie hätten sich zwar seltsam angefühlt, er habe sich aber keine weiteren Gedanken darüber gemacht – so beschrieb M. seine Erinnerung an jene Geldscheine, die ihn schließlich vor das Kieler Schöffengericht bringen sollten. Der Vorwurf gegen den 24-jährigen Angeklagten lautete gestern: In-Verkehr-Bringen von Falschgeld.

Um an Geld zu kommen, hatte der arbeitslose M. im März 2015 seine goldene Uhr verkauft. Insgesamt 16 Scheine à 50 Euro (also 800 Euro) hatte er dafür von dem ihm – laut eigener Aussage – unbekannten Mann aus Gaarden erhalten. „Sie fühlten sich seltsam an, der Strichcode sah aber echt aus“, erklärte M. der Richterin. In einer Kneipe im Kieler Rotlichtbezirk hatte der junge Mann anschließend mit einem der Scheine bezahlen wollen. Eine Mitarbeiterin entdeckte den Schwindel und rief die Polizei. Bei deren Eintreffen versteckte M. das übrige Geld in seiner Unterhose. Vergeblich – die Beamten fanden und beschlagnahmten die Blüten.

Nach drei Verhandlungsterminen, bei denen Richterin, Schöffen und Staatsanwaltschaft vergeblich auf den Angeklagten gewartet hatten, sorgten nun Polizeibeamte für das zuverlässige Erscheinen von M. im Amtsgericht. Von der Richterin darauf angesprochen, betonte der Kieler, er habe sich ja schon mehrfach dafür entschuldigt, mehr könne er nun auch nicht machen. Der junge Mann ohne Ausbildung lebt bei seinen Eltern, erhält von ihnen sein Taschengeld. Die Geldstrafen und Schulden ihres Sohnes hatten der KfZ-Mechaniker und seine arbeitslose Frau stets beglichen. Für M. eine Selbstverständlichkeit: „Die würden alles für mich bezahlen. Es sind ja auch Eltern, nicht irgendwelche Fremde.“

Der Alltag des Beschuldigten besteht nach eigenen Angaben aus „sinnlosen Sachen“ und „mit Freunden abhängen“. Seit zwei Monaten aber, erklärte M., hilft er seinem Vater beim Verkauf von Autos über das Internet. Zukünftig will er sich in diesem Bereich selbstständig machen, immerhin sei das „doch ganz einfach“.

Als einen „bunten Blumenstrauß des Strafgesetzbuchs“ bezeichnete die Staatsanwaltschaft die vier bereits bestehenden Einträge des Beschuldigten im Bundeszentralregister – darunter das Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Urkundenfälschung. Im aktuellen Fall konnte die Anklage M. weder das Fälschen beweisen noch die bewusste Absicht, das Geld in Umlauf zu bringen. „Allerdings haben Sie Mutmaßungen angestellt, dass es sich um Falschgeld handelt, und es trotzdem in Umlauf bringen wollen“, so die Richterin.

So lautete das Urteil für das In-Verkehr-Bringen der Blüten: sechs Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie 200 Arbeitsstunden. „Es wird eine Herausforderung für Sie sein“, wandte sich die Richterin abschließend an M., „dass Sie tatsächlich mal arbeiten müssen und einen strukturierten Tag haben.“

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