zur Navigation springen

entschärfung : Blindgänger in Düsternbrook entschärft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Direkt an den neugebauten Mehrfamilienhäusern auf dem Gelände der einstigen Sternwartensiedlung ist eine Bombe bei den Bauarbeiten gefunden worden. Gestern wurde sie erfolgreich entschärft. 3500 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 05:02 Uhr

Eine britische Bombe im dichtbesiedelten Raum, direkt im Villenviertel neben Neubauten auf dem einstigen Gelände der Sternwartensiedlung. Das weckte bei vielen älteren Menschen, die für die Entschärfung gestern Nachmittag ihre Wohnungen verlassen mussten, viele Erinnerungen. Günter Gohde (82) ist als Zwölfjähriger mit seiner Familie von Pommern nach Kiel gekommen, hat hier das Kriegsende 1945 miterlebt. Als er im Treppenhaus mit seiner Frau die Nachricht von der Entschärfung der 500 Pfund Bombe las, kam ihm ein Bild aus Kindertagen in den Sinn: „Ich hatte keine Angst vor Bomben oder Bombenalarm – bis zu dem Tag, als ich die Explosion einer Bombe auf einem freien Feld neben uns miterlebt habe. Alles war zerstört.“ Seine Frau Margret (76) ist in Dortmund geboren, auch sie hat den Krieg und seine Zerstörung erlebt: „95 Prozent der Stadt wurden zerstört. Wir sind immer unter den nächsten Strauch gesprungen oder in die Keller, wenn wir den Alarm hörten.“

Gestern saß das Paar mit rund 20 anderen Menschen in der Hebbelschule, bekam vom DRK Kaffee und Kekse, um die Wartezeit zu überbrücken. Margret Gohde zuversichtlich: „Es wird schon gut gehen.“ Die Medikamente für ihren an Diabetes erkrankten Mann hatte sie sicherheitshalber eingepackt.

Es ging gut. 17 Uhr gab Oliver Kinast, Leiter des Kampfmittelräumdienstes, Entwarnung. Der Detonator, ein sehr empfindlicher Primärsprengstoff, ließ sich ohne Probleme vor Ort sprengen, die Bombe mit rund 280 Kilogramm Sprengstoff entschärfen. „Wir sind immer zufrieden, wenn wir es so gut schaffen“, sagte Kinast. Der Blindgänger sei noch gut erhalten, die einst grüne Farbe der Außenhülle und die Aufschrift fragmenthaft sichtbar. Auch der gelbe Farbring, der auf eine Sprengstoffbombe hinweist, sei noch erkennbar. Der Experte schätzt, dass der Blindgänger zwischen 1942 und 1943 abgeworfen worden sein muss.

Weshalb war die Bombe erst bei Bauarbeiten gefunden worden? Kinast: „Kiel ist auf den Resten von Kiel erbaut. Mit Sondierungen kommt man hier nicht weiter, da hat man keine Chance, die Blindgänger zu finden.“ Zu viel Schutt sei dazwischen. Sie lag etwa einen Meter unter der Erdoberfläche, stand senkrecht mit der Spitze nach oben. Ein Baggerfahrer hatte sie am Dienstag entdeckt und sofort die Polizei alarmiert.

Mit wie vielen Blindgängern rechnet der Experte noch in Kiel, allein sechs wurden schon in diesem Jahr entschärft? Kinast: „Das ist schwer zu sagen. Mindestens mehrere hundert. Die alle zu finden und unschädlich zu machen, wird unsere Aufgabe in den nächsten Jahrzehnten sein.“ Die Düsternbrooker Bombe wird, wie andere Blindgänger und Sprengstoffe, nach Groß Nordsee gebracht und entsorgt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert