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Robert Schmidt-Hamburg : Blaue Jungs und prächtige Schiffe

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Warleberger Hof eröffnet heute Abend seine Kieler-Woche-Ausstellung. Sie ist dem Marinemaler Robert Schmidt-Hamburg gewidmet, der jahrzehntelang an der Förde sein Atelier hatte. Seine Faszination für die Seefahrt begann schon als 16-jähriger Matrose.

Die Seefahrt nahm ihn zeitlebens gefangen. Robert Schmidt-Hamburg, 1885 als Sohn eines Berliner Korbmachers geboren und 1963 in seinem Haus in Laboe gestorben, gilt heute als bedeutender Marinemaler. Der Warleberger Hof widmet ihm seine Kieler-Woche-Ausstellung, sie wird heute Abend eröffnet – traditionell immer einen Tag vor dem offiziellen Glasen auf dem Rathausplatz. Während der Kieler Woche ist der Eintritt frei.

Robert Schmidt büxte bereits als 16-Jähriger aus und heuerte 1901 im Hamburger Hafen auf dem Dampfer „Kanzler“ der Ost-Afrika-Linie als Matrose an. Er fuhr jahrelang zur See, seinen Skizzenblock hatte der talentierte Zeichner stets dabei. Er gab sich bald den Beinamen „Hamburg“ – das klingt nach Abenteuer und Seefahrerweite. Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs fuhr er zunächst auf der „SMS Lothringen“. Die Marine erkannte aber schon bald seine Fähigkeiten und stellte ihn für Seekriegsberichte frei. Fortan konnte er sich in seinem Kieler Atelier, später in seiner Laboer Werkstatt mit Blick auf die Förde uneingeschränkt der Schiffsmalerei widmen.

Sein Werk ist umfangreich. Es reicht von ersten Bordskizzen über farbige Miniaturen bis zu großformatigen Auftragsarbeiten für Reedereien. Robert Schmidt-Hamburg (der sich später auch Robert Schmidt-Laboe, abgekürzt auch RSL nennen sollte) entwarf sogar weit über 100 Schiffsmotive auf Sammelbildern für die Zigarettenfabrik Martin Brinkmann.

Im Katalog zur Ausstellung „Robert Schmidt-Hamburg – ein Chronist der Seefahrtsgeschichte im 20. Jahrhundert“ halten Katrin Seiler-Kroll und Doris Tillmann auch die Teilnahme des Künstlers an der Jungfernfahrt der „Bremen“ fest. Mit dem Blauen Band für die schnellste Atlantik-Überquerung gelang es dem Norddeutschen Lloyd, der deutschen Schifffahrt wieder weltweite Geltung zu verschaffen. Sehr zur Freude von Schmidt-Hamburg, der an Bord die edlen Speisekarten entwarf.

Politisch streng konservativ, wurde der Künstler mit dem Faible für prächtige Schiffe bereits 1929 Mitglied der NSDAP. Doch nach einem Streit mit örtlichen Parteigenossen wurde er bereits 1932 wieder ausgeschlossen. „Er war halt ein Querulant“, bewertet Doris Tillmann diese Phase. Zeitweilig durchlebte Schmidt-Hamburg schwierige Phasen, mit Aufträgen für die Seereisen der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KDF) oder Bildern von der Kieler Woche wurde das Fahrwasser für ihn wieder etwas ruhiger.

„Er hat alle Schiffstypen gemalt“, sagt Doris Tillmann abschließend. „Vom kleinen Küstensegler bis zum Luxusdampfer. Robert Schmidt-Hamburg hat für die Seefahrt gelebt.“

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Wer sich die Werkausstellung anschauen möchte: Eröffnung ist heute Abend um 17 Uhr. Geöffnet ist dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr (donnerstags bis 20 Uhr). Während der Kieler Woche ist der Eintritt frei.

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erstellt am 15.Jun.2017 | 19:17 Uhr

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